Als wir gegen vier von der Party (s.u.) zurueckkehrten, erwartete uns schon Quanbos Mutter, die auf Helena aufgepasst und zusammen mit dem Vater im Kinderzimmer geschlafen hatte. Sie hatte schon um halb drei probiert anzurufen, aber im Club haben wir nichts gehoert, und Quanbo hatte, als sie die Meldung des ersten Anruf auf dem Handy sah, nur eine SMS zurueckgeschickt. Das war auch ganz gut so, denn wir haetten eh nichts mehr machen koennen: anscheinend war auf unserem kleinsten Balkon ein Silvesterboeller gelandet, und hatte unser lagerndes Kaminholz in Brand gesetzt. Was mal so aussah:

sieht jetzt so aus:

Die Eltern berichteten, dass Argos sie gegen 2 Uhr nachts geweckt hatte, weil die Feuerwehr laut an unsere Tuer polterte und offenbar kurz davor war, sie aufzubrechen. Bei dem ganzen Geboellere hatten sie selbst nichts gehoert, bis der Hund sie mit lautem Gebell weckte. Die Feuerwehr loeschte dann schnell den Brand, zwei Verwaltungswachleute murmelten noch, wir haetten halt *wie alle Chinesen) unseren Balkon als Wintergarten zubauen sollen, und das war’s, zumindest bis wir dann kurz vor vier nach hause kamen.
Ausser dem offensichtlichen Sachschaden ist Gottseidank nichts passiert, aber wir hatten natuerlich gestern mit der Gebaeudeverwaltung ein gehoeriges Huenchen zu rupfen. Wir hatten grosses Glueck, dass die Terassentuer (20 cm neben dem Feuer) nicht im mindesten beschaedigt wurde. Nicht auszudenken, was passiert waere, wenn ein Tuerfenster zerborsten und die Gardinen mitsamt Parkettboden Feuer gefangen haetten! Von dem verbliebenen Holz (dass uebrigens schon sehr feucht geliefert worden war; in unserem Kamin hat es viel zu sehr geraucht, so dass wir es eigentlich fuer den naechsten Winter lagern wollten) und den Brandschaeden her zu urteilen, musste das Feuer mindestens zwei Stunden lang gebrannt/geschwehlt haben.
Am Nachmittag waren wir dann bei dem Verwaltungschef (mittags waren wir wgn. Quanbos Geburtstag noch bei den Eltern zum Essen, morgens haben wir erst einmal ein wenig ausgeschlafen). Wir wollten wissen, warum keiner der patroullierenden Waechter den Brand gesehen hatte (ein Nachbar hatte gegen 2 die Feuerwehr alarmiert) und warum ueberhaupt so nah an uneren Haus (2 meter von der Hauswand; die leeren Kartuschen waren ueberall verteilt) ein Feuerwerk (das in Shanghai ohnehin verboten ist) abgebrannt werden konnte.
Wir bestanden auf einer vollstaendigen Ersetzung des Schadens. durch die Verwaltung. Der Chef kam mit hoch und schaute sich das an und war anscheinend entsetzt, dass wir keine eigenen Strom-, Wasser oder Gasleitungen verlegt hatten (die meisten Chinesen machen das), denn er hatte schon auf dem Weg gemurmelt, vielleicht sei ja gar kein Boeller, sondern ein Kurzschluss verantwortlich. Das haette ihm so gepasst, dann haette er die Schuld auf uns abwaelzen koennen! Ausserdem meinte er, in dem Aussenbezirk, wo wir lebten, sei Feuerwerk doch erlaubt. Der letzte Waechter haette um 1:40 seine Runde gedreht, da sei noch nichts gewesen, und ausserdem haetten sich die Waehter groesstenteils auf die Erdgeschosswohnungen und die Wiese in der Mitte des Wohnblocks konzentriert.
Obwohl er jede Schuld oder Mitverantwortung von sich wies, erklaerte er sich bereit „sein Bestes zu tun“ um uns den Schaden kostenlos zu ersetzen. Das stimmte uns schon ein wenig verdaechtig, denn eher quetscht man Wasser aus Stein als Zugestaendnisse aus unserer Verwaltung. Bei dem Brand war die Balkonleuchte verschmort, und als ich (um 4 Uhr nachts geschockt und ohne nachzudenken) den Schalter betatetigt hatte, hatte es uns die gesamte Elektrik im Erdgeschoss durchgebrannt. Der Chef sagte zu, uns den Verwaltungselektriker sofort vrbeizuschicken. Dieser kam dann auch 20 Minuten spaeter.
Und was der uns erzaehlte!! Der wirkliche Ablauf, den der Chef entweder noch nicht kannte (er war am Abend zuvor nicht vor Ort und offensichtlich stark verkatert, als wir gegen 17:00 Uhr mit ihm redeten) oder uns bewusst vorenthalten hatte sei folgender: Gegen Mitternacht, also 2 Stunden vor dem Loeschen, sei die Feuerwehr schon einmal angerueckt, weil jemand einen Brand auf unserer Terasse gemeldet hatte (das war vermutlich derjenige, der die Rakete abgefeuert hatte). Doch die Feuerwehrtuer, die direkt gegenueber unserer Wohnung und dem brenennden Balkon ist, war verschlossen. Daraufhin sei die Feuerwehr zum Haupttor, wo man sie nicht hineingelassen habe. Der Waechter haette abgewiegelt, es seien ja so viele Boeller hier im Einsatz, das sei sicherlich ein Irrtum oder ein uebermaessig hysterischer Nachbar gewesen. Daraufhin ist die Feuerwehr wieder abgezogen! Stattdessen habe man dann den Verwaltungselektriker (der auch als Hausmeister und Maedchen fuer alles arbeitet) angerufen, er moege doch (an seinem freien Abend) vorbeischauen und selber gucken, ob bei uns was waere.
Von unten konnte er bei uns nichts sehen, und hat auch nichts getan. Er blieb noch bis 2 Uhr im Wohnkomplex, aber kummerte sich nicht weiter darum. Die Verwaltung hat
1) die Feuerwehr um 12:00 Uhr weggeschickt
2) Quanbo nicht angerufen (die Tel. Nr. liegt extra fuer solche Faelle bei der Wache bereit)
3) nicht an unserer Tuer geklingelt der probiert, Quanbos Eltern in der Wohnng zu alarmieren
Zusaetzlich kommt hinzu, dass wir uns noch im Dezember mit der Verwaltung gefetzt hatten (und gedroht hatten, die Verwaltungsgebuehren einzubehalten), eben weil die Feuerwehrtuer versperrt war und weder fuer die Allgemeinheit noch fuer die Feuerwehr zu benutzen. Man hat uns damals zugesichert, dass sie m Brandfall mit einer Axt sofort aufgebrochen werden werde. Um des lieben Friedens willen hatten wir uns im Dezember mit einer Zusicherung, im Februar wuerde das System verbessert, zufrieden gegeben.
Ausserdem haben wir heute erfahren, dass Feuerwerk zwar in unserem Bezirk gestattet ist, aber niemals nie innerhalb eines Wohnkomplexes, sondern allenfalls auf Strassen und oeffentlichen Plaetzen verwendet werden darf.
Kein Wunder, dass die Verwaltung so schnell eingelenkt hat, uns den Schaden zu ersetzen. Das ganze wird noch ein intensives Nachspiel haben! Und natuerlich planen wir jetzt Feuer- und Hausratsversicherungen, die wir bisher vernachlaessigt hatten. Ach Rauchmelder werden installiert, warscheinlich gekoppelt an eine amerikaniche private Wachfirma, von der wir eh schon eine Alarmanlage kaufen wollten. Auf die Reaktion der Verwaltung in einem Notfall werden wir uns dnn nie wieder verlassen muessen.


