Wir waren gestern und heute morgen jeweils zu Routineuntersuchungen (hauptsaechlich Herzton-Wehen = CTG) im Krankenhaus. Dem Baby geht es gut, es ist sogar sehr rege, viel mehr als bei den anderen Frauen, die die CTG-Aufnahme machen (es werden in dem Raum immer vier Frauen auf einmal nebeneinander abgefertigt; da kriegt man so einiges mit, wie denn bei anderen die Ergebnisse sind). Jedenfalls ist unser Baby immer super aktiv, auch frueh am Morgen.
Wir schauen immer noch einem Kaiserschnitt am Dienstag entgegen, oder halt vorher, sollten doch Wehen einsetzen. Bis jetzt ist aber alles ruhig.
Quanbo ist mit ihrem positiven, nicht-jammernden und extrem fitten/aktiven Auftreten bei allen Untersuchungsaerzten und -schwestern sehr beliebt. Zudem wollen alle das Baby sehen, denn in China ist ein „Mischblut“ was ganz besonderes und alle erwarten, dass unser Baby ganz toll aussehen wird. Natuerlich ist diese Betonung auf „gemischte Rassen“ fuer einen in der Bundesrepublik aufgewachsenen und erzogenen Menschen ein eher heikles Thema, und in der Tat gibt es im Deutschen meines Wissens nach keinen Begriff, der nicht frueher schon Mal negativ verwendet wurde und damit out ist. (Halbblut, Mestize, Mulatte etc. sind alle negativ belegt, und die Letzteren hier ohnehin unangebracht.) Jedenfalls, wenn Quanbo erzaehlt, was die anderen zu unserem Baby sagen, ist der Tenor: „Es wird ein ganz wunderbares Halbblut!“ Hhhmmmm….
Obwohl Quanbo patent und bei Untersuchungen fuer die Aerzte pflegeleicht ist, macht sie ihren Ruf als Rebell in chinesischen hierarchischen Verhaeltnissen alle Ehre. Ihre Erzaehlungen, wie sie in der Grundschule als Unruhestifterin und Raedelsfuehrerin bei Unfug von den Lehrern immer verwarnt worden ist, will ich hier nicht wieder aufleben lassen. Auch andere Geschichten sind zu Genuege bekannt… Jedenfalls ist sie mit meiner tatkraeftigen Unterstuetzung sehr nicht-konform mit den hiesigen Gepflogenheiten im Krankenhaus.
Es geht darum, dass sie seit letzten Donnerstag, also einer guten Woche ein Bett im 10-Bettzimmer fuer wartende Muetter belegt.

(Hier ein Photo durch die halb-offene Tuer hindurch.)
Solange alles medizinisch in Ordnung ist, hat sie natuerlich keine Lust, die ganze Zeit dort zu wohnen. Einige Frauen im Zimmer, mit denen sie Freundschaft geschlossen hat, berichten von Frauen mit Wehen in der Nacht, einige, denen es zu kalt ist, aber trotzdem nicht von dem Bett unter der (dann halt ausgeschalteten) Klimaanlage weg wollen usw., was nur bestaetigt, dass es zu Hause doch am schoensten ist.
Zuvor war das Wort der Krankenschwestern dort Gesetz, und es wurde gespurt. Insbesondere durfte kein Patient (denn so wird man als werdende Mutter per se aufgefasst) nach Hause. Wir haben es fuer Quanbo aber trotzdem durchgesetzt, zuerst mit Gegenzeichnung einer Aerztin, dann (als die nicht mehr wollten) mit einseitiger Erklaerung, dass Quanbo auf eigenes Risiko ueber Nacht nach Hause geht. Das ist wie Schulentschuldigungen schreiben! Die Aerzte waehnen sich aber dennoch in der medizinischen Verantwortung, falls etwas passieren sollte, und sehen das gar nicht gerne. Da ich aber ein Auslaender bin, und wir sagen, dass das im Ausland halt ueblich ist, zu Hause zu bleiben, wenn keine medizischen Probleme vorliegen, hat man das schweren Herzens toleriert.
Das Problem: viele andere Frauen in dem Zimmer tun es uns nun nach! Sie haben natuerlich genauso wenig Lust, in einem vollen Zimmer mit Oestrogenspiegel bis an die Decke zu uebernachten. Damit hat Quanbo praktisch eine Revolution angezettelt, weil die anderen ploetzlich sehen, dass sie nicht mehr protestlos hinnehmen muessen, was die Schwestern ihnen verordnen (was heisst „Patientenrecht“ noch mal auf Chinesisch?) Als ich mal zu Qanbo bemerkte, wir koennten doch natuerlich das Krankenhaus verlassen, es sei ja kein Gefaengnis, meinte sie: „In China sieht man das nicht ganz so…“ Eine Schwester meinte auch mal, der Wachdienst wuerde Quanbo schon am Eingang abfangen und am „Abhauen“ hindern. Wenn die wuesste, dass das schon mal ganz andere versucht haben…
Ich schweife ab. Die Schwestern haben (bis auf eine Ausnahme) nicht unsere Telephonnummer, sondern die Handynummer von Quanbos Mutter. Dort rief die Nachtschwester in den ersten Tagen immer an, um zu versuchen, Quanbo sofort zurueck ins Krankenhaus zu beordern, was natuerlich erfolglos blieb. In den letzten Tagen hoerten die Anrufe auch auf, man hatte aufgegeben. Waere da nicht das Problem mit den anderen Patienten… Als wir vor ein paar Tagen morgens um kurz vor acht zur morgendlichen Visite einruelten, war die Haelfte der Betten leer, und deren Insassen kamen (samt Familie) genau wie wir von zuhause.
Heute abend rief Quanbos Mutter an, das Krankenhaus hat sich bei ihr gemeldet, es gab eine Krisensitzung (!) der Schwestern/Aerzte, Quanbo moege doch bitte ubers Wochenende wieder ins Krankenhaus zurueckkommen, damit die anderen „in ihren Fussstapfen folgen“ (Zitat) und auch wieder die Nacht dort verbringen. Das hat uns sehr amuesiert. Natuerlich bleibt Quanbo bis Montag hier, immerhin ist es hier am schoensten, das Essen ist besser und man kann Olympiade schauen. Sicherlich sind alle Beteiligten froh, wenn das Baby da ist und der Ausnahmezustand im Krankenzimmer beendet werden kann
Zum Schlus noch ein Photo von einem Poster im Krankenhaus, das zeigt, wie sehr westliche Unternehmen hier ihre Pordukte vermarkten. Gerade Phillips’ Flaschensystem ist hier ueberall zu finden. Auch haben wir keine Probleme, NUK oder Bibi Produkte aufzutreiben.













