Yabuli

Am naechsten Tag wollten wir einen Ausflug nach Yabuli, Chinas aeltestem Skigebiet machen. Das liegt etwa drei Zugstunden von Harbin entfernt (rotes “A” auf der Karte):


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Wir sind mit dem “Spezial-Skifahrerzug” um 9 Uhr losgefahren. Dummerweise hatten wir die “Weiche Klasse” gebucht; diese bestand ueberraschenderweise aus klassischen Liegewagen mit heruntergeklappten Liegen. Nach drei Stunden sind diese Sitze schon ganz schoen unbequem. Die ‘Harte Klasse” bestand aus normalen Grossraumwagen, was sicherlich besser gewesen waere.

Helena hat die Zugfahrt gut ueberstanden war aber leider die ganze Fahrt lang wach. Als wir ankamen, schlief sie dann auf meinen schultern noch am Bahnsteig ein! Der erste Eindruck war sogar sehr nett: Yabuli liegt auf einer Hoehe von ca. 1000 m, hat aber wegen der grossen Kaelte recht gut Schnee.

(Das Bild haben wir am Abend vor der Rueckfahrt gemacht). Der Bahnhof sieht ein wenig wie ein Maerchenpalast im Schnee aus:

Im Zug gab es halb-offizielle “Reisefuehrer”, die probierten den zumeist chinesischen Touristen Hotels und Skitouren (inkl. gemieteter Ausruestung) zu vermitteln. Am Bahnhof, der im absoluten Nirgendwo steht, schien es keine andere Transportmoeglichkeit zu geben, also nahmen wir das Angebot einer solchen Fuehrerin an, mit einem Minivan zusammen mit anderen Touristen ins eigentliche Yabuli gebracht zu werden.

Wir hatten slber nicht vor, Ski zu fahren, sondern wollten den Ort einfach als moegliches spaeteres Winterurlaubsziel erkunden. Der “Ort” selbst besteht aber nur aus einem Dorf am Bahnhof, das nur aus ein paar torstlosen Huetten besteht, und ein paar Liftgebaeuden und Betonblockhotels am Berg. Nichts, aber auch gar nichts, erinnert igrendwie an einen Skiort, wie man ihn aus Europa gewoehnt ist. Es gibt z.B. keine Geschaefte fuer Winter- und Skibekleidung. Diese kann in einer grossen Halle, in der auch die Skipaesse verkauft werden, an offenen staenden gemietet werden. Beim Schreiben dieses Blogs bedaure ich, nicht noch mehr Photos von diesen trostlosen grauen Gebaeuden und der verschlissenen Mietausruestung gemacht zu haben. Das ganze hatte den Charme einer Fabrikhalle.

Eine Tagesskikarte kostet uebrigens stolze 450 RMB/Person. Wir kauften zwei Karten zu je 180 RMB um als Fussgaenger den Hauptberg hinauffahren zu koennen. Zunaechst brachte uns ein Minibus zusammen mit anderen Chinesen ein wenig den Berg hoch, so dass wir zur Hauptskipiste kamen. Dort wehte schon ein ziemlich eisiger Wind, den Helena gar nicht mochte. wir wickelten sie unter meine Jacke so gut es ging und liefen zu einem altmodischen Gondellift und stellten uns an. Die Gondeln kamen ausgesprochen langsam, aber bald liess man uns in der Schlange vor und es ging endlich los.

(Unsere “Entfuehrung”, wo man probierte uns zu einem ueberteuerten Mittagessen zu ueberreden habe ich oben nicht erwaehnt. Wir hatten das Essen dann dankend abgelehnt, und wollten nur so schnell wie moeglich auf den Berg. Essen fuer Helena hatten wir natuerlich dabei.)

Der Lift sollte eine Gesamtlaenge von 5500 m haben, also recht lang. Es ging auch in sehr gemaechlichem Tempo nach oben und wir probierten den Blick zu geniessen. Aber es war gar nicht so einfach irgendetwas zu sehen, denn die Scheiben waren andauernd frostig beschlagen. Nach einiger Zeit war der Lift dann oben angekommen – dachten wir! Aber nein, es ging weiter, fuer die zweite Etappe stand ein offener vorsintflutlicher Sessellift zur Verfuegung. Der Wind wehte so stark, das es wie in einem Schneesturm war, lauter trockener aufgewehter Schnee bei voller Sonne. Es lag auch gar nicht so viel Schnee wie wir gedacht hatten, man sah noch Pflanzen durch den Schnee ragen.

Es war kalt! Nein, noch kaelter! Nach zehn Sekunden war uns klar, dass der Sessellift untragbar waere. Wir fluechteten uns in einen Wellblechcontainer, wo es loesslichen Kaffee und vor allem warme Heizungen gab. Nach den Strapazen schlief Helena erst einmal anderthalb Stunden auf Quanbo’s Schoss. Wir sprachen noch mit einigen Chinesen und anderen Touristen, die alle Bibbernd und durchgefroren Schutz suchten. Die wenigen ernsthaften Skifahrer hatten harte Gesichtsmasken, die nur Schlitze fuer Augen und Nasenloecher liessen, ein wenig wie venezianische Karnevalsmasken.

Ein paar arme Seelen kamen vom Gipfel zurueck und erzaehlten, die Fahrt auf dem Sessellift dauerte 20 Minuten und sei eine Hoellenqual. In pfeiffendem Wind bei eisigen Temperaturen ohne irgedeinem Schutz haetten Sie schon nach der halben Strecke bergauf umkehren wollen, was natuerlich kaum ging. Selbstredend musste man den Sessellift auch wieder nach zurueck nehmen! Nachdem Helena dann aufwachte, sind wir wieder in der Gondel zurueck gefahren.

Es wurde auch schon wieder zeit, unseren Zug zurueck zu nehmen. Insgesamt waren wir von 12 bis 4 in Yabuli, davon etwa 2 Stunden auf dem Berg (halbe Hoehe) und die restliche Zeit mit Orientierung bzw. organisatorischen Sachen beschaeftigt. Unser Gesamteindruck war eher schlecht. Es gibt kaum Annehmlichkeiten fuer einen entspannten Urlaub, Schnee ist vorhanden aber (wie wir spaeter gelesen haben) auf den Skipisten vor allem kuenstlich. Wir hatten gehofft, mit Helena etwas leicht rodeln zu koennen oder sie im Schnee spielen lassen zu koennen, abe Schlitten gab es nirgendwo und es ist viel zu kalt fuer sie um zu spielen. Spazierwege sind praktisch nicht vorhanden. Trotz wirklich warmer Kleidung haben wir ihr Gesicht nicht hinreichend vermummt, so dass der harte Wind ihr schnell unangenehm wurde. Kurz: fuer Skiurlaub im Winter ist Yabuli noch lange nicht geeignet.

Zurueck in Harbin kamen uns die Temperaturen dort richtig mild vor!

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