Archiv für August 2008

Morgen wieder zu Hause

August 27, 2008

Vielen Dank fuer all Eure guten Wuensche! Morgen wird Quanbo aus dem Krankenhaus entlassen, Helena und ihr geht es praechtig. Die Muttermilch ist schon ganz weiss, wofuer Quanbo von den Schwestern sehr gelobt wird. Trotzdem ist Helena so gierig, dass noch sehr viel zugefuettert wird. Sie saeugt auch so schon mal 40 Minuten an einer Brust, es scheint ihr aber nicht zu reichen. Gestern wog Helena 3890 g, ein Plus von 30 g in zwei Tagen. Dass Saeuglinge in den erten paar Tagen abnehmen, wussten wir, aber die Talfahrt scheint ja schnell vorueber. Hier noch ein paar aktuellere Photos.

Vom 25. August:

Vom 26. August:

Auf dem letzten Photo sind neben Quanbo ihre Tanten Nr. 1 & 3 zu sehen.

Helena und Quanbo wohlauf!

August 25, 2008

Die Kommentare im letzten Artikel sind natuerlich nicht absichtlich abgestellt worden. Ich weiss immer noch nicht, wie das passiert ist. Wir freuen uns natuerlich sehr ueber all Eure Glueckwuensche und Gedanken!!

Quanbo und Helena geht es gut, die Operationsnaht heilt gut ab und Helena trinkt unglaubich viel Milch, es wird auch jede Menge zugefuettert. Erste Impfung haben wir schon, morgen geht Helena zum Hoertest. Gewicht am 2. Tag: 3860 Gramm

Wir haben jetzt ein schoenes Einzelzimmer mit zwei Betten, Couch, Fernseher und Mikrowelle. Leider immer noch kein Internet :-( Ich bin kurz nach Hause gefahren, um einige wichtige Sachen zu erledigen, u.a., um die Aufenthaltsgenehmigungs- und Passfragen zu eruieren. Muss mich jetzt also sputen.

The Eagle Has Landed

August 23, 2008

Leider habe ich nur kurz Zeit, ein wenig zu schreiben, denn Quanbo liegt noch im Krankenhaus und wartet auf meine schnelle Rueckkehr. Heute vormittag um ca. 10:15 Ortszeit ist unsere Tochter Helena auf die Welt gekommen. Mit 3.95 kg und 50 cm Koerperlaenge ist sie ein starkes Balg, wie ihr hier sehen koennt:

(Die Krankenschwester ist Quanbos Tante Nr. 3, vaeterlicherseits.)

Nachdem Quanbo an einem Uebersetzungsauftrag die Nacht praktisch durchgemacht hatte, setzten (kurz bevor sie die Arbeit um 5 Uhr frueh beendete) die ersten Wehen ein. Nach zwei Stunden im Bett war klar, dass wir zum Krankenhaus mussten. Dort angekommen, wurde festgestellt, dass sich der Muttermund bereits auf einen Finger geoeffnet hatte. [Anm. In China ist die nicht-SI Einheit "Finger" fuer den Durchmesser/Radius des Muttermundes gebraeuchlich. Volle/fuer eine Geburt hinreichende Oeffnung sind "10 Finger". Metrische Einheiten dafuer sind mir nicht gelaeufig.]

Wir hatten uns wegen der Groesse des Babys schon zuvor fuer einen Kaiserschnitt entschieden, und dies war auch im nachhinein betrachtet die eindeutig richtige Entscheidung. Denn die Nabelschnur, die sich (entgegen frueheren anderslautenden Berichten) um den Koerper (Hals und Bauch) gewickelt hatte, war so dick, dass eine natuerliche Geburt gar nicht moeglich gewesen waere. Der Kaiserschnitt verlief weitgehend problemlos, und Quanbo und Helena sind wohlauf. Ein erstes Stillen hat schon gut geklappt, und Helena schlaeft bis jetzt ruhig und viel. Sie liegt in einem Koerbchen neben Quanbos Bett.

Wir haben fuer die erste Nacht ein Dreibettzimmer (ich schlafe auf Isomatte) mit zwei weiteren Muettern. Ab morgen dann aber ein Einzelzimmer mit extra Bett fuer mich.

Da wir im Krankenhaus kein Internet haben, ist es fraglich, wann wir es schaffen, den naechsten Eintrag zu schreiben. Bis bald!

Noch nichts Neues

August 22, 2008

Wir waren gestern und heute morgen jeweils zu Routineuntersuchungen (hauptsaechlich Herzton-Wehen = CTG) im Krankenhaus. Dem Baby geht es gut, es ist sogar sehr rege, viel mehr als bei den anderen Frauen, die die CTG-Aufnahme machen (es werden in dem Raum immer vier Frauen auf einmal nebeneinander abgefertigt; da kriegt man so einiges mit, wie denn bei anderen die Ergebnisse sind). Jedenfalls ist unser Baby immer super aktiv, auch frueh am Morgen.

Wir schauen immer noch einem Kaiserschnitt am Dienstag entgegen, oder halt vorher, sollten doch Wehen einsetzen. Bis jetzt ist aber alles ruhig.

Quanbo ist mit ihrem positiven, nicht-jammernden und extrem fitten/aktiven Auftreten bei allen Untersuchungsaerzten und -schwestern sehr beliebt. Zudem wollen alle das Baby sehen, denn in China ist ein „Mischblut“ was ganz besonderes und alle erwarten, dass unser Baby ganz toll aussehen wird. Natuerlich ist diese Betonung auf „gemischte Rassen“ fuer einen in der Bundesrepublik aufgewachsenen und erzogenen Menschen ein eher heikles Thema, und in der Tat gibt es im Deutschen meines Wissens nach keinen Begriff, der nicht frueher schon Mal negativ verwendet wurde und damit out ist. (Halbblut, Mestize, Mulatte etc. sind alle negativ belegt, und die Letzteren hier ohnehin unangebracht.)  Jedenfalls, wenn Quanbo erzaehlt, was die anderen zu unserem Baby sagen, ist der Tenor: „Es wird ein ganz wunderbares Halbblut!“ Hhhmmmm….

Obwohl Quanbo patent und bei Untersuchungen fuer die Aerzte pflegeleicht ist, macht sie ihren Ruf als Rebell in chinesischen hierarchischen Verhaeltnissen alle Ehre. Ihre Erzaehlungen, wie sie in der Grundschule als Unruhestifterin und Raedelsfuehrerin bei Unfug von den Lehrern immer verwarnt worden ist, will ich hier nicht wieder aufleben lassen. Auch andere Geschichten sind zu Genuege bekannt… Jedenfalls ist sie mit meiner tatkraeftigen Unterstuetzung sehr nicht-konform mit den hiesigen Gepflogenheiten im Krankenhaus.

Es geht darum, dass sie seit letzten Donnerstag, also einer guten Woche ein Bett im 10-Bettzimmer fuer wartende Muetter belegt.

(Hier ein Photo durch die halb-offene Tuer hindurch.)

Solange alles medizinisch in Ordnung ist, hat sie natuerlich keine Lust, die ganze Zeit dort zu wohnen. Einige Frauen im Zimmer, mit denen sie Freundschaft geschlossen hat, berichten von Frauen mit Wehen in der Nacht, einige, denen es zu kalt ist, aber trotzdem nicht von dem Bett unter der (dann halt ausgeschalteten) Klimaanlage weg wollen usw., was nur bestaetigt, dass es zu Hause doch am schoensten ist.

Zuvor war das Wort der Krankenschwestern dort Gesetz, und es wurde gespurt. Insbesondere durfte kein Patient (denn so wird man als werdende Mutter per se aufgefasst) nach Hause. Wir haben es fuer Quanbo aber trotzdem durchgesetzt, zuerst mit Gegenzeichnung einer Aerztin, dann (als die nicht mehr wollten) mit einseitiger Erklaerung, dass Quanbo auf eigenes Risiko ueber Nacht nach Hause geht. Das ist wie Schulentschuldigungen schreiben! Die Aerzte waehnen sich aber dennoch in der medizinischen Verantwortung, falls etwas passieren sollte, und sehen das gar nicht gerne. Da ich aber ein Auslaender bin, und wir sagen, dass das im Ausland halt ueblich ist, zu Hause zu bleiben, wenn keine medizischen Probleme vorliegen, hat man das schweren Herzens toleriert.

Das Problem: viele andere Frauen in dem Zimmer tun es uns nun nach! Sie haben natuerlich genauso wenig Lust, in einem vollen Zimmer mit Oestrogenspiegel bis an die Decke zu uebernachten. Damit hat Quanbo praktisch eine Revolution angezettelt, weil die anderen ploetzlich sehen, dass sie nicht mehr protestlos hinnehmen muessen, was die Schwestern ihnen verordnen (was heisst „Patientenrecht“ noch mal auf Chinesisch?) Als ich mal zu Qanbo bemerkte, wir koennten doch natuerlich das Krankenhaus verlassen, es sei ja kein Gefaengnis, meinte sie: „In China sieht man das nicht ganz so…“ Eine Schwester meinte auch mal, der Wachdienst wuerde Quanbo schon am Eingang abfangen und am „Abhauen“ hindern. Wenn die wuesste, dass das schon mal ganz andere versucht haben…

Ich schweife ab. Die Schwestern haben (bis auf eine Ausnahme) nicht unsere Telephonnummer, sondern die Handynummer von Quanbos Mutter. Dort rief die Nachtschwester in den ersten Tagen immer an, um zu versuchen, Quanbo sofort zurueck ins Krankenhaus zu beordern, was natuerlich erfolglos blieb. In den letzten Tagen hoerten die Anrufe auch auf, man hatte aufgegeben. Waere da nicht das Problem mit den anderen Patienten… Als wir vor ein paar Tagen morgens um kurz vor acht zur morgendlichen Visite einruelten, war die Haelfte der Betten leer, und deren Insassen kamen (samt Familie) genau wie wir von zuhause.

Heute abend rief Quanbos Mutter an, das Krankenhaus hat sich bei ihr gemeldet, es gab eine Krisensitzung (!) der Schwestern/Aerzte, Quanbo moege doch bitte ubers Wochenende wieder ins Krankenhaus zurueckkommen, damit die anderen „in ihren Fussstapfen folgen“ (Zitat) und auch wieder die Nacht dort verbringen. Das hat uns sehr amuesiert. Natuerlich bleibt Quanbo bis Montag hier, immerhin ist es hier am schoensten, das Essen ist besser und man kann Olympiade schauen. Sicherlich sind alle Beteiligten froh, wenn das Baby da ist und der Ausnahmezustand im Krankenzimmer beendet werden kann :-)

Zum Schlus noch ein Photo von einem Poster im Krankenhaus, das zeigt, wie sehr westliche Unternehmen hier ihre Pordukte vermarkten. Gerade Phillips’ Flaschensystem ist hier ueberall zu finden. Auch haben wir keine Probleme, NUK oder Bibi Produkte aufzutreiben.

Oder auch nicht…

August 20, 2008

Nachdem wir  heute frueh wieder im Krankenhaus waren und die Aerztin Quanbo noch einmal begutachtet hat, kam sie nun doch zu der Erkenntnis, dass das Baby zu gross fuer eine natuerliche Geburt ist. Anscheinend ist eine der groessten Gefahren, dass das Baby mit dem Kopf aber nicht mit den breiten Schultern herauskommt, stecken bleibt und innerhalb von Sekunden erstickt. Entsprechende Erlebnisberichte aus dem Naehkaestchen der Krankenschwestern ersparen wir Euch lieber!

Da ansonsten alles i.O. ist (Herzton-Wehen-Aufnahme von heute war super), ist das Prozedere nun wie folgt: Wir fassen einen Kaiserschnitt naechsten Dienstag (26.) ins Auge, dann sind wir 11 Tage nach dem Termin.  Zuvor gehen wir jeden Wochentag morgens zu einer Routinekontrolle ins Krankenhaus, um sicher zu stellen,  dass Plazenta/Fruchtwasser etc. noch gut sind.

Quanbo hat gestern (per Handy aus dem Krankenhaus) noch zwei Uebersetzungsauftraege angenommen; sie sitzt gerade am Computer und uebersetzt einen Vertrag. Ich arbeite die Klausurnoten des letzten Semesters auf. Irgendwie haben wir immer zu viel zu tun.

Warten auf die Wehen

August 19, 2008

Wir waren heute frueh wieder im Krankenhaus, denn einer der Werte war gestern doch leicht erhoeht: der Gallenwert. Er soll zwischen 0 und 10 sein, kann aber stark variieren und war 16 (was auch immer fuer Einheiten). Kann daran liegen, dass das Kind auf die Galle drueckt. Bedenklich nur deswegen, da es die Qualitaet des Fruchtwassers beeintraechtigen kann. Jedenfalls war heute der Wert besser, naemlich 12.

Wie immer wollte man Quanbo am liebsten „zur Beobachtung“ dabehalten, wir haben uns aber (wie immer) erfolgreich daraus herausargumentiert. Letztendlich ist diese Beobachtung nur „Standard Procedure“ bei Uebertragungen, da die westliche Sitte, bei Wehen von zu Hause mit Taxi angerast zu kommen, hier nicht so gern gesehen wird.

Momentan kreisen unsere Gedanken darum, wie sicher es ist, noch abzuwarten. Qualitaet des Fruchtwassers, Reifegrad der Plazenta – was studieren wir nicht alles genau in unserer Literatur und befragen die Tanten/Schwestern, um Aufschluss zu erreichen, ob Warten auf die Natur noch angebracht ist. Horrorgeschichten von gruenem Fruchtwasser und an Mangelerscheinungen leidenden Babys machen uns schon ein wenig aengstlich, einfach zu warten.

Aber der Muttermund ist weich, wenn auch noch fest verschlossen. Die Plazenta hat Reifestufe III- (letzte Woche noch II), und bei III+ ist sie praktisch aufgebraucht (zu reif, ernaehrt nicht mehr). Das Kind ist ziemlich gross (Biparietaler Kopfdurchmesser/Schlaefenabstand 9,7 cm, standard ist 9,3 cm; Kopfumfang 33,6 cm; Bauchumfang 34,2 cm; Gewicht an die 3,9-4,0 kg, standard ist so 3,4 kg; Femurlaenge (FL) 78 mm, Humeruslaenge (HL) 67 mm) aber nicht riesig. Ach ja, anscheinend hat das Baby nun geschafft, sich aus der Nabelschnur herauszudrehen; laut heutigem Ultraschall ist nichts mehr um den Hals gewickelt. Das Baby ist nun auch fest ins Becken gerutscht (natuerliche Kopflage). Eine natuerliche Geburt ist moeglich, aber nicht unbedingt einfach. Die Schwestern stehen allen moeglichen Hilfsmitteln wie PDA (lokaler Anaesthaesie mittels Spritze in den Ruecken) aber sehr offen gegenueber.

Wir lesen ueber Blasensprengung, Tabletten/Gele, Wehentropf. Quanbo meint gerade, wir warten bis naechsten Montag (10 Tage Uebertragung) und wenden dann Gewalt an. Mal sehen. Unser GU-Buch sagt, 80% der Kinder kommen am Tag x±14 Tage, meint aber an anderer Stelle 10-12 Tage seien schon „extreme Uebertragung.“ Die Krankenschwestern sagen, in China wird 7-10 Tage nach dem Termin zu artifiziellen Mitteln gegriffen. Morgen frueh wird Quanbo noch mal von der Aerztin begutachtet, vielleicht noch eine Herzton-Wehen-Aufnahme. Letztendlich ist aber alles gesund und der Velauf der Schwagerschaft im normalen Bereich. (Bis auf diesen komischen Gallenwert, der sich aber heute wieder verbessert hatte.)

Neues Update

August 18, 2008

Gestern abend bin ich mit meiner Mutter erstmal ins Krankenhaus gefahren, um die Krankenschwestern zu beruhigen, die jeden Tag angerufen haben, um zu drohen, dass ich das Krankenhaus nicht verlassen duerfe und alle Zwischenfaelle selbst verantworten muesse. Als ich dort ankam, war mein Krankenzimmer ganz leer! Alle Patientinnen sind in meine Fussstapfen getreten und nach Hause abgehauen! Gegen 20 Uhr wurde Blutdruck gemessen, nach und nach sind die ganzen schwangeren Frauen aufgetaucht, da einige heute eine OP haben. Meine Tante, die dort als psychologische Beraterin fuer Frauen kurz vor der Entbindung arbeitet, war auch da, sie hielt eine natuerliche Geburt auch fuer besser, obwohl sie bereits alle notwendigen Vorbereitungen fuer einen Kaiserschnitt getroffen hat.

Ich habe letzte Nacht noch lange mit den Weibern geplaudert, eine hat einen Tumor, der mit rausoperiert werden solle; Eine andere hat eine Allergie bekommen und musste den OP-Termin absagen; Noch eine hat zwar fuer einen Kaiserschnitt unterschrieben, wusste aber nicht, ob die Entscheidung richtig sei… Kleine und grosse Katastrophen halt. Um Mitternacht wurde der Herzton der Babies noch einmal abgehoert, dann war Bettruhe, oder auch nicht: Die Klimaanlagen funktionierten nicht richtig; Eine Frau hat darauf bestanden, den Ventilator auszumachen, da sie frieren wuerde; Das Licht im Gang war sehr hell; Eine drogenabhaengige Frau hat per Kaiserschnitt ein 2 kg schweres Baby entbunden, schrie aber die ganze Nacht nach Schwestern… Gegen 4 Uhr konnte die Frau mit der Allergie nicht mehr schlafen… Jedenfalls war ich gegen 4 Uhr schon wach, mit Hilfe des iPods konnte ich die Situation einigermassen aushalten.

Horst ist gegen 7 Uhr mit meiner Mutter ins Krankenhaus gefahren. Die Chefaerztin hatte sehr viel zu tun: einen Notfall (die Frau mit der Allergie), einige Kaiserschnitte und Sprechstunde ab 9:30 Uhr, so dass sie fuer mich keine Zeit mehr hatte und eine andere Aerztin mich untersuchen und beurteilen sollte. Also: Eine natuerliche Geburt ist physisch wohl problemlos moeglich, das Kind ist groesstenteils ins Becken gerutscht, der Muttermund ist weich aber geschlossen, die Werte sind alle in Ordnung. Es scheint nicht erforderlich, in die Natur einzugreifen, da der theoretische Termin erst am 15. 8. war. Jetzt heisst es abwarten. Man haette mich zwar am liebsten da behalten (einfach aus Prinzip; zur Beobachtung), aber wir haben (ganz un-chinesisch) unsere eigenen Vorstellungen.

Also, ich bin jetzt erst Mal wieder zu Hause, das Kind laesst sich noch Zeit. Morgen frueh muss ich wieder mit nuechternem Magen eine Blutprobe abgeben, aber ich habe wenigstens ein wenig Ruhe zu Hause und nicht 9 schwangere Frauen um mich :-)

Update!

August 17, 2008

Quanbo ist heute abend ins Krankenhaus gefahren, um morgen frueh von der Chefaerztin untersucht zu werden (man will jetzt endlich feststellen, ob eine natuerliche Geburt nu drin ist oder nicht. Zeit wird’s!) Ich sollte zu Hause bleiben und morgen frueh um 7 nachkommen. Vorhin telephonierte ich mit ihr, und sie erzaehlte, ihre dort arbeitende Tante haette gemeint, das Kind sei nun ins Becken gefallen. Quanbo soll wohl nun ab morgen ein Mittel nehmen, um den Muttermund zu weiten/ „weich“ zu machen, und 12 Stunden spaeter ist vielleicht alles auf „natuerliche“ Weise vorueber. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Babyartikel

August 17, 2008

Nachdem Quanbo jetzt von den andauernd wechselnden Geburtsterminen, -strategien und -vorgehensweisen berichtet hat, kann ich mal etwas leichteres schreiben. In China haben schon viele westliche Fabrikate Einzug gehalten (NUK ist hier gross vertreten, und auch ein Schweizer Flaschenfabrikat, und viele japanische Firmen). Eines der lustigsten/suessesten Babysachen war folgendes Geraet aus Japan:

Was das wohl sein mag? Aufschluss gibt die Rueckseite der Verpackung:

Fuer Kinder ab zwei Jahre wird Essen geuebt, und zwar nicht nur mit Loeffel, sondern vor allem auch mit Essstaebchen! Damit eroeffnen sich fuer das (wie wir hoeren) bei Kindern beliebte „Essensschleudern“ ganz neue Moeglichkeiten.

Kaiserschnitt, oder doch nicht?

August 17, 2008

Erstmal tief Luft holen – das Baby ist immer noch nicht da, obwohl der 15. August der errechnete Geburtstermin war und ein Kaiserschnitt an diesem Tag geplant war. Wir haben bereits im letzten Eintrag erzaehlt, dass wir uns endgueltig fuer einen Kaiserschnitt entschieden haben. Vielen Dank fuer eure informativen Kommentare! Sie haben uns ermutigt und die Naehe unserer Freunde spueren lassen!

Da die Aerzte am Wochenende nicht operieren und das Labor ebenfalls zu hat, haben wir den 15. August fuer den Kaiserschnitt ausgesucht. Vor dem OP-Termin sollte ich noch einmal gruendlich untersucht werden, also bin ich am Donnerstag frueh gegen 7:30 Uhr mit Horst und meiner Mutter ins Krankenhaus gefahren – 8 km von unserer Wohnung entfernt und dann noch ca. 5 Minuten mit de Faehre ueber den Huangpu-Fluss. Meine Tante hat bereits auf uns gewartet. Zuerst habe ich mich angemeldet, die Kaution in Hoehe von 5000 Yuan bezahlt, eine 40 (!)-minuetige Herzton-Wehen-Untersuchung machen lassen, dann Urin- und Blutprobe abgegeben, zum Schluss noch einmal eine detaillierte Ultraschalluntersuchung. Bei der letzten gab es kaum Veraenderungen zur vorletzten – die Plazenta hat immer noch die Reifestufe II (bei III sollte die Entbindung faellig sein). Ich habe auch bereits ein Bett in einem Zimmer bekommen, das ich mit 9 (!) weiteren schwangeren (!) Frauen teilen musste. Was soll’s – erstens hatte man was zu quatschen, zweitens kostete das Zimmer nur 50 Yuan pro Nacht.

Meine Tante meinte aber, dass das Datum vom 15. August nach dem Mondkalender doch nicht so ideal sei, um zu entbinden, da es ein Festtag der Toten sei. Einige Aerzte wuerden sich weigern, an diesem Tag zu operieren… Sie schlug vor, den Kaiserschnitt auf den kommenden Montag zu verschieben. Es blieb mir nichts anderes uebrig, als so lange zu warten und zu hoffen, dass ich uebers Wochenende keine Wehen bekomme! Falls doch, wuerde ich von einem anderen Arzt operiert, der fuer den Wachdient bzw. den Notdienst zustaendig ist. Ich spuere das Baby zwar dauernd, habe aber noch keine richtigen Wehen bekommen, ausserdem ist das Baby noch nicht ins Becken gerutscht.

Ich habe bis 16 Uhr auf den Chefarzt gewartet, da er angeblich ausserhalb des Krankenhauses eine Sitzung hatte, war die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass er mich noch im Krankenzimmer besuchen wuerde, also bin ich einfach still und heimlich nach Hause gefahren, da ich am naechsten Morgen sowieso mit nuechternem Magen weitere Blutproben abgeben musste und ich die Krankenakte vom alten Krankenhaus mitbringen musste. Ich war auch wirklich nicht scharf darauf, das Zimmer mit zwei schwachen Klimaanlagen und den Weibern zu teilen, die mit ihren Baeuchen Schlafstoerungen haben wuerden. Gegen 20 Uhr hat eine Krankenschwester meine Mutter angerufen, (da ich ihre Handynummer hinterlassen habe), wo denn die Patientin hin sei :-)

Am Freitag bin ich gegen 5:15 Uhr losgefahren, um ja puenktlich zu sein und Aerger zu vermeiden. Als ich ins Zimmer schlich, wurde ich von einer Krankenschwester erwischt, die gerade Herztoene abhoerte. Ich habe brav meine Blutproben abgegeben, etwas gefruehstueckt und die anderen Frauen beim Jammern zugehoert. Gegen 8 Uhr kam ein ganzer Schwung Krankenschwestern ins Zimmer, um Blutdruck, Koerpertemperatur etc. zu messen. Eine schien wohl die Leiterin zu sein, sie tastete jeden Bauch ab und machte Kommentare zu den anderen Krankenschwestern. Ich wunderte mich, dass der Chefarzt immer noch nicht aufgetaucht ist, bis eine schwangere Frau mir sagte, sie sei bereits da gewesen. Ich war platt, das war wohl die Frau, die ich fuer die Leiterin der Krankenschwestern gehalten habe! Ich bin die ganze Zeit davon ausgegangen, dass der Chefarzt ein Mann sei

Meine Mutter kam dann zu Besuch und hat durch Zufall die Chefaerztin getroffen und ihr dann meine Krankenakte vom alten Krankenhaus gezeigt. Sie fand, dass die Werte alle in Ordnung sei und meinte, ich solle ruhig eine
vaginale Geburt versuchen. Ich traute meine Ohren kaum – jetzt also doch eine normale Entbindung?! Gegen Mittag habe ich die Chefaerzte auch noch persoenlich gesprochen. Sie meinte, fuer weitere Kinder sei auf jeden Fall eine normale Geburt besser geeignet, ausserdem haette sie heute morgen bein Tasten nicht den Eindruck, dass ich ein Riesenbaby erwarte, sondern eher knapp unter 4 kg. Sie schlug vor, mich am Montagmorgen zu untersuchen, ob ich es auch schaffen wuerde, das Baby auf natuerliche Weise zu entbinden. Ich war doch ein wenig durcheinander, da ich mich eigentlich seelisch darauf vorbereitet
habe, einen Kaiserschnitt zu bekommen, aber natuerlich freue ich mich, dass die Chefaerztin es mir vorgeschlagen hat, vielleicht war meine Tante doch zu nervoes und vorsichtig, dass es mir bzw. dem Baby was passieren koennte.

Am Nachmittag achmittag habe ich noch zwei Herzton-Wehen-Untersuchungen machen lassen, da das Baby sehr aktiv war. Als ich abhauen wollte, wurde ich von einer doofen Krankenschwester erwischt, ihr war eigentlich nur aufgefallen, dass ich mein normales Kleid anhatte und nicht das olle Krankenhauskleid, ich sagte, ich wolle sowieso nach Hause. Ihr klappte der Unterkiefer runter, sie sagte, ich duerfe nicht und muesse es erstmal schriftlich beantragen. Aber die Chefaerztin war auf einer Sitzung, andere zwei Aerzte haben sich getraut zu unterschreiben… Was soll’s, ich bin einfach schnell mit dem Rucksack aus der Tuer gerannt.

Ich geniesse das ruhige Wochenende mit Horst, vermutlich das letzte zu zweit:-) Wir haben reichlich Kinderklamotten geschenkt bekommen (vielen, vielen Dank an Euch alle fuer die tollen Geschenke, Ratschlaege und moralische Unterstuetzung!) und eingekauft, auch der Klinikkoffer ist so gut wie komplett. Die alte Babywiege von Horst wurde auch aufgepeppt:

<Kommentar von Horst> Wir haben den Boden der Wiege ergaenzt (ein Querstab fehlte) und neuen Stoff fuer den bunten Ueberhang gesucht, denn der alte war nun doch recht zerschlissen. Quanbo’s Mutter naeht dann die Stoffe (bzw. laesst manche von ihnen naehen); der erste ist schon fertig und auf dem Photo zu sehen. Bis auf den Ueberhang hat aber alles die letzten Jahrzehnte gut ueberlebt, inklusive der seitlichen Stoffverkleidung. Wir haben ausserde Stoff fuer Decken gekauft, so dass die Wiege ganz gemuetlich wird.

Wir haben solche Wiegen bei unseren Intensiven Babysachen-Einkaeufen gar nicht mehr gesehen. Es gibt nur hoehenverstellbare Betten oder fixierte Wiegekoerbchen, aber keine „traditionelle“ Wiege. Wahrscheinlich gilt sie als zu unsicher (falls ein zu grosses Baby darin versucht, aufzustehen, koennte es herauskippen) und kein Produzent traut sich mehr, so etwas herzustellen. Wir sind jedenfalls ganz stolz darauf, dieses tolle „Erbstueck“ wieder aufleben lassen zu koennen. </Horst>

Heute abend werde ich ins Krankenhaus fahren und abwarten, was die Chefaerztin morgen sagen wird.