Sanya ist eine Stadt in der Hainan-Provinz, die ganz im Sueden von China liegt. Dort herrscht das ganze Jahr ueber herrliches Wetter und 25 Grad Waerme. Horsts Institutsleiter, Herr Zhang, hat dort ein Hotelzimmer als “Ferienwohnung”, die er 30 Tage im Jahr kostenlos benutzen kann. Bereits im letzten Jahr hat er allen Mitarbeitern in JI angeboten, sie mitzubenutzen, da er selber gar nicht dazu kommt, 30 Tage Urlaub zu machen. Horst ist also der erste, der dieses Angebot in Anspruch nahm
damit sich unsere Gaeste in Shanghai nicht zu sehr langweilen und wir uns ein wenig Sonne goennen.
Am 18. Februar hat Horst in der Uni noch eine Vorlesung gehalten, dann haben wir uns am Abend am Flughafen getroffen. Nach 2 ½ Stunden Flug sind wir in Sanya angekommen. Es war sommerlich warm. Viele Taxifahrer standen Schlange und verlangten hohe Touristenpreise mit Auslaenderzuschlag. Fuer 7 Euro hat ein Typ uns ins Hotel gebracht. Es war ein 5 Sterne-Hotel, zentral gelegen. Wir haben zwei Doppelzimmer bekommen und konnten 5 Naechte umsonst bleiben. Juhu!
In den naechsten zwei drei Tagen haben wir Spaziergaenge am Strand und in der Stadt gemacht, ein paar nette Restaurants entdeckt, viele exotische Obstsorten ausprobiert und uns am Strand gesonnt. Das Wasser war noch ein wenig kuehl, hatte etwa die Temperatur wie die Atlantik im Juli, war aber herrlich! Es liefen Frauen mit tausenden Perlenketten vorbei, wir haben uns anquatschen lassen und einige als Souvenir gekauft. So was Kitschiges musste im Urlaub auch mal sein!

Der Hoehepunkt unserer Unternehmungen in Sanya war unser Ausflug zur Westinsel, hauptsaechlich, um mit einem Glasboot zu fahren und Korallen zu bewundern. Unser Taxifahrer, der uns zur Faehrstation gefahren hat, hat uns begleitet, da er als Reisefuehrer fuer die Faehre nichts bezahlen musste und auf der Insel fuer alle Sportaktivitaeten sogar 20% Rabatt fuer uns rausschlagen konnte. Das Wetter war leider ein wenig bewoelkt. Die Fahrt auf dem Glasboot hat ca. 50 Minuten gedauert. Wir konnten ein paar graue Korallen sehen. Fuer einen Aufpreis von 150 Yuan haette der Fahrer uns ein paar bunte Korallen zeigen koennen, aber eigentlich war es verboten, dort hinzufahren. Wir haben selbstverstaendlich abgelehnt, um nicht noch mehr zerstoeren zu wollen, das widerum konnte der Fahrer nicht verstehen, da sein Boot die Korallen ja nicht beruehren wuerde. Es gab noch Tauchen, Parasailing, Wandern auf dem Meeresboden, Schnellboot etc., wir sind mit einem Wagen zu einer Nachbarinsel gefahren und sind auf Felsen direkt am Meer geklettert und haben tote Korallenreste gesammelt. Ein paar schoene Examplare haben wir mitgenommen.


Gegen 14 Uhr waren wir schon fertig. Der Fahrer hat uns zu einem Meeresfruechterestaurant geschleppt, wo die frischen Fische 160 Euro pro kg kosten sollten. Wir waren entsetzt und sind zu einem uns bekannten Cafe gefahren. Der Fahrer war nicht begeistert, da er seinem Freund keine doofen auslaendischen Kunden gebracht hat.
Er hat uns noch ein Perlenmuseum und ein Kristallmeseum gezeigt. Es war kostenfrei, reinzugehen. Man hoffte natuerlich, uns Souvenire verkaufen zu koennen. Wir haben zwei Anhaenger gekauft und viel weniger Geld ausgegeben, als der Fahrer erwartet hat. Na ja. Auf dem Weg zum Hotel fragte er ploetzlich, ob wir ein Meerestier kennen, die 10,000 Jahre alt werden koennten. Wir wussten ueberhaupt nicht, welches Tier er meinte, dachten, es koennte nicht schaden, es mal zu sehen. Er ist auf ein privates Gelaende gefahren. In einem hinteren Raum gab es dann zwei Wasserbecken mit zwei Riesenschildkroeten! Eine davon sollte 300 Jahre alt sein, die andere 70. Der englische Begriff ist „hawksbill turtle“, ist ein international geschuetztes Tier. Die riesige Schildkroete lag bloss halb im Wasser und stiess sich am Becken an und hatte gar keinen Platz, um sich zu bewegen. Der Typ erzaehlte, dass viele Chinesen solche Schildkroeten praeparieren und sie dann an die Waende haengen wuerden, weil die Tiere Glueck bringen und das Boese austreiben sollten. Man wuerde eine „Schuppe“ vom Schildkroetenpanzer bei lebendigem Leib abziehen, damit sie noch von Blut durchstroemt ist und sich ein tolles Muster ergibt, wenn man sie unter Licht betrachtet. Auf der Wand war ein Riesenposter mit Jiang Zemin drauf, denn sein Brillengestell sollte angeblich auch von dem Tier stammen… Wir waren sprachlos und haben nur gesagt, dass wir kein Interesse haetten.
Auf dem Rueckweg fing Horst an, sich zu aergern, dass er die Schildkroeten nicht gleich mitgenommen hat und wollte wenigstens die Leute anzeigen. Im Hotel hat er ueber google eine Kontaktperson vom IFAW (Intenational Fund for Animal Welfare) in Peking gefunden, der sich um bedrohte Tierarten kuemmern sollte. Ich habe sofort angerufen. Er war erstaunt, dass wir seine Nummer gefunden haben, versprach aber, uns zu helfen. Am naechsten Tag habe ich die oertliche Fischereibehoerde kontaktiert, die dafuer zustaendig sein sollte. Die Beamten seien aber schon aufs Meer gefahren, sie wollten sich gegen 16 Uhr noch mal melden, nachdem ich gesagt habe, dass wir am naechsten Abend nach Shanghai zurueck mussten.
Am naechsten Tag, den 25. Februar, haben wir in einem Cafe gemuetlich gefruehstueckt, die Sonne kam sogar raus! Dann ging es Richtung Strand. Kaum waren wir aus dem Wasser, meldete sich die Fischereibehoerde. Die Beamten haben uns 20 Minuten spaeter abgeholt. Aus Sicherheitsgruenden sollte Horst nicht mitfahren, aber als Ehemann hat er darauf bestanden. Wir haben den Leuten das Haus gezeigt. Sie meinten, es sei eine Gegend, wo die muslimische Hui-Minderheit lebt. Die Hui seien eine sehr enge Gemeinschaft und u.U. gewalttaetig. Sie waren zu sechst, aber trotzdem haben sie sich nicht getraut, reinzugehen und wollten am naechsten Tag Verstaerkung holen, um die Schildkroeten zu retten. Wir haben noch Kokosnussbonbons als Souvenir gekauft und sind dann zum Flughafen gefahren. Angekommen in Shanghai,ist Horst mit T-Shirt und Bermuda in den Regen rausgerannt, um in der Taxischlange zu stehen, waehrend wir Koffer abholten. Es war echt kalt: 5 Grad und Regen!
Zwischenzeitlich habe ich noch Kontakte mit der Fischereibehoerde und der Person in Beijing aufgenommen, um auf den Laufenden gehalten zu werden. Fazit ist: Noch am 26. ist ein Polizist, zivil als Tourist gekleidet, hingefahren und angedeutet, dass er von einem Taxifahrer den Tipp bekommen habe, dort was besonderes kaufen zu koennen. Der Inhaber war sehr aufmerksam und hat sofort bemerkt, dass sein Nummerschild aus Sanya war, und wurde sehr vorsichtig. Der Polizist sagte, er habe das Auto von einem Freund aus Sanya geliehen, er suche schon seit langem nach so einem Brillengestell und wuerde viel Geld bezahlen, somit ist der Typ schwach geworden und liess ihn rein… Die anderen Polizisten in Uniformen haben dann die Bude gestuermt und alles beschlagnahmt. Die grosse Schildkroete war sogar eine echte „hawksbill turtle“, die kleine eine „gewoehnliche“ Meeresschildkroete. Beide werden in den naechsten paar Tagen bei einer Zeremonie freigelassen, an die auch der Buergermeister von Sanya teilnimmt. Aus Sicherheitsgruenden werden sie unsere Namen geheimhalten. Wir waren froh, eine gute Tat vollbracht zu haben.