Erstmal tief Luft holen – das Baby ist immer noch nicht da, obwohl der 15. August der errechnete Geburtstermin war und ein Kaiserschnitt an diesem Tag geplant war. Wir haben bereits im letzten Eintrag erzaehlt, dass wir uns endgueltig fuer einen Kaiserschnitt entschieden haben. Vielen Dank fuer eure informativen Kommentare! Sie haben uns ermutigt und die Naehe unserer Freunde spueren lassen!
Da die Aerzte am Wochenende nicht operieren und das Labor ebenfalls zu hat, haben wir den 15. August fuer den Kaiserschnitt ausgesucht. Vor dem OP-Termin sollte ich noch einmal gruendlich untersucht werden, also bin ich am Donnerstag frueh gegen 7:30 Uhr mit Horst und meiner Mutter ins Krankenhaus gefahren – 8 km von unserer Wohnung entfernt und dann noch ca. 5 Minuten mit de Faehre ueber den Huangpu-Fluss. Meine Tante hat bereits auf uns gewartet. Zuerst habe ich mich angemeldet, die Kaution in Hoehe von 5000 Yuan bezahlt, eine 40 (!)-minuetige Herzton-Wehen-Untersuchung machen lassen, dann Urin- und Blutprobe abgegeben, zum Schluss noch einmal eine detaillierte Ultraschalluntersuchung. Bei der letzten gab es kaum Veraenderungen zur vorletzten – die Plazenta hat immer noch die Reifestufe II (bei III sollte die Entbindung faellig sein). Ich habe auch bereits ein Bett in einem Zimmer bekommen, das ich mit 9 (!) weiteren schwangeren (!) Frauen teilen musste. Was soll’s – erstens hatte man was zu quatschen, zweitens kostete das Zimmer nur 50 Yuan pro Nacht.
Meine Tante meinte aber, dass das Datum vom 15. August nach dem Mondkalender doch nicht so ideal sei, um zu entbinden, da es ein Festtag der Toten sei. Einige Aerzte wuerden sich weigern, an diesem Tag zu operieren… Sie schlug vor, den Kaiserschnitt auf den kommenden Montag zu verschieben. Es blieb mir nichts anderes uebrig, als so lange zu warten und zu hoffen, dass ich uebers Wochenende keine Wehen bekomme! Falls doch, wuerde ich von einem anderen Arzt operiert, der fuer den Wachdient bzw. den Notdienst zustaendig ist. Ich spuere das Baby zwar dauernd, habe aber noch keine richtigen Wehen bekommen, ausserdem ist das Baby noch nicht ins Becken gerutscht.
Ich habe bis 16 Uhr auf den Chefarzt gewartet, da er angeblich ausserhalb des Krankenhauses eine Sitzung hatte, war die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass er mich noch im Krankenzimmer besuchen wuerde, also bin ich einfach still und heimlich nach Hause gefahren, da ich am naechsten Morgen sowieso mit nuechternem Magen weitere Blutproben abgeben musste und ich die Krankenakte vom alten Krankenhaus mitbringen musste. Ich war auch wirklich nicht scharf darauf, das Zimmer mit zwei schwachen Klimaanlagen und den Weibern zu teilen, die mit ihren Baeuchen Schlafstoerungen haben wuerden. Gegen 20 Uhr hat eine Krankenschwester meine Mutter angerufen, (da ich ihre Handynummer hinterlassen habe), wo denn die Patientin hin sei
Am Freitag bin ich gegen 5:15 Uhr losgefahren, um ja puenktlich zu sein und Aerger zu vermeiden. Als ich ins Zimmer schlich, wurde ich von einer Krankenschwester erwischt, die gerade Herztoene abhoerte. Ich habe brav meine Blutproben abgegeben, etwas gefruehstueckt und die anderen Frauen beim Jammern zugehoert. Gegen 8 Uhr kam ein ganzer Schwung Krankenschwestern ins Zimmer, um Blutdruck, Koerpertemperatur etc. zu messen. Eine schien wohl die Leiterin zu sein, sie tastete jeden Bauch ab und machte Kommentare zu den anderen Krankenschwestern. Ich wunderte mich, dass der Chefarzt immer noch nicht aufgetaucht ist, bis eine schwangere Frau mir sagte, sie sei bereits da gewesen. Ich war platt, das war wohl die Frau, die ich fuer die Leiterin der Krankenschwestern gehalten habe! Ich bin die ganze Zeit davon ausgegangen, dass der Chefarzt ein Mann sei
Meine Mutter kam dann zu Besuch und hat durch Zufall die Chefaerztin getroffen und ihr dann meine Krankenakte vom alten Krankenhaus gezeigt. Sie fand, dass die Werte alle in Ordnung sei und meinte, ich solle ruhig eine
vaginale Geburt versuchen. Ich traute meine Ohren kaum – jetzt also doch eine normale Entbindung?! Gegen Mittag habe ich die Chefaerzte auch noch persoenlich gesprochen. Sie meinte, fuer weitere Kinder sei auf jeden Fall eine normale Geburt besser geeignet, ausserdem haette sie heute morgen bein Tasten nicht den Eindruck, dass ich ein Riesenbaby erwarte, sondern eher knapp unter 4 kg. Sie schlug vor, mich am Montagmorgen zu untersuchen, ob ich es auch schaffen wuerde, das Baby auf natuerliche Weise zu entbinden. Ich war doch ein wenig durcheinander, da ich mich eigentlich seelisch darauf vorbereitet
habe, einen Kaiserschnitt zu bekommen, aber natuerlich freue ich mich, dass die Chefaerztin es mir vorgeschlagen hat, vielleicht war meine Tante doch zu nervoes und vorsichtig, dass es mir bzw. dem Baby was passieren koennte.
Am Nachmittag achmittag habe ich noch zwei Herzton-Wehen-Untersuchungen machen lassen, da das Baby sehr aktiv war. Als ich abhauen wollte, wurde ich von einer doofen Krankenschwester erwischt, ihr war eigentlich nur aufgefallen, dass ich mein normales Kleid anhatte und nicht das olle Krankenhauskleid, ich sagte, ich wolle sowieso nach Hause. Ihr klappte der Unterkiefer runter, sie sagte, ich duerfe nicht und muesse es erstmal schriftlich beantragen. Aber die Chefaerztin war auf einer Sitzung, andere zwei Aerzte haben sich getraut zu unterschreiben… Was soll’s, ich bin einfach schnell mit dem Rucksack aus der Tuer gerannt.
Ich geniesse das ruhige Wochenende mit Horst, vermutlich das letzte zu zweit:-) Wir haben reichlich Kinderklamotten geschenkt bekommen (vielen, vielen Dank an Euch alle fuer die tollen Geschenke, Ratschlaege und moralische Unterstuetzung!) und eingekauft, auch der Klinikkoffer ist so gut wie komplett. Die alte Babywiege von Horst wurde auch aufgepeppt:

<Kommentar von Horst> Wir haben den Boden der Wiege ergaenzt (ein Querstab fehlte) und neuen Stoff fuer den bunten Ueberhang gesucht, denn der alte war nun doch recht zerschlissen. Quanbo’s Mutter naeht dann die Stoffe (bzw. laesst manche von ihnen naehen); der erste ist schon fertig und auf dem Photo zu sehen. Bis auf den Ueberhang hat aber alles die letzten Jahrzehnte gut ueberlebt, inklusive der seitlichen Stoffverkleidung. Wir haben ausserde Stoff fuer Decken gekauft, so dass die Wiege ganz gemuetlich wird.

Wir haben solche Wiegen bei unseren Intensiven Babysachen-Einkaeufen gar nicht mehr gesehen. Es gibt nur hoehenverstellbare Betten oder fixierte Wiegekoerbchen, aber keine „traditionelle“ Wiege. Wahrscheinlich gilt sie als zu unsicher (falls ein zu grosses Baby darin versucht, aufzustehen, koennte es herauskippen) und kein Produzent traut sich mehr, so etwas herzustellen. Wir sind jedenfalls ganz stolz darauf, dieses tolle „Erbstueck“ wieder aufleben lassen zu koennen. </Horst>
Heute abend werde ich ins Krankenhaus fahren und abwarten, was die Chefaerztin morgen sagen wird.