Liebe Freunde,
spaet, aber dennoch wuenschen wir erstmal allen ein frohes neues Jahr! Ja, der Alltag in Shanghai hat uns wieder mal davon abgehalten, einen weiteren Blogeintrag zu schreiben, aber dieses Wochenende haben wir hoffentlich weniger Stress als sonst, so dass wir eine Zusammenfassung von den letzten 6 Wochen hier veroeffentlichen koennen.
Nachdem Argos den Virus hinter sich gebracht hat, hat er wieder wie wild gefressen. Als wir zwei Wochen spaeter ihn zum Tierarzt geschleppt haben, hat ihn der Arzt kaum wieder erkannt. So gross ist er geworden! Da wir eine VIP-Karte beantragt haben, auf die man jedesmal 100 Euro auftanken konnte und dadurch 20% Rabatt bei einigen Medikamenten und Spielzeugen bekommen konnte, haben wir gleich den groessten Korb des Ladens gelauft, als Weihnachtsgeschenk fuer Argos. Er ist braun und hat laute Pfoten als Muster. Der jetzige Korb sah immer kleiner aus, wenn Argos drin schlief. Eine verstellbare Hundeleine haben wir auch mitgenommen, denn auf manchen Spaziergaengen gehoerchte er ueberhaupt nicht und jagte Quanbo fast jeden Morgen wie bloed durch den ganzen Wohnblock, zweimal ist er sogar ausgebuext!
Etwa zehn Tage vor Weihnachten hat Horst angefangen, Weihnachtskarten zu schreiben – auf altmodische Art und Weise. Die E-Cards sind auch was Nettes, aber so zu schreiben hat auch was an sich. Waehrend der Zeit hat Quanbo Weihnachtskekse gebacken. Einen grossen Teil haben wir verschenkt an Quanbos Eltern und Cousin, unsere Nachbarn, Horsts Unikollegen, nicht zu vergessen unsere nette Verwaltung, die wir ab und zu mit Suessigkeiten bestochen haben und mit der wir momentan wunderbar auskommen.
Zwischenzeitlich hatten wir auch eine Einweihungsparty, wo wir alle (insgesamt 14 Leute) Unikollegen von Horst eingeladen haben. Die Party sollte um 18 Uhr losgehen, aber wir sind ja in China – sie standen schon um 17:30 Uhr vor der Tuer! Hilfe! Die Putzfrau war noch dabei, den Hauseingang zu putzen, und wir natuerlich in der Kueche, um das Abendessen vorzubereiten… Ahhhh! Einer von uns hat der Truppe die Wohnung gezeigt, der andere hat dann weitergekocht. Gottseidank haben wir schon einen Tag frueher zu kochen angefangen! Sie haben uns eine schicke schwarze Bodenvase geschenkt, die wir gleich neben unseren schwarz-weissen Kamin gestellt haben, passt farblich wunderbar. Es gab Cocktails, (ist ja auch Horsts Lieblingssport:-)), Zucchiniroellchen mit Rucola und Ziegenweichkaese (gab es sogar bei Carrefour fuer den 3fachen Preis wie in Deutschland!) gefuellt als Vorspeise, zum Hauptessen haben wir dann Singapur Rippchen mit Honig im Ofen gebacken, Huehnerfleisch mit Walnuss und einige andere Gerichte serviert, die wir schon tausendmal gemacht haben. Als Nachtisch gab es selbstgemachtes Eis wie Pistazien-, Kaffee-, Mango-, Pfirsicheis etc. Es hat allen gut geschmeckt, sie wollten, dass wir sie spaeter regelmaessig zum Essen einladen. Argos hatte an dem Abend auch genug Leute, die ihn streichelten und mit ihm spielten, ausserdem hat er reichlich Rippchen genascht. Aber anders als in Deutschland haben einige Gaeste gegen 20:30 Uhr per Handy Taxis gerufen, gegen 21 Uhr sind alle Gaeste nach Hause gefahren! Die Wohnung war ploetzlich leer und wir hatten keinen einzigen Gespreachspartner mehr uebrig! Komische Chinesen!
Wir haben beim Umzug eine grossen getrockneten Adventskranz mitgenommen, den Quanbo in Potsdam bei Karstadt gekauft hatte. Es war eine gute Idee, denn hier ist es super schwierig, so was Aehnliches aufzutreiben, wir haben nicht mal Adventskerzen bekommen
Auch war es nicht leicht, einen richtigen Weihnachtsbaum zu kriegen. In einem Gartencenter haben wir zwar welche gesehen, aber der Verkaeufer meinte, die kaemen aus den USA, per Flugzeug transportiert, (Bullshit!) und wuerden ca. 80 Euro kosten. Die Frau in dem Laden nebenan meinte, sie kaemen aus der Zhejiang-Provinz und wuerden ca. die Haelfe kosten, aber man koenne nur per Photo bestellen…
Schlussendlich hat Quanbos Mutter ein grosses Gartencenter, etwa eine Stunde Busfahrt von unserer Wohnung entfernt, aufgetrieben. Es gab dort selbstgezuechtete Tannen, die sehr viel duennere Zweige hatten als die Weihnachtsbaeume in Deutschland, das Interessante war, sie wurden mit Wurzeln verkauft. Quanbos Mutter hat uns einen schoenen Baum geschenkt, der dann zu uns nach Hause transportiert wurde. Argos fand den Baum auch sehr interessant, so dass er die unteren Zweige alle abgerissen hat und gefressen hat, bis es ihm schlecht wurde… Na ja, er ist noch jung und muss noch viel lernen. Bereits nach ein paar Tagen haben wir festgestellt, dass der Baum immer trockener wurde, obwohl er Wurzeln hatte. Tja, ein chinesischer ueberzuechteter Baum. Daher haben wir uns gar nicht getraut, den Baum mit unseren schoenen Weihnachtskugeln zu behaengen. Stattdessen haben wir ein paar chinesische Gluecksbringer aus Bambus aufgehaengt.
Wir haben ueberlegt, ob wir am Heiligabend essen gehen. Das Slice-Restaurant, wo wir ab und zu Biosachen und Kaese kauften, sollte ein Weihnachtsmenu haben. Als wir dies per mail bekommen haben, waren wir ueberhaupt nicht begeistert – als Hauptessen wurde Spaghetti angeboten! Eigentlich haben wir schon etwas mehr erwartet. Also haben wir uns dann entschieden, dass wir fuer das Geld, das wir sonst fuer ein Abendessen und Wein in einem Restaurant ausgeben wuerden, Kaese kaufen, um daraus ein leckeres Kaesefondue zu machen. Wir haben auch Quanbos Eltern zu uns eingeladen. Nach der Bescherung gab es dann Kaesefondue. Da es fuer meine Eltern eher ein ungewoehnliches Essen war, haben sie vorsichtshalber ein wenig chinesisches Essen mitgebracht, nur fuer den Fall, dass sie das Kaesefondue nicht moegen wuerden, aber nach und nach schmeckte es ihnen immer besser. Quanbo war schon erstaunt, denn sie hatte damals in Deutschland viel laenger gebraucht, um sich an den Kaese zu gewoehnen. Gegen 22 Uhr haben sich Quanbos Eltern verabschiedet. Wir konnten dann in Ruhe mit Horsts Mutter und Schwester skypen. (Horsts Schwester hat sich ein paar Tage Urlaub genommen, um mit ihrem Freund nach Marokko zu fliegen.) Argos hat naturlich seinen neuen Korb bekommen, aber er wollte lieber in dem alten Korb schlafen, in dem er seine ganzen Schaetze, die er vom Wohjnzimmertisch und von der Kueche geklaut hat, versteckt hat. Na ja, er wird schon in den neuen Korb hineinwachsen. Eigentlich wollte Quanbo ihm noch einen riesigen geraeucherten Knochen schenken, aber leider war er schon ausverkauft. Argos muss also bis zum Fruehlingsfest warten, ist aber nicht mehr so lange hin bis zum 7. Februar.
Simon, der Inhaber vom Weinladen Rubyred, hat uns mit einem Franzosen Franck bekanntgemacht, der in Shanghai ein Bistro fuehrt. Er war begeistert von unseren Likoeren und hat spontan 5 Flaschen gekauft und weitere 14 Flaschen auf Kommissionsbasis bestellt. Grund genug, dass wir sein Restaurant am Silvesterabend mal testen wollten. Es gab ein schickes Menu, das Horst sehr gut gefallen hat. Der Preis war entsprechend teuer, aber verglichen mit europaeischen Preisen war es noch human. Wir haben uns schick angezogen und sind mit der U-Bahn hingefahren. Seit dem 29. Dezember faehrt endlich die U6, eine Station ist direkt vor unserer Haustuer. Uns wurde beim Kauf der Wohnung versprochen, dass die U-Bahn bereits Ende 2006 zur Verfuegung stehen wuerde, aber wenn man mit Chinesen Geschaefte machen will, sollte man ihnen kein einziges Wort glauben!
Gegen Mitternacht war es wenig los im Restaurant, viele Gaeste sind bereits nach Hause gefahren. Das kennen wir zwar, aber wir haben nicht erwartet, dass die Chinesen in der Silvesternacht auch so frueh schlafen gehen! Wir haben noch zwei Glaeser Champagner fuer die Mitternacht bestellt und sie in Ruhe ausgetrunken. Gegen 2 Uhr waren wir dann zu Hause. Argos hat uns abgeschleckt und musste nicht mehr fuerchten, dass wir ihn ganz vergessen haetten.
Ende Dezember hat Quanbo von zwei verschiedenen Ubersetzungsfirmen ein und dasselbe Angebot bekommen, in der Shangdong Provinz fuer eine chinesische Fabrik drei, vier Tage zu dolmetschen, jenachdem, wie weit man kaeme. Es ging um irgendwelche Schweisstechnik, Quanbo sollte bei Verhandlungen / Trainning einfach direkt von Deutsch ins Chinesisch uebersetzen. Schliessendlich hat eine Firma den Auftrag bekommen und Quanbo arrangiert. Nachdem Quanbo den Vertrag mit der Ubersetzungsfirma unterschrieben hatte, wollte die Firma trotzdem keine Kontaktdaten verraten. Hallo?! Es kam dann heraus, dass die Ubersetzungsfirma noch keine Anzahlung bekommen hat und Angst hatte, dass Quanbo privat fuer die Fabrik in Shandong arbeiten koennte… Wir waren sprachlos.
Am 8. Januar sollte es dann losgehen. Quanbo hat am Nachmittag ein Treffen mit dem Chef in Shanghai, einem Amerikaner, sehr nett. Er verlangte von ihr sogar, dass sie zwischen Deutsch, Englisch und Chinesisch frei uebersetzen solle. Aber es wurde nur Deutsch / Chinesisch vereinbart! Die Ubersetzungsfirma hat mal wieder versucht, Quanbo zu betruegen, denn wenn sie fuer zwei Fremdsprachen uebersetzen sollte, haette man ihr doppelt so viel Geld anbieten muessen. Nach der Besprechung sind zwei Deutsche angekommen, mit denen Quanbo noch schnell in einem Tapas-Restaurant essen war und dann gleich zum Flughafen gefahren wurde. Der Flug dauerte ca. 90 Minuten. In Jinan angekommen, sind sie gleich von einem Fahrer der Fabrik abgeholt worden. Nach 1,5 Stunden Autobahn im Nebel sind sie endlich in einem 5-Sterne Hotel angekommen. Es war bereits nach Mitternacht. Den Rest erzaehlt Quanbo nun in der ich-Form:
Am 9. haben wir gemeinsam im Hotel gefruehstueckt. Es gab Spiegeleier, Nudelsuppe, Muesli, Obst, Salate etc. halt ein Buffet. Der Koch hat mich komisch angeschaut, als ich sagte, ich haette gerne ein Spiegelei, einseitig gebraten. (Chinesen drehen die Eier im Wok normalerweise nochmals um.) Er tat, was ich sagte, das Problem war nur, dass das Eiweiss noch roh war! Um 9 Uhr sind wir abgeholt worden. Nach 30 Minuten waren wir in der Fabrik. Es war deutlich kaelter in der Shandong Provinz als in Shanghai – 0 Grad. Zuerst haben wir den chinesischen Manager, Herrn Li, kennengelernt. Es gab ein paar hoefliche Woerter, dann ging es in die Werkstatt.
Die Fabrik stellt Elektroden aus Wolfram her, indem sie Wolframpulver mit Oxiden mischt, erhitzt und haemmert. Sie produziert ca. 12 Tonnen Elektroden pro Monat. Die Qualitaet der Elektroden, die exportiert werden, ist deutlich besser als die, die in China verkauft werden. Aus irgendwelchen Gruenden, wie z.B. dass das APT-Pulver, das von der Fabrik zugekauft wurde, nicht ganz rein war, war die Schuettdichte der Gemische nicht immer im zugelassenen Toleranzbereich, Ergebnis: die Schnittflaeche der Elektroden war nicht so gut, wie die Deutschen es gerne haetten. Im letzten Oktober hatte es bereits zwischen den Deutschen und den Chinesen gekracht. Meine Aufgabe war eben auch, dass ich mich dazwischenschalten sollte, um beide Seiten zu beruhigen. Es klappte ganz gut am ersten Tag, bis auf das KFC-Fastfood als Mittagessen
Nach Feierabend hat der Chef uns und die Verwaltungsabteilung, bestehend aus 28(!) Personen, zum Essen eingeladen. Es war ein sehr lauter und lustiger Abend. Es wurde Bier wie Wasser zwischen den Gaengen getrunken, welches auch wirklich nach Wasser schmeckte. Drei Stunden spaeter stand auf der Rechnung: 100 grosse Flaschen Bier, x Flaschen Schnaps etc. Ich war froh, als ich endlich im Hotelzimmer war. Zum Einschlafen gab es einen Horrorfilm “When a stranger calls” vom HBO-Sender.
Am naechsten Morgen dachte ich, dass ich vielleicht statt rohe Eier Nuelsuppe bestellen sollte. Der Koch gab mir einen kleinen Bambuskorb, in den ich Champignons, Gemuese etc. reintun sollte. Dann sollte ich 10 Minuten spaeter wiederkommen. Als ich wieder da war, drueckte er mir eine Schuessel Suppe mit drei Scheibchen Champignon und ein wenig Gruenzeug in die Hand – ohne Nudeln! Als ich danach fragte, sagte er verwirrt, dass ich ja keine Nudeln ausgesucht haette. Ahhh!
Die naechsten zwei Tage verliefen ganz ruhig: Die deutschen Experten machten Experimente, um die Qualitaet der Elektroden zu erhoehen, aber leider ohne grossen Erfolg. Dies fuehrte dazu, dass es sich nicht sehr viel lohnen wuerde, weiter in der Shandong Provinz zu bleiben. Ich habe meine Aufgabe erfuellt: Der chinesische Chef hat sich sogar beim Deutschen fuer „fruehere Missverstaendnisse“ entschuldigt. Am Freitag ist also der Rueckflug geplant. Da es am Donnerstag in Shandong ziemlich doll geschneit hat, waren die Strassen zu, viel schlimmer war, dass die Autobahn zum Jinaner Flughafen gesperrt wurde. Das bedeutete, dass wir ueber Landstrassen fahren mussten und mindestens zwei Stunden laenger braeuchten. Anscheinend wird die Autobahn bei Schnee, Sturm, Regen, vielleicht sogar zu viel Sonnenschein gesperrt! Gegen 11 Uhr machte sich der Fahrer mit uns auf den Weg. Dummerweise kannte er sich nicht so gut aus und musste zweimal anhalten, um nach dem richtigen Weg zu fragen. Wir waren recht nervoes, weil wir den Flug natuerlich nicht verpassen wollten. Irgendwann meinte der Fahrer aber, er sei ganz in der Naehe des Flughafens. Als wir ein Flugzeug am Himmel entdeckten, das gerade landete, haben wir alle gleichzeitig geschrien „Schnell, dem Flugzeug nach!“
Wir waren gottseidank rechtzeitig am Flughafen, aber es kam die naechste Katastrophe: Der Flug nach Shanghai um 15:40 Uhr hatte aus wetterbedingten Gruenden Verspaetung, wann wir fliegen konnten, war noch unklar. Klasse, einer der Deutschen hatte naemlich einen Anschlussflug nach Muenchen! Die Warterei war ziemlich nervig, hinzu kam, dass in Shanghai ein dichter Nebel herrschte, so dass manche Fluege verschoben, manche ganz gestrichen wurden. Oh nein! Gegen 18:30 Uhr bekamen wir endlich die Nachricht, dass wir doch um 19:30 Uhr fliegen konnten. Bravo!
Ich war k.o., als ich in Shanghai ankam. Die Schlange, die auf die Taxis wartete, war mehrere Kilometer lang. Ich bin dann zu einem Hotel gegangen und dort am Eingang auf ein freies Taxi gewartet. Nach einer Viertelstunde kam ein Taxi an, wo Leute ausstiegen. Super! Um 22:30 Uhr war ich endlich zu Hause. Horst und Argos waren froh, mich wiederzuhaben.
Das sind wohl die Erlebnisse von uns aus den letzten paar Wochen. Das Fruehlingsfest steht ja vor der Tuer. Rolf und Christian kommen am Neujahr an, um uns drei Wochen lang zu besuchen. Wir freuen uns schon riesig auf die beiden und ein paar von unseren Whiskyflaschen;-) Es gibt in Haerbin ein bekanntes Eisfestival, wo tausende Eisskrupturen zur Show gestellt werden, aber im Februar koennte es ein wenig zu warm sein, um alle Eisfiguren bewundern zu koennen. Eine andere Moglichkeit waere, mit den beiden nach Hainan zu fliegen, dort ist momentan 25 Grad warm, Sommer und Strand sind angesagt. Wir werden mit Rolf und Christian noch ueberlegen, worauf sie Lust haben.