Der erste Monat

By quanbohorst

Inzwischen ist unsere kleine Helena ein Monat alt. Wir haben uns auch langsam daran gewoehnt, nicht gleich beim ersten Schrei des Kindes aufzuspringen und Panik zu kriegen. Sie trinkt immer noch sehr gerne Muttermilch, so dass sie momentan gar keine Flasche mehr akzeptiert. Wenn wir den Sauger in ihren Mund schieben, schiebt sie ihn wieder erfolgreich mit der Zunge heraus, mit ihren kraeftigen Armen hat sie einmal fast geschafft, die Nuk-Flasche runterzuschmeissen. Ich habe meine Tante um Rat gebeten, sie war der Meinung, sie wieder mit dem Loeffel zu fuettern, damit sie nicht abnimmt.

Somit beginnt der Kampf beim Fuettern: Ich klemme einen Arm von ihr ein, damit ich nur mit dem anderen zu kaempfen habe. Dann versuche ich, sie in dem Arm zu halten, in derselben Hand den Becher mit der Milch zu balancieren und mit der Hand den Loeffel in ihren Mund zu schieben und ihrem wuetenden Arm und den trampelnden Beinen aus dem Weg zu gehen. Sie schreit, Vorteil: ihr Mund ist auf, Nachteil: sie kann sich leicht verschlucken. Manchmal behaelt sie einfach die Milch im Mund, um sie bei der naechsten Gelegenheit wieder auszuspucken. Nach 20 ml Milch bin ich total erschoepft und sie ist eingeschlafen. Kurz vor der Geburt haben wir extra eine Handpumpe von Avent gekauft und 10(!) Vorratsbehaelter, in der Hoffnung, dass ich reichlich Muttermilch bekomme und den Rest fuer Notfaelle aufbewahren kann. Nun trinkt Helena alles aus, so dass ich nicht einmal die Gelegenheit habe, die Milchpumpe auszuprobieren…

A propos Milch, das Milchpulver, das wir fuer Helena verwenden, ist von Similac Advance, eine der besten (amerikanischen) Marken. Sie wird original in Neuseeland bzw. Irland verpackt und nach China importiert. Also gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme im Zusammenhang mit dem Milchskandal. Aber Horst trinkt seit 1 1⁄2 Jahren Milch von der chinesischen Marke „Bright“, bei deren Joghurt ebenfalls Melamin gefunden wurde. Wir haben die Milch sofort abbestellt. Nun trinkt Horst Mineralwasser, was ziemlich hart fuer ihn ist. Es gibt zwar Biomilch bzw. importierte Milch, aber sie ist sehr schwer zu bekommen.

Helena wiegt nun 5 kg und ist mindestens 58 cm lang. Nach und nach haben wir so viele Kleider fuer sie gekauft bzw. geschenkt bekommen, dass der Kinderkleiderschrank sich allmaehlich fuellt. Ich muss gestehen, dass die meisten Kleidungsstuecke pink sind, aber sie sehen alle soooo suess aus! Vor zehn Tagen haben wir einen blauen Schaukelstuhl von “Fisher Price” fuer ca. 50 Euro gekauft (Photos oben). Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, da Helena gerne dadrin liegt und schnell einschlaeft. Der Stuhl hat sogar eine Vibrierfunktion. Falls sie mal quengelig wird, wird sie “per Knopfdruck” ruhig. Dann haben wir noch eine Spielmatte, Badewannenspielzeuge und vor allem eine Schildkroete von “Fisher Price” gekauft, die verschiedene Druckplatten auf dem Ruecken hat; Wenn alle Platten heruntergedrueckt werden, kommt der Kopf heraus. Horst fand das Spielzeug so suess, dass er es am liebsten auch fuer sein Buero zum Abreagieren der Studenten in seinen Sprechstunden gekauft haette!

Am 23. September ist Helena ein Monat alt geworden. In China ist dieser Tag etwas Besonderes und wird speziell gefeiert: Das Kind muss ueber drei verschiedene Bruecken getragen werden, wobei ein roter Schirm aufgespannt wird; Die Mutter bekommt 18 Mahlzeiten etc. Keine Angst, wir haben nur die erste Geschichte durchgefuehrt :-) Wir fanden den Guilin Park von Shanghai passend fuer diese Angelegenheit, da er wunderschoen ist und es hoffentlich schon Guiblumen zu sehen gibt.

Horst hatte an dem Tag Vorlesungen und samt Sprechstunde bis 14 Uhr zu tun, also war es am guenstigsten, uns im Park zu treffen. Ich hatte extra am Tag zuvor einen sauteuren Kinderwagen (500 Euro!!!) von Zooper bestellt, der am 23. geliefert werden sollte. Der Wagen kam im letzten Moment und dann auch noch in der falschen Farbe! Ich wollte rot haben, diese Farbe wurde mir auch bei der telephonischen Bestellung bestaetigt, aber in Wahrheit gab es ihn nur in goldgrau oder schwarz. Also habe ich erstmal auf den goldgrauen Kindewagen verzichtet und habe einen privaten Fahrer bestellt, um zum Park zu kommen. (Bemerkung: Den Fahrer kannten wir von Einkaeufen bei Carrefour. Zu Rush Hour stehen oft viele private Fahrzeuge vor grossen Supermaerkten. Sie sind ziemlich beliebt, da man sofort einsteigen kann und sie teilweise billiger als normale Taxen sind. Ich habe 120 Yuan fuer Hin und Zurueck rausgehandelt, fuer insgesamt 60 km war es ein vernuenftiger Preis. Ein Taxi haette es zwischen 160-180 Yuan gekostet.) Es war ein wunderschoener, sonniger Tag. Leider ist die momentane Temperatur von 29 Grad noch zu hoch, so dass die Guiblumen noch nicht aufgeblueht sind. Wir haben mehrere Bruecken mit Helena ueberquert. Danach haben wir im Teehaus einen Drachenbrunnentee mit Guiblueten getrunken. Es tat sehr gut. Nach 1½ Stunden haben wir uns auf den Rueckweg gemacht. Helena hat wohl reichlich neue Eindruecke aufgenommen und war ganz schoen erschoepft.

Natuerlich gibt es neben den schoenen Erlebnissen auch Buerokratie und Stress, wie z.B., letzte Woche wollte ich die Geburtsurkunde von Helena beim Notar beglaubigen lassen, um diese spaeter im Buero der auswaertigen Angelegenheiten ueberbeglaubigen zu lassen und einen Reisepass fuer Helena zu beantragen. Der Notar sagte, auf der Geburtsurkunde stand „Horst Harold Hohberge“, ein „r“ wuerde fehlen, es wuerde so nicht gehen. Als ich dann argumentierte, dass der Platz in der Urkunde eigentlich nur fuer chinesische Namen, also maximal drei Zeichen vorgesehen war, also Horsts ganzer Name einfach nicht reinpasste, meinte der Notar, dass die Geburtsurkunde neu ausgestellt werden musste, zu Not per Hand reingeschrieben und mit einem Stempel vom Krankenhaus versehen. Ich durfte am naechsten Tag wieder zum Krankenhaus fahren, um diesen Quatsch machen zu lassen, dann noch mal zum Notar fahren…

2 Antworten zu „Der erste Monat“

  1. morinn45 sagt:

    Ach, Ihr habt aber eine süße Maus! *bißchenneidischsei* Ich muß nochmal fragen: habt Ihr eine Hebamme?? Wenn Helena nur MuMi mag, würde ich ihr auch nichts anderes aufzwingen. Das ist doch für alle Beteiligten nur anstrengend. Beruhigend zu lesen, dass Ihr importiertes Milchpulver verwendet, dieser Skandal hat hier ganz schön hohe Wellen geschlagen („50 000 chinesische Babys krank“). Gibt’s denn für Horst keine chin. Milch, die ok getestet wurde? Und ich wünsche Euch, dass der Kinderwagen sein Geld wert ist (Fotos bitte!).
    Alles Liebe aus Berlin, Anja Co.

  2. quanbohorst sagt:

    Wir haben keine Hebamme. In China sind Hebammen nicht so bekannt wie in Europa. Wenn man ein Kind kriegt, wird es in den meisten Faellen in Krankenhaeusern geboren, ausser, dass manche Kinder in Taxen das Licht der Welt erblicken:-)

    Meine dritte Tante ist vom Beruf so was Aehnliches wie eine Hebamme. Sie redet auf die werdenden Muetter gut zu, wie sie atmen bzw. pressen sollen, waehrend sie starke Wehen haben und kurz vor der Geburt stehen. Sie arbeitet seit ueber 30 Jahren in diesem Mutter-Kind-Krankenhaus und kennt sich bestens aus. Sie war hier schon zweimal zu Besuch und ruft mich auch oefters an, um nach Helena zu fragen bzw. meine Fragen zu beantworten.

    Ansonsten kann man sich hier eine „Monatstante“ nehmen. Auf Chinesisch heisst Wochenbett „Monat machen“. Gemeint ist, dass die Mutter nichts anderes tut, als das Kind zu stillen und im Bett zu liegen. Sie duerfe sich einen Monat lang keine Haare waschen, sich nicht duschen, keine Zaehne putzen, kein kaltes Wasser beruehren und natuerlich nicht aus dem Haus. Du kannst dir sicherlich vorstellen, dass ich nichts ausser Kind stillen mitgemacht habe.

    Eine Monatstante haben wir uns nicht gegoennt, da sie im Durchschnitt 4000 Yuan pro Monat kostet. Ausserdem wohnt sie in der Regel in der Familie, laesst sich bekochen und kuemmert sich nur ums Kind. Das waere uns zu bloed. Was wir uns seit eineiger Zeit gegoennt haben, ist eine Ayi (Putzfrau in unserem Fall, kann auch Kindermaedchen bedeuten). Waehrend der Schwangerschaft ist sie einmal pro Woche gekommen, hat 5 Stunden am Stueck geputzt und 5 Euro (fuer die 5 Stunden!) verdient. Das ist super gunestig im Gegensatz zu Deutschland, wo man sich mit unserem Einkommen keine Putzfrau leisten kann. Nachdem Helena geboren wurde, habe ich die Ayi gebeten, zweimal pro Woche zu kommen. In den zusaetzlichen 3 Stunden putzt sie einmal rum, ohne die Fenster zu putzen. Eigentlich habe ich gedacht, dass sie fuer mich buegeln koennte, aber das kann sie leider nicht. Auch nicht so wild.

    Nach der chinesischen Tradition kuemmern sich sowieso die Eltern und Schwiegereltern mit ums Kind. Nur, dass ich mich im Krankenhaus mit meiner Mutter gefetzt hatte und dass sie mir drohte, dass sie mir kein bisschen helfen wuerde. Dann ging es wieder besser, nachdem meine Tanten sich eingemischt haben und auf meine Mutter gut zugeredet haben.

    Meine Mutter ist dann fast jeden Tag zu mir gekommen, hat Helena gefuettert, Windel gewechselt, mit mir gemeinsam das Kind gebadet. Vor zwei Tagen hat es nochmal richtig gekracht, so dass ich jetzt damit rechne, dass sie in der naechsten Zeit gar nicht mehr rueberkommt. Na ja, was solls. Ich ueberlege mir noch, ob ich im Blog von dem ganzen Aerger was erzaehle.

    Die Milch von der chinesischen Marke „Bright“, die Horst sonst trinkt, ist wahrscheinlich ok, da nur ein paar Joghurtsorten von „Bright“ in Peking durch die Tests durchgefallen sind. Die Chemikalie Melamin wurde nie in den Produkten von „Bright“, die in Shanghai verkauft wurden, gefunden. Aber sicher ist sicher.

    Heute hat sich das Wetter umgeschlagen, nicht mehr so sonnig und sehr windig. Es wird richtig Herbst. Wir haben noch keine Zeit gehabt, den Kinderwagen auszuprobieren und Photos zu machen. Horst hat gerade so geschafft, ihn zusammenzusetzen. Diese Woche hat Horst frei, sobald das Wetter sich bessert, wollen wir mit Helena im Kinderwagen in einen Park. Dann gibt es sicherlich jede Menge Photos:-)

Eine Antwort schreiben