Archiv für April 2008

Was fuer eine Woche!

April 24, 2008

Die letzte Woche war ganz schoen wild! Wir hatten fast noch mehr zu tun als davor in Deutschland. Am Dienstag haben wir gegaertnert (siehe unten) und zu Abend dann das koestliche Kaesefondue gegessen, das Nadin & Jochen uns mitgegeben hatten. Das ging schnell zuzubereiten (ein Sauerteigbrot hatten wir auf dem Weg von der Gaertnerei gekauft – 4 Euro 20!!) und war sehr lecker. Schweizer Fastfood :-)

Am Mittwoch morgen bin ich dann zur Uni, waehrend Quanbo herumtelephoniert, um Termine zu machen, saeumige Zahler (von Uebersetzungen & Likoeren) anzumahnen und allgemein uns wieder hier zurueckzumelden. Grosse Katastrophen gibt es nicht, aber ein Kurzjobangebot fuer mich: eine Sprachschule sucht einen Deutschlehrer fuer 5 Tage, je 6 Stunden Unterricht fuer 4 Leute, die nach Deutschland muessen. Sie macht fuer Donnerstag eine Termin zum Besprechen der Details.

An der Uni werde ich noch, bevor ich mein Buero erreiche, von Zhang (stellv. Institutsleiter) angesprochen: er habe ein Geschenk fuer mich. Er ueberreicht mir den lang diskutierten 17″ MacBook Pro. Schoen, dass diese Diskussion beendet ist. (Der Institutsleiter Ni hat naemlich nur einen 15″ MBP, was zuvor zu naheliegenden diplomatischen Problemen gefuehrt hatte.)

Waehrend wir in Deutschland waren, hat man mein Buero umgezogen, im Zuge einer (wiederholten) Umverteilung der Zimmer des JI. Die neue Sekretaerin (auch in den letzten 2 Wochen eingestellt) gibt mir Schluessel und organisiert Arbeiter, die Loecher in die Wand fuer Whiteboard & Bild bohren. Telephon habe ich noch nicht, wenigstens aber Internet.

Ich will etwas Schokolade an die Institutsmitglieder verteilen (es ist hier ueblich, von Reisen eine Kleinigkeit mitzubringen und an der Arbeitsstelle zu verteilen. Zuletzt hatte ich eingelegte und -geschweisste Fischstuecke aus Ningbo von einer Sekretaerin bekommen), komme aber nicht weit. Schon die Administrationsleiterin Renay (aus Suedafrika stammend; zuletzt 10 Jahre „Research Nurse“ in England; eine der wenigen, die laenger als ich im JI sind) haelt mich fest und erzaehlt mir, dass sie Zhang angekuendigt hat, demnaechst zu kuendigen, aber das genaue Datum noch nicht genannt hat. Eine echte „Ankuendigung“ halt :-) Das ist sehr schade, denn sie war eine der wenigen „vernuenftigen“ und westlichen Koepfe hier – an Konflikten mit den chinesischen Mitarbeitern und deren Intrigen verzweifelt sie nun. Offiziell ist sie der Boss der Administration, aber hier in China liegt die wirkliche Macht selten im Offiziellen. Ich denke, sie hat die Nase voll von Kaempfen, Eifersuechteleien und Intrigen.

Kurz gesagt, schaffe ich kaum etwas Substantielles; um 16:00 Uhr habe ich schliesslich eine Vorlesung ueber Methoden der Stoerungstheorie. Da diese freiwillig ist, ist die Anzahl der teilnehmenden Studenten von 50 auf etwa 10-15 geschwunden. Danach, um 6, treffe ich mich noch eine Stunde lang mit Studenten, die Projekte von meiner letzten Vorlesung aufarbeiten, um sie als Poster zu praesentieren. Um 19:00 Uhr fahre ich los, um neun treffen wir uns bei Slice, um Pizza zu essen. Quanbo hat den ganzen Tag nur telephoniert und noch einen dringenden Uebersetzungsauftrag erledigt; wir sind beide vollkommen erschoepft.

Am Donnerstag haben wir um acht einen Termin im „Shanghaier Nr. 1 Frauen & Kinder Krankenhaus“. Ein paar Routineuntersuchungen, es gibt nichts Dramatisches zu berichten. Quanbo zeigt dem Arzt die deutschen Ultraschallaufnahmen und verzichtet auf ein nochmaliges Ultraschall.

Danach fahren wir bei der Sprachschule vorbei, und verhandeln wegen des Unterrichts. Quanbo kann das nicht machen, da die Schueler einen „echten“ Deutschen wollen. Da kann man nichts machen. Wir einigen uns schliesslich, nachdem wir von 12 auf 15 Euro/Stunde hochgehandelt haben. Am Freitag (morgen) soll ich anfangen, 9-12 und 13-16 Uhr.

Zuletzt noch bei der Deutschen Bank vorbei, wo wir endlich mal eine ordentliche Beratung wegen unserer Wohnungshypothek bekommen. Die chineischen Banken sind dazu anscheinend nicht in der Lage, und wir hatten uns mit dem Gedanken getragen, umzuschulden. Das geht hierzulande aber nicht (gesetzlich verboten), waere bei uns aber doch moeglich, weil sich der Wert userer Wohnung soweit entwickelt hat, dass wir noch eine zweite Hypothek, genauso hoch wie die bestehende, aufnehmen und damit die erste abbezahlen koennten. Es stellt sich aber heraus, dass das nicht unbedingt sinnvoll ist. Ausserdem ist hier seit diesem Jahr auch gesetzlich festgelegt, was mit Geld aus Hypotheken passieren darf; Man bekommt es gar nicht mehr ausbezahlt! Offenbar will die Regierung verhindern, dass alle Welt ihre Wohnungen beleiht, um im volatilen Aktienmarkt zu investieren.

Am Nachmittag sind wir dann wieder zu Hause; endlich Ruhe.

Am Freitag habe ich den ersten Unterricht; statt vier sind es nur zwei Ingenieure, die fuer Bayer arbeiten und zwei Jahre nach Deutschland nach Krefeld/Uerdingen muessen. Sie wollen eigentlich gar nicht nach dem Buch lernen, sondern vielmehr fuer sie angepasste Phrasen und Begriffe (fuer Situationen wie Flug, Besprechung, Vorstellung etc.) lernen. Damit fliegt meine Vorbereitung erst mal aus dem Fenster. Sie koennen gut Englisch, also ist die Kommunikation wenigstens kein Problem. Von „Gepaeckausgabe“ bis „Stellvertretender Produktionsleiter“ improvisiere ich dann und mache viel Dialoge. Sie sind ganz zufrieden.

Derweil arbeitet Quanbo an einem schriftlichen Uebersetzungsauftrag, buegelt 15 Hemden, holt E-Mails nach und telephoniert.

Am Samstag fahren wir in eine „Moebelstadt“, um schon mal nach Kinderkleiderschraenken und Betten zu suchen. Wir kaufen aber noch nichts, informieren uns und haben schon ein paar Sachen im Auge. Auf dem Rueckweg noch zu Carrefour, um einzukaufen. Eine Taxifahrerin zeigt uns auf dem Rueckweg ein Polizeiaufgebot vor dem Haupteingang von Carrefour (hatten wir beim Reingehen gar nicht gesehen), weil chinesische Aktivisten probieren, die Menschen vom Einkauf abzuhalten. Anscheinend gibt es das Geruecht, Carrefour wuerde alle Einnahmen aus seinen Geschaeften hier direkt an den Dalai Lama weiterleiten! Frankreich ist hier zur Zeit wegen der Stoerungen beim Fackellauf durch Paris ziemlich unbeliebt. Das chinesische Volk ist uebrigens nach unseren Massstaeben extrem nationalistisch!

Am Sonntag haben wir mehr Ruhe, ich kann endlich den 17 Zoller mit Software bestuecken – ich habe ihn seit Mittwoch noch nicht einmal aus der versiegelten Verpackung genommen. Am Nachmittag kommen dann unsere Nachbarn zu Besuch, Quanbo hat herzhafte Mini-Scones zum Kaffee und danach zwei Quiches zum Abendessen gebacken. Wir spielen Tikal und Robotics (das letztere hatten wir gerade aus Deutschland mitgebracht). Die beiden finden immer mehr gefallen an deutschen Brettspielen. Ihr vierjaehriger Sohn darf mit meinen alten halb-vollstaendigen Transformer-Robotern spielen. Er liebt Argos, und seine Eltern benutzen das, um ihn bei Laune zu halten („Wenn Du jetzt brav Mittagsschlaf machst, besuchen wir Argos am Nachmittag.“ oder „Argos geht auch in den Hunde-Kindergarten, also sei tapfer!“) Selber koennen sie keinen Hund kaufen, denn die Schwiegermutter ist angeblich allergisch.

Am Montag habe ich den zweiten Unterrichtstag. Quanbo ist unterwegs, um unsere Handys reparieren zu lassen (meins hat ein kaputtes Display, bei ihrem funktioniert der Bildschirmsensor nur noch erratisch) und um fuer ihre Eltern, die ihre Wohnung renovieren, einen Abzugsschlauch zu besorgen. Ein langer, aber wenig ereignisreicher Tag. Um sechs treffen wir beide uns dann zu Hause.

Dienstag fahren wir am Morgen zu einer Kaercher Zweigstelle, die Quanbo zuvor aufgetan hat (siehe das viele Telephonieren vor einigen Tagen) und bringen unseren neuen, effizienten aber doch etwas lauten Roboter-Staubsauger vorbei. Die Leute sind fuer Chinesen ungewoehnlich zuvorkommend, bauen das Ding auseinander, stellen die Buerste neu ein und haben insgesamt eine Stunde gebraucht. Sie meinen, es haette sich etwas um die Buerste geschlungen. Jedenfalls schnurrt er danach wie eine Katze und ist super in Ordnung. Kosten tut das ganze auch nichts!

Um drei haben wir einen Termin in einem Wohnprojekt nahe dem unseren. Wir hatten eine Frau, die dort in einem Wellnesszentrum arbeitet, auf einem Networking-Abend kennengelernt. Sie macht uns mit dem F&B (Food & Beverage) Manager bekannt. Er ist von unseren Cocktail-Workshops ganz angetan und will mit uns im Mai etwas organisieren. Mal sehen, was daraus wird.

Die Frau zeigt uns danach das Gelaende – es ist voller Luxusvillen, die zu 80% von Auslaendern bewohnt werden. Mit Palmen, Swimmingpool (drinnen & draussen) und mediterraner Atmosphaere vergisst man sofort, dass man in China ist. Die Angestellten in Restaurants (es gibt ein westliches und ein japanisches, sowie eine Bar) und Wellnessbetrieb, sowie die Pfoertner und anderen Bediensteten sind korrekt gekleidet und sehr foermlich. So muss es hier fuer Auslaender auch zur Kolonialzeit gewesen sein. Uns wird gesagt, dass hier tagsueber nur die Frauen und Kinder der Ehemaenner wohnen, die in Shanghai von morgens bis abends arbeiten. U.U. sollen die Cocktailworkshops als Unterhaltungsprogramm fuer die gelangweilten Ehefrauen dienen, deren Unterhaltung scheint den Leuten hier sehr wichtig zu sein.

Um 16 Uhr muessen wir schon weg und lehnen eine Kaffee ab. Der Grund ist, das Quanbo am Mittag einen Anruf bekommen hat, dass sie dringend (noch am selben Abend) in Changzhou gebraucht wird, um fuer eine Frau zu uebersetzen, die mit ihrem Mann reden will. Die Zugtickets hat sie auf dem Rueckweg von Kaercher schon gekauft, die Fahrt dorthin dauert etwa 1.5-2.5 Stunden. Aber davon lasse ich sie selber im naechsten Blogeintrag erzaehlen.

Himbeeren & Brombeeren

April 17, 2008

Am Dienstag morgen um 7 landete unser Flugzeug in Shanghai – nochmals vielen Dank an alle, bei denen wir uebernachten durften! Die letzten zwei Wochen sind wie ein Wirbelwind verflogen, aber es war toll, so viel von Euch mal wieder zu treffen.

Wir hatten in Koeln noch je drei Himbeer- und Brombeerstoecke mit je 3 Pflanzen gekauft. Am Montag morgen haben wir die Erde von den Wurzeln abgeschuettlt, alle Planzen in ein feuchtes Tuch gewickelt und dann in Plastiktueten in unseren Koffer gequetscht. In China gibt es weder Brom- noch Himbeeren, und wir hatten beschlossen, auf der Gaesteterasse entsprechende Buesche selber anzubauen. Als wir dann Dienstag morgen ankamen, waren wir erfreut, dass alle Pflanzen ueberlebt haben und nach immerhin 20 Stunden im Koffer sogar noch die kleinen Blaettchen gruen waren. Die Pflanzen haben wir erst einmal in einen Eimer Wasser gestellt.

Am Nachmittag sind wir dann zu einem chinesischen „Pflanzencenter“ gefahren, eine Ansammlung von Staenden und Kaschemmen auf einem Feld nahe dem Jahrhundertpark mitten in Pudong. Es regnete schon seit dem Morgen, was wenigstens gutes Pflanzwetter bedeutete. Wir haben einen chinesischen „Chauffeur“, der mit seinem Minivan Einzelfahrauftraege fuer uns und andere uebernimmt. Wir hatten ihn schon genommen, um uns mit Christian & Rolf nach Xitang zu fahren, und er hatte uns am Morgen auch vom Flughafen abgeholt. Nun war er mit uns im Pflanzencenter, und wir suchten nach Kieselsteinen und Erde fuer unsere Pflanzbecken auf der Terasse. Wegen des schlechten Wetters war nicht viel los und die Haendler machten kaum Geschaefte (und hatten auch Probleme, ihre Vorraete an Erde etc. trocken zu halten).

Staende verkauften Pflanzen in allen Groessen, vom Bonsai bis zum 5-Meter Baum. Wir werden dort spaeter einmal ein wenig troedeln, um unsere anderen Terassen zu bepflanzen. Jedenfalls fanden wir nach einigem Suchen Haendler und kauften dann bei einem alles: 2 Sack Kieselsteine (gross), 3 Sack Kieselsteine (klein), Wasserfilterfolie (weiss), 10 Sack Erde (Humus, ungeduengt), 4 Sack weisse Marmorsteine (klein), Wasserschlauchrolle, Pflanzschaeufelchen, Gartenschere, Duenger fuer Obstpflanzen und Duenger fuer Zimmerpflanzen. Nach einigem Handeln bezahlten wir fuer alles zusammen 50 Euro. Alles in den Van geladen und ab nach Hause.

Frage: Was ist schlechtes Timing? Antwort: Wenn man mit einem grossen Einkauf vom Gartencenter zum Wohngebaeude (wo man im 12. Stock wohnt) kommt und feststellt, dass der einzige Aufzug defekt ist.

Wir haben die Verwaltung informiert (die schon Feierabend hatte; es war kurz nach 17 Uhr) und warteten schliesslich ueber eine Sunde, bis ein Reparateur kam und den Lift reparierte. Es war „eine Schraube locker“ – entsprechende Kommentare haben wir uns verkniffen, weil idiomatisch nicht uebersetzbar.

Dann konnte es aber losgehen, und die naechsten anderthalb Stunden wurde gepflanzt. Quanbo hatte da weniger zu tun, da schweres Heben fuer sie nicht angebracht ist, und im inzwischen stroemenden Regen zu stehen auch nicht so toll ist. Das Endresultat sieht so aus:

Ich habe lange nicht mehr so schoen gegaertnert – es war richtig nett, mal wieder Erde unter die Fingernaegel zu kriegen! Wir hoffen jetzt, dass die Pflanzen gut angehen und wir im Herbst die ersten Beeren bekommen. Demnaechst muessen wir 1-3 Draehte spannen, um den Pflanzstoecken Halt zu geben, aber das ist noch nicht so dringend.