Archiv für August 2007

Argos…

August 29, 2007

war der Hund von Odysseus, der waehrend der Odyssee 20 Jahre lang auf seinen Herren wartete, ihn bei der Rueckkehr als erster wiedererkannte und dann, sein Schicksal der Treue erfuellt, starb. Argos heisst jetzt auch unser neuester Mitbewohner:

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Wie es dazu kam erzaehlt Euch Quanbo: gegenueber unserem Wohnblock gab es einen kleinen Laden, wo wir ab und zu Mineralwasser und Eis kauften. Eines Tages hatte die Besitzerin ploetzlich einen kleinen Hundewelpen da, der so klein war, dass er die Augen noch nicht auf hatte. Er sah sehr suess aus. Er wurde von einem Bauarbeiter gefunden, der aber keine Zeit hatte, um sich um ihn zu kuemmern. Also wollte mir die Frau den Hund schenken. Horst wollte sich aber erstmal erkundigen, was man mit so einem kleinem Hund machen sollte, so waren wir zwei Tage spaeter da, um den Hund abzuholen. Der Welpe wurde aber in der Nacht geklaut. Er hat vorher gebellt, war wohl zu laut, als die Frau schlafen wollte. Also hatte sie den Hund rausgeschmissen. Am naechsten Morgen war er natuerlich nicht mehr da. Wir waren ganz traurig.

Ein paar Tage spaeter war ich in einem Kaufhaus einkaufen. Es war Wochenende. Vor dem Kaufhaus gab es mehrere Staende mit Blumen, DVDs, Hunden etc. Ein Hundehaendler kam von der Congmin-Insel ausserhalb von Shanghai, hat 30 bis 40 Hunde zu Hause. Ab und zu kommt er nach Shanghai, um einige Laeden zu beliefern und Hunde online zu verkaufen. Fuer diesen Golden Retriever wollte er eigentlich 800 Yuan haben, ich habe ihn auf 130 Yuan runtergehandelt. Im Internet haben wir heute gesehen, dass diese reine Rasse in Deutschland ca. 800 Euro kosten soll! Der Welpe ist zwei Monate alt und sehr aktiv. Wir gehen jeden Tag 3 mal mit ihm spazieren. Er lernt allmaelich, draussen Seen und Haufen zu machen. Wir haben bei Carrefour sogar Babynahrung gefunden. Er waechst und waechst. Auch Spielzeuge wie Ball, Turnschuhe und Kauknochen findet er superspanned und kann sich sehr gut selbst beschaeftigen. Wir haben zwar einen kleinen Korb fuer ihn gekauft, aber er mag es lieber, bei uns im klimatisierten Schlafzimmer auf dem kuehlen Bambusboden zu schlafen. Er liebt es, auf dem Ruecken gedreht am Bauch gekrault zu werden, zu unseren Handwerkern und Nachbarn ist er auch sehr lieb. Wir sind uns sicher, dass er ein guter Wachhund sein wird.

Hier ist er noch einmal in Aktion:

Auspacken!

August 29, 2007

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Endlich haben wir Internet in unserer Wohnung, aber noch kein Telephon – das muesen wir noch kaufen. Skypen geht aber natuerlich, falls einige von Euch so etwas bei sich haben. Das ist dann sogar mit Video!

Von ueber 150 Kartons (Moebel und Sperrgut nicht mitgezaehlt) sind jetzt noch weniger als zehn uebrig. Das sind allerdings auch die schwierigsten, groesstenteils mit der (mentalen) Aufschrift „Krams“ betitelt.

Heute war die Reinigungsfirma zum dritten und hoffentlich vorerst letzten Mal da. Insbesondere auf den Terassen musste einiges an Schaeden (Betonreste und Rostflecken auf Marmor!!) repariert werden, die die anderen Handwerker angerichtet haben. So ganz perfekt sind sie noch nicht, aber deutlich verbessert. Die vier Reiniger haben ganz schoen gestoehnt, ob der perfektionistischen Ansprueche unsererseits bezueglich solcher Sachen wie Farbspritzer auf Waenden und Holzrahmen oder sonstiger Verunreinigungen. Wir haben hingegen eingesehen, dass es nahezu unmoeglich ist, irgend etwas hier „perfekt“ hinzukriegen, alles hat irgendwie eine mehr oder weniger sichtbare Macke. Trotzdem sind wir gluecklich, endlich eingezogen zu sein, und geniessen die Freiheit. In den naechsten Tagen machen und veroeffentlichen wir mal ein paar Photos.

Eingezogen!

August 20, 2007

Der Einzug am Mittwoch hat „geklappt“, wie man sagen kann, aber es gibt noch einiges zu tun. U.a. haben wir noch kein Internet, daher die Funkstille bis jetzt (ich schreibe dies auf Arbeit an der Uni). In der Kueche ist Herd & Ofen noch nicht angechlossen, Glasregalboeden fuer die Kuechenschraenke fehlen auch noch, und einige andere Kleinigkeiten muessen gemacht werden (irgendein Handwerker hat eine Toilette verstopft). Wir haben schon ziemlich viel ausgeraeumt, und stellen fest, dass bei all unseren Buechern, Photos, Briefen, Akten etc. unsere Buecherregale viel zu schnell voll werden. Wir probieren aber, so schnell wie moeglich alle Kisten auszupacken!

Mittwoch ist ein guter Tag zum Einziehen…

August 10, 2007

sagt jedenfalls fuer den 15. August der chinesische Kalender voraus. Nachdem wir jetzt 6 Monate bei Quanbo’s Eltern gewohnt haben, sind alle Beteiligten gluecklich und erleichtert, dass wir (endlich) ausziehen.

In den letzten 2 Wochen, seit wir aus Guilin zurueck sind, haben wir uns auch intensiv damit beschaeftigt, den Renovierer Li zu treten, damit die letzten Details installiert werden. Zwischenzeitlich haben wir auch probiert, die Schaeden, die die Handwerker an schon installierten Teilen (Kamin, Boden) verursacht haben, wieder zu kitten. Gestern wurde Herd und Ofen geliefert, konnten aber noch nicht installiert werden: Steckdosen fehlen, und Li weigert sich ploetzlich, die Holzhalterung in den Kuechenschrank einzubauen. Der Tischler ist naemlich wieder weg (Familienangelegenheiten) und der Ersatzmann ist absolut unfaehig. Wahrscheinlich werden wir selber basteln muessen.

Die Treppe ist so gut wie fertig, muss aber noch mal gereinigt werden (die Handwerker haben die ungereinigte Treppe lackiert!!):

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Wir haben Lampen besorgt und die Bar vom Tischler (als er noch da war) bauen lassen. Die Steinplatte ist aus einem Stueck und wir haben mitgeholfen, sie die 12 Stockwerke hochzutragen, denn fuer den Lift war sie zu lang:

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Die vier Blumenregale sind auch endlich an ihrem Platz:

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Unsere Schraenke haben Spiegeltueren bekommen, und wir haben Betten fuer Schlaf- und Gaestezimmer bestellt; das hier ist das Gaestezimmer, das im Spetember von Gunnar und Nora eingweiht werden wird (wir freuen uns schon sehr auf ihren Besuch):

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Gestern kam jemand, um in Kueche, Gaestetoilette und Waschraum Arbeitsplatten zu installieren – der feine weisse Staub war eine Katastrophe:

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Dabei hatten wir am Sonntag gerade eine Putztruppe in der Wohnung: Drei Mann ud eine Frau haben von morgens halb acht bis abends halb sechs geputzt, gewischt, gefegt, Farbe von Holz und Fenstern sowie Zementreste von Fliesen entfernt und insgesamt Wunder gewirkt. Der Preis: insgesamt 40 Euro, spaeter kommen sie gerne alle paar Monate, dann fuer 20 Euro. Da kann man 4 Mal im Jahr Fruehlingsputz machen (lassen). Am Samstag kommen noch Leute, die um den Kamin herum und zur Terasse hin Bodenplatten machen (das war ein Akt!) und am Sonntag schliesst der Elektriker an, was anzuschliessen geht: Toiletten, Waschbecken, Ofen, Gas, Lampen, Steckdosen etc. Am Montag oder Dienstag kommt hoffentlich der Maler, um noch einmal ueberzupineln, und dann ist hoffentlich alles vorueber. Kleinigkeiten werden in den naechsten Wochen geregelt.

Bericht von Guilin – Sonntag (29. Juli)

August 4, 2007

Dies sollte unser letzter Tag in Guilin sein. Um halb elf morgens trafen wir uns mit dem jungen Liu (diesmal ohne Wang), um einiges konkretes zu vereinbaren. Liu moechte in Guilin einen Weinladen eroeffnen, mit verschiedenen Sektionen und hat schon 50-60 Sorten Wein aus Australien, Chile und anderen Gebieten bestellt. Zusatezlich hat er Whiskey und Cognac (Remy Martin ist hier de rigeur). Unsere Likoere sollen dem Laden etwas besonderes verleihen, und er will auf jeden Fall alle 20 Sorten haben. Wir sollten aber moeglichst noch eine Info-Schrift verfassen, wo einige Basics drinstehen: wer oder was die Loire ist, wo Saumur liegt, Bilder vom Schlosss, etc. Ausserdem braucht er noch ein paar Probeflaschen.

Mein Eindruck: Liu ist nicht direkt bei den Triaden, hat aber Wang, der sehr wohl bei den Triaden ist und den er seit 11 Jahren kennt, hinzugeholt, um zu garantieren, dass sein Geschaeft laeuft. Sicherlich wird er fuer diese Unterstuetzung in irgendeiner Weise Anteile an die Triaden geben, aber das geht uns nichts an. Wir haben das grosse Glueck, dass Wang uns beide anscheinend sehr mag. Er meinte selber, dass sehr viele Leute Wang in ihre Geschaefte einbinden wollen, er aber sehr selektiv ist, worauf er sich einlaesst. Wang hat schon einen Weinhaendler abblitzen lassen, weil er ihm nicht gefiel, und das unabhaengig von der Qualitaet der Waren. Also ist Liu ein aufstrebender Weinhaendler (momentan betreibt er neben einem Schnapsladen auch ein gut gehendes Mahagoni-Moebel-Geschaeft). der die volle Unterstuetzung der Triaden geniesst. An so jemanden zu verkaufen ist sicherlich ein guter Schachzug. Liu und seine Frau sind uns ausserdem recht sympatisch, wir glauben nicht, dass sie unehrlich sind oder uns betruegen wollen. Trotzdem gehen wir die Beziehung natuerlich mit der gebuehrenden Vorsicht ein.

Gegen Mittag sind wir dann ein letztes Mal mit der Taxifahrerein durch die Gegend gefahren. Um Guilin gibt es eine bluehende Industrie mit Wurzelholzmoebeln und Mineralien (insb. Tropfsteine aus Hoehlen herausgebrochen – bei uns unverzeihlich, hier aufgrund der immensen Vielzahl der Hoehlen wohl vertretbar). Wir brauchen noch einen schicken Wohnzimmertisch und wollten uns daher mal einige „Fabriken“ in der Umgebung ansehen, um zu schauen, ob wir fuer einen guten Preis etwas finden.

Wir waren zuerst bei einer recht grossen Firma, dann bei kleineren Haendlern. Stein ist wohl zu schwer fuer unseren Boden, also schauten wir vor allem nach Wurzelholztischen, wie z.B. dieser hier:

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Schlussendlcih haben wir aber nichts gekauft, denn einerseits gefiel uns kein Tisch so sehr, dass wir ihn zwingend mitnehmen mussten, andereseits waren wir sicher, bei Liu einen faireren Preis zu bekommen, da er mit seinen Kontakten uns sicherlich wuerde weiterhelfen koennen.

Wir lehnten dann dankbar ab, als die Taxifahrerin Leng Bingbing uns ein Dorf zeigen wollte, wo die Einwohner alle nur mit einem Lendenschurz bekleidet sind, Rindskoepfe an ihre Huetten haengen und einen unverstaendlichen Dialekt sprechen.

Stattdessen fuhren wir zu einem Berg (hiess Yao-Berg), der einen wunderschoenen Blick ueber die Umgebung haben sollte. Man konnte ihn hochwandern, aber es war schwuel-heiss, der Aufstieg war lang und wir waren schon bei unserer Ankunft ziemlich erschoepft. Also nahmen wir die (oesterrechische!) km lange Seilbahn nach oben:

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Hier noch ein Selbstportraet, dass wir mit ausgestrecktem Arm schossen:

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Oben gab es dann einen eher maessigen Blick, es war etwas diesig, und der Horizont verschwand im Dunst:

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Ansonsten gab es auf dem Berg noch eine vollkommen verfallene Hotelruine, mit gruen ueberwuchertem Springbrunnen, zerborstenen Glasscheiben. Das war irgendwie etwas gespenstisch – ich musste unwillkuerlich an „The Shining“ denken. Ausserdem die Reste eines Tempels, der wohl mal eine Attraktion gewesen war, es hingen noch Gongs mit Hammer herum, und Rinderschaedel, deren Bedeutung im Zusammenhang mit einem buddhistisch/taoistischen Tempel uns schleierhaft blieb.

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Wir fuhren dann mit der Seilbahn bis zu einer Zwischenstation wieder zurueck. Von dieser Station aus konnte man auf einer Art blechernen Rutsche/Bobbahn mit einem Schlitten bis nach unten fahren. Leider konnten wir dabei keine Photos machen, aber es war mal wieder lustig.

Am spaeten Nchmittag sind wir dann zurueck nach Guilin gefahren. Liu hatte schon versprochen, uns zum Flughafen zu fahren, er rief aber noch an, um uns mit seiner Frau gemeinsam zum Abendessen einzuladen. Unser Flug ging erst um viertel vor zehn, und Chinesen essen frueh, also kein Problem. Die beiden fuhren uns dann zu einem Pekingenten-Restaurant, dass auf halbem Weg zum Flughafen lag.

Als Ueberraschung war auch Wang da, er hatte schon auf uns gewartet, und wir hatten noch ein sehr nettes Abendessen. Wang erklaerte, er haette eine gewisse Faszination fuer das Dritte Reich, und Bismarck sei ein bedeutender Staatsmann gewesen. Angesichts dieser historisch etwas verwirrten Zusammenmengung von Hindenburg- und Hitler-Era, laechelte ich diplomatisch und schwieg. Wang murmelte was zu Bismarck, er haette etwas mit Blut und Waffen gesagt, und mir fiel nur das (glaube ich) Zitat „Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ ein. Quanbo uebersetzte, und Wang fand das ganz toll. Ich fuehlte mich miserabel, so als haette ich meinen (durch und durch pazifistischen) Geschichtslehrer verraten. Na ja.

Jedenfalls war das Abendessen ein voller Erfolg, wir hatten Liu unsere Probeflaschen Likoer geschenkt. Er holte dann einige heraus und goss seiner Frau ein, die bis dahin nur von seinen Erzaehlungen von ihnen wusste. Die Creme de Peche und Liqueur de Rose schmeckten ihr ganz toll, ein sehr gutes Omen. Als wir uns verabschiedeten und Liu mit seiner Frau uns das letzte Stueck zum Flughafen fuhren, hatte Wang das letzte Wort: „Wenn das Likoergeschaeft zwischen Euch und Liu laeuft, dann werde ich es wie mein eigenes Kind behueten. Nichts und niemand wird sich einmischen oder es stoeren duerfen.“ Ich denke, dem kann ich nichts weiter hinzufuegen.

Bericht von Guilin – Samstag (28. Juli)

August 4, 2007

Am Samstag wollten wir unbedingt noch etwas von der Umgebung Guilin sehen. Nach dem Treffen am Abend vorher waren wir ueberzeugt, mit der hiesigen Mafia zu tun zu haben; als wir dem Wang von unseren potentiellen Geschaeftspartnern erzaehlten, die eigentlich einen Exklusivvertrag haben wollten, und zu Wang meinten, wir wuerden stattdessen unsere Geschaefte ueber Liu und ihn laufen lassen, meinte er: „Die anderen sind nicht von Guilin, sie sind von ausserhalb. Sie kennen hier niemanden. Aber wenn sie auch Geschaefte [mit dem Likoer] machen wollen, dann ist das ganz einfach: Wir teilen Guilin in vier Zonen auf, und jeder bleibt in seiner Zone. So gibt es keine Verwirrung und keine Konflikte.“ Wieder hatten wir uns an die Gebietsaufteilung in Mafia-Filmen erinnert gefuehlt.

Jedenfalls wollten wir raus, waren aber zeitlich etwas unter Druck, denn um 12 waren wir zum Sushi Essen verabredet. Um halb acht kam verabredungsgemaess unsere Taxifahrerein Leng Bingbing, und sie meinte, wir sollten unbedingt zum Wasserfall fahren. Gut, dachten wir uns, hoert sich ja nett an. Wir waren fast eine Stunde unterwegs, und erreichten eine typische Touristenattraktion in den Bergen, 100 Yuan (10 Euro) Eintritt immerhin! Wir zahlten brav am Tor, und wurden prompt mit einem Bambusboot ueber einen See gerudert. Auf einer Insel war eine Frau, die Volksgesaenge ausstiess, und von den uebrigen Touristen (kurz nach uns kam ein Bus) zurueckbesungen wurde. Na ja.

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Dann bekamen wir Strohschuhe und Helme, wir lasen Schilder, auf denen von einem Beklettern des Wasserfalls die Rede war. Weil es noch frueh war, hielten sich die Tour-Massen in Grenzen, aber uns waren es schon zu viele. Wir folgten einen Waldweg neben einem Gebirgsbach, und kamen bald zu einem Teich, in dem sich der Wasserfall sammelte. In den Felsen eingelassen waren Haken, an denen schwere Ketten hingen, und der Felsen hatte Einkerbungen fuer die Fuesse bekommen. Schwer zu erklettern sah das ganze nicht aus, aber das Wasser sorgte dafuer, dass es eine etwas rutschige und sehr nasse Angelegenheit wurde. Die Strohschuhe waren aber gut geeignet, um Halt auf dem Felsen zu finden.

Vor dem ersten Aufstieg:

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Nach dem ersten Aufstieg:

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Es ging dann eine ganz Zeit lang weiter, ueber Stromschnellen, Untiefen und kleinere Wasserfaelle:

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Irgendwann kamen wir dann soweit bachaufwaerts an, dass es nicht mehr weiter ging. Das ganze war ein richtiger feuchter Spass! [Quanbo besteht darauf, dass ich folgende Erklaerung hinzufuege: "Ich bin vor Angst gestorben und hatte uberhaupt keinen Spass!" Ich denke, die Photos von ihr sprechen aber fuer sich.] Ueber einen langen Waldweg waere es dann zurueckgegangen, aber bei uns draengte die Zeit ein wenig, und wir beeilten uns, neben dem Bach laufend schnell zum Taxi zuruekzukommen.

Dann ging es zur „Grossen Grotte“ die wir unbedingt besichtigen sollten. Als wir dort ankamen, war es Viertel nach elf, und ich machte mir ernsthaft Sorgen, nicht rechtzeitig um zwoelf beim Essen in Guilin zurueck zu sein. Die Taxifahrerin setzte uns am Ticketoffice ab, und von dort wurden wir mit einer halsbrecherischen Motorrad/bus Kombination zum Hoehleneingang gefahren. Der Bestand aus einer Bergwand mit Aufzugstuer. Wir stiegen ein, und glitten dann in einem glaeserenn Lift in eine riesige Hoehle (20-30 m Deckenhoehe) hinab. Der Raum war gigantisch, wie in einem Fantasy-Szenario. So leben also die Drow, Duergar und Svirfneblin, dachte ich mir. Leider sind die Photos, die wir gemacht haben, alle nichts geworden. Der Raum war einfach zu gross fuer Biltzlicht und die Kamera konnte die Groesse einfach nicht so recht einfangen.

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Nach einigen grossen Hoehlenhallen ging es dann zu einer Art Bergbahn, die durch weitere Teile dieser absolut gigantischen Hoehle fuhr. Dann wieder zu Fuss, dann mit Booten einen ueberfluteten Teil entlang. Es war gigantisch. Mir fehlen einfach die Worte, um dieses Erlebnis widerzugeben. Der ueberflutete Teil der Hoehle war riesig, und gegen Ende der Fahrt kuendigte ein lautes Rauschen schon vom naeher kommenden Wasserfall. Wir konnten dann aussteigen, und (gegen eien Zusatzgebuehr von 5 Yuan) den Wasserfall von einer Nebenhoehle aus beobachten:

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Nach weiteren Gewoelben kamen wir dann zu einer kleinen Bergbahn, wo man zu zweit auf wackeligen Scootern auf Schienen hinausfahren konnte (erinnerte sehr an die Loren in Indiana Jones). Quanbo sasss vorne und hatte die Kontrolle ueber die Bremse, gab aber kraeftig Gas. Bald kamen wir ans Tageslicht, und die Schienen fuehrten direkt zum Taxi.

Schlussendlich kamen wir eine Stunde zu spaet zum Mittagessen, hatten aber Bescheid gesagt, nachdem wir aus der Hoehle gekommen waren. [Was? Kein Handy-Empfang in einer Hoehle in der chinesischen Provinz? tsk, Tsk. Sachen gibts. :-) ] Jedenfalls verbrachten wir in Guilin dann die naechsten drei (!) Stunden damit, mit Wang und Liu kalten toten Fisch (Sashimi) und gegrilltes japanisches Zeugs zu essen. Dabei war auch noch eine ziemlich hart aussehende Frau, der eine Lampen- und eine Duengemittelfabrik (Zitat: „Ich verdiene an den Reichen wie auch an den Armen“) gehoert, und die sehr gute Verbindungen zu Parteimitgliedern und Beamten hat. Waehrend der drei Stunden Smalltalk haben wir uns ziemlich gelangweilt, aber es war wohl diplomatisch wichtig. Wozu, weiss ich zwar auch nicht so ganz, aber dem Wang war viel daran gelegen.

Nach dem Essen waren wir ziemlich erschoepft, und verbrachten den Rest des Nachmittags damit, uns in der Sonne am Pool zu aalen. Am Abend assen wir im Hotel dann (grauenhaft) Pizza und Spaghetti.

Titelbild

August 2, 2007

Seit einigen Tagen ist WordPress in China wieder normal zugaenglich, genau wie ploetzlich auch Wikipedia. Jedenfalls koennen wir nun auch einige Einstellungen veraendern, was vorher, als wir TOR benutzen mussten, nicht gut moeglich war.

Zum Spass haben wir den schrecklichen blauen Header durch einige Photos ersetzt, die von einem Ausflug, den wir Ende Mai gemacht hatten, stammten. Damals ging es mit Horsts Uni-Institut und einigen amerikanischen Gastprofessoren zu einem Tagesausflug nach Tongli, in der Naehe von Shanghai. Es war sehr nett, aber wir waren viel zu sehr im Stress, als dass wir einen Bericht hier auf dem Blog veroeffentlichen konnten. Wenn ihr uns besuchen kommt, fahren wir dafuer aber gemeinsam nach Tongli!

Bericht von Guilin – Freitag (27. Juli)

August 1, 2007

Eigentlich hatten wir ueberlegt, ob wir einen Tagesausflug nach Yangshuo unternehmen wuerden, aber nach den Geschaeftsergebnissen des Vortages wollten wir uns nicht zu weit von Guilin entfernen. Daher machten wir am Morgen noch eine Bootstour, diesmal mit einer anderen Taxifahrerin.

Kleine chinesische Namenskunde: Chinesische Namen bestehen aus 2-4 Schriftzeichen. Zuerst kommt der Familienname (z.B. Xie = Dank), der fast immer aus einem Zeichen besteht, in ganz seltenen Faellen auch aus zwei. Es gibt in der Tat ein endliches Reservoir aus Familiennamen, etwa ueber tausend verschiedene. Und nur eine Handvoll haben zwei Schriftzeichen. Dem Determinismus bei den Familiennamen steht die vollkommene Freiheit bei der Wahl des Vornamens entgegen. Dieser kann aus einem oder zwei Zeichen bestehen und die Eltern haben vollkommene poetische Freheit (z.B. Quan Bo = Quelle Welle).

Unsere Taxifahrerin hiess Leng mit Nachnamen, d.h. Kalt. Im Chinesischen gibt es wie im Deutschen das Wort eiskalt, naemlich lengbingbing. (bing heisst Eis, also ist eiskalt auf chinesisch “kalteiseis”). Die arme Taxifahrerin hat von ihren Eltern den Vornamen Bingbing bekommen, heisst also “Eiskalt” mit vollem Namen. Da musste auch Quanbo etwas unhoeflich lachen, als sie das hoerte.

Wir unternahmen am Morgen noch eine Flussfahrt, die andere Richtung des Flusses hinunter, diesmal mit einem Motorboot. Das war leider weit weniger romantisch als am Mittwoch.

Dabei umfuhren wir den Elephantenfelsen, der an einen mit dem Ruessel saufenden Elephanten erinnern soll:

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Ausserdem sahen wir noch Reste von der Stadtmauer und weitere Berge:

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Unterwegs erspaehten wir eine Pagode auf einem Berg am Ufer, und wir liessen uns danach dort hinfahren.

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Es war auch eine Touristenattraktion, mit einer kleinen Grotte und einem Berg mit Loch. Die Taxifahrerin schleppte uns natuerlich zuerst zu einem Mineraliengeschaeft. Die Steine waren kitschig und ueberteuert. Die Grotte war aber ganz nett, mit etwas kitschiger farbiger Beleuchtung:

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Stimmumg kam auf, als es einen kompletten Stromausfall in der Grotte gab – es war zappeduster und die Fuehrerin (wir waren in eine kleinen Gruppe < 20 Personen) riet zur Ruhe und meinte, es haette eh schon keinen Strom heute gegeben, der (Not-)Generator, den sie dann angeschmissen haben, habe wahrscheinlich kein Benzin mehr. Das trug natuerlich sehr zur Beruhigung bei :-) aber nach einigen Minuten gab es wieder Licht.

Wir kletterten dann auf den Berg mit dem Loch und liefen danach zu Fuss zur Pagode:

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Der Aufstieg war etwas beschwerlich, aber es gab immerhin Treppenstufen:

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Die Pagode war dann viel kleiner, als sie von der Ferne aussah, und auch nicht weiter zu besteigen.

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Nach ein paar Lammfleischspiesschen und suess-sauren Rippchen trafen wir uns mit der Taxifahrerin und fuhren zurueck zum Hotel. Die restliche Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir am Swimmingpool. Es war herrlich! Eigentlich wollte sich der Geschaeftsfuehrer von gestern abend noch mal melden, aber es war uns auch egal, da die beiden von den Triaden eh die ganze Guangxi-Provinz uebernehmen wollten.

Abends meldete der Liu sich bei uns und lud uns zum Kaffee ins Sheraton Hotel um 20:30 Uhr ein. Es war ein sehr luxerioeses Hotel, das bereits seit den 80er Jahren existiert. Der Wang hatte sich in ein schwarzes Gewand geworfen und sah umsomehr nach Triade aus, ganz in Schwarz mit seinem weissen Perlenarmband.

Wir tranken in Ruhe Cappuccino, ohne ein Wort uebers Geschaeft zu verlieren. Wang murmelte nur was von dem Schicksal, welches uns zusammengefuehrt habe. Nebenbei machte er uns mit einem Freund bekannt, dessen Frau das Hotel leitet – er betonte deutlich seine guten Kontakte und zahlreichen Verbindungen. Zum Schlusss lud er uns zu einem Sushi-Essen am naechsten Mittag ein.

Nach dem Kaffee verabschiedete sich Wang von uns, Liu wollte noch mit uns spazierengehen und uns die „Zwei Fluesse und Vier Seen“ zeigen. Es war eine schoene Abendpromenade, und auf dem Weg stiess seine Frau noch zu uns. Sie arbeitet bei der Polizei, und wir liefen noch zu einem Cafe, wo wir Milkshakes und Softdrinks tranken. Ganz ostentativ gab sie ihrem Mann (Liu) einen Passierschein, den sie fuer einen seiner Freunde besorgt hatte. Jaja, diese Triaden! Nebenbei bemerkte sie noch zu Quanbo, dass sie sich ja solche Sorgen um einen Freund gemacht hatte, der Liu Geld geschuldet hatte. Das sei eine ernste Sache, und sie hatte ihren Mann angerufen, um zu erfragen, ob denn das Geld eingetroffen sei. Sie war um ihres Freundes wegen ganz erleichtert, als ihr Mann ihr bestaetigte, dass das Geld eingetroffen war. Wieder fuehlten wir uns in eine Fernsehfolge der Sopranos versetzt…

Liu ist 35 und seine Frau etwa Anfang 30. Die beiden waren eigentlich sehr nett, wir plauderten ueber verschiedenes und luden sie auch zu uns nach Shanghai ein. Es war schon ein etwas merkwuerdiges Gefuehl, zwei nette Leute kennenzulernen, die modern und aufgeschlossen sind, aber irgendwie Verbindungen zur Mafia (den Triaden) haben.

Zum Abschluss des Abends, gegen Mitternacht, luden sie uns noch zu einem Essen in einer kleinen Imbissbude ein, wo es die traditionelle, typisch Guiliner Spezialitaet, Reisnudeln mit Pferdefleisch gab.

Bericht von Guilin – Donnerstag (26. Juli)

August 1, 2007

Unser erster Termin war um 10.00 Uhr, wir hatten bis ca. halb neun ausgeschlafen und im Hotel reichlich gefruehstueckt. Der Alkohol-Laden war einer der groessten von denen, die wir am Vortag gesehen hatten, und sah sehr vielversprechend aus: zahlreiche Reisschnaepse, teure Weine, billige Weine, Cognacs, Whiskies etc. Trotz ziemlicher Hitze (etwas weniger als in Shanghai, aber trotzdem beachtlich) hatte ich mich in meinen Anzug gequaelt, und Quanbo hatte sich ein gutes Kleid angezogen. Gestern war der Chef nicht da gewesen, aber seine Angestellten hatten ihn angerufen und er sollte heute kommen.

Kurz nach uns traf er auch ein, zusammen mit einem etwas aelter aussehenden Chinesen, den er extra unseretwegen mitgebracht hatte. Es gab keinen Strom, wofuer er sich entschuldigte, also auch keine Klimaanlage. Gestern gab es zwar Strom, dafuer aber kein Wasser. Man kann halt nicht alles haben!
Waehrend Quanbo erzaehlte und uebersetzte, goss ich beiden verschiedene unserer franzoesischen Likoere ein. So etwas kannte man hier ueberhaupt nicht; als wir gestern da waren, dachten die Angestellten, wir wuerden Obstwein verkaufen.

Ich fing an mit Creme de Fruits de Bois, Creme de Peche, folgte mit Liqueur de Rose, Liqueur de Violette (alle ca. 22-25% Alc. Vol.), um dann mit haerteren Sachen Triple Sec, Liqueur de Mandarine und Royal Combier (38-40%) abzuschliessen. Zwischendurch uebersetzte Quanbo meine Erlaeuterungen und erzaehlte selber ein wenig von Combier in Frankreich. Die beiden Chinesen waren begeistert! Der aeltere, der vom Ladenbesitzer hinzugezogen worden war, stiess irgendwann einen wuesten chinesischen Fluch hervor, gefolgt von “Das schmeckt ja immer besser!” Da wussten wir, dass wir sie “am Haken” hatten. Ziemlich schnell brachen der aeltere dann das Gespraech ab und meinte, es sei ja zu unhoeflich von ihnen, uns in der Hitze in ihrem Klimaanlagelosen Geschaeft sitzen zu lassen. Er fragte, wo wir wohnten, und unsere Hotelwahl sties wohl auf seine Zustimmung, denn er lud uns spontan zum Essen in selbigem Hotelrestaurant ein. Er meinte, am Abend koenne man dann viel angenehmer ueber Geschaefte reden.

Wir verliessen das Geschaeft mit gemischten Gefuehlen: die beiden sahen nicht besonders vertrauenserweckend aus, und wir wussten von Betruegern, die probieren, etwaige Geschaeftspartner beim Essen zu ueberrumpeln und von ihnen spontane Bestechungsgelder zu fordern. Nach allem, was wir von Guilin wussten, wollten wir auf der Hut sein. Die beiden hatten nicht einmal gefragt, wie teuer wir eigentlich diese Likoere verkaufen!

Als naechstes gingen wir in ein Alkoholgeschaeft, dessen Besitzer sehr jung war. Ihm schmeckte die Crème de Peche nur so leidlich, der Royal Combier gar nicht. Mehr probierte er auch nicht, er hatte kein Interesse, empfahl uns aber einen anderen Laden, der 85% aller Bars beliefert, sowie einen klassischen Weinladen. Bei dem ersten Laden war der Besitzer nicht da, wir wollten dann spaeter probieren, ihn zu erwischen.

Der zweite Laden war ein richtiges kleines Weingeschaeft, wie es in Europa auch nicht fehl am Platze gewesen waere. Sehr zivilisiert, ausschliesslich Weine (ein Armagnac war darunter) alles holzverkleidet, Korkenzieher und Glaeser (von Schott – ich dachte, die machen nur Laborglas?) im Angebot. Der Besitzer war ebenfalls nicht da, kam aber nach 10-15 Minuten extra noch mal, um uns zu treffen. Er probierte ebenfalls alles aus, und fragte gleich nach Preisen und gab Meinungen von sich, was sich dennn gut verkaufen lassen wuerde. Er wollte sich in den naechsten Tagen noch einmal bei uns melden, um zu sagen, was er genau gerne haette.

Dann war es schon 12 Uhr und wir fuhren ins Hotel zurueck – die Hitze machte in den formalen Klamotten schon ganz schoen zu schaffen, und der naechste Termin (gestern vereinbart) war erst um 4 Uhr. Wir brauchten auch noch einen langen Mittagsschlaf, um Schlaf nachzuholen. Mit dem Termin um vier wurde es erst gegen fuenf Uhr etwas, denn die Ladenbesitzerin hatte auch noch zwei weitere Leute hinzugezogen, und die konnten erst spaeter. Gluecklicherweise hatten wir vorher noch einmal angerufen und konnten im Hotelzimmer warten. Wir gingen dann auch in ein Nebengeschaeft, wo wir an einem der hier wohl typischen Teetische mit Tee bedient wurden, und den drei Leuten unsere Likoere anpriesen und zum Verkosten gaben. Auch hier schwang die Reaktion von Ueberraschung zu Enthusiasmus um, und sie liessen gleich noch einen ihrer Stammkunden probieren. Der war ebenfalls begeistert, und sie meinten, sie wollten gleich 20 Kartons (1 je Sorte) bestellen. Sie haben fuenf Geschaefte in Guilin und damit gute Vertriebmoeglichkeiten, wollten aber auch einen Exklusivvertrag bekommen.

Das Gespraech mussten wir dann gegen sechs beenden, denn dann riefen die beiden morgendlichen Gestalten (der juengere heisst Liu, der aeltere Wang oder Huang – bleiben wir mal bei Wang) an, sie seien schon im Hotel, obwohl wir erst fuer halb sieben verabredet waren. Wir taten, was wir konnten, waren aber auch erst um halb dann im Hotelrestaurant.

Dort stellten wir sogleich fest, dass die beiden ein Einzelrestauranzimmer gebucht hatten, d.h. einen grossen Runden Tisch in einem Extraraum. So etwas ist normalerweise auch immer extra teuer. Die beiden schienen nett, aber etwas nervoes, und insbesondere der aeltere, Wang, sah wie ein Verbrecher aus. Ich hatte vorher schon zu Quanbo gesagt, dass ich lieber mit denen vom Nachmittag, die serioes erschienen, Geschaefte machen wolle als mit Liu und Wang. Wang meinte, er haette sich nicht so schick anziehen koennen, denn er musste auf dem Land noch etwas erledigen. Quanbo machte etwas Konversation, aber die beiden schienen auch etwas gehemmt zu sein (nanu?) und das ganze kam nur langhsam ins Laufen. Das Essen wurde serviert, und wir sahen, dass die beiden sich nicht hatten lumpen lassen; es gab gute Gerichte, aber auch nicht zu viele oder zu grosse Portionen. Wang meinte ganz unvermittelt, wir muessten keine Angst haben, dass sie uns auf der Rechnung sitzen lassen wuerden und abhauen wuerden, sie seien ja schliesslich nicht bei den Triaden. Sehr beruhigend, dachten wir uns! Spaeter kam dann noch einmal die unaufgeforderte Mitteilung, dass sie nicht bei den Triaden seien. Zwischendurch erzaehlte uns Wang von seinen frueheren Geschaeften, wie er frueher an der chinesisch-vietnamesischen Grenze ueber einen nur 20 m breiten Grenzfluss bedrohte Tierarten geschmuggelt habe, er erzaehlte, dass er viele einflussreiche Persoenlichkeiten in der ganzen Guangxi Provinz kenne, und dass er viel Reis und Geld an die buddhistischen Tempel spende. Dann meinte er, er sei ja nicht bei den Triaden, das sei er frueher gewesen, aber jetzt halt nicht mehr. Ihr koennt Euch sicher vorstellen, wie sehr uns diese Zusicherung beruhigt hat!

Das Essen war nett und unspektakulaer (Garnelen, zartes Rindfleich am Knochen, etc.) bis auf eine Suppe, wo die beiden gleich meinten, wir sollten sie probieren. Sie kam in einer goldenen Schuessel mit Deckel, was sofort meinen Verdacht erregt hatte und war irgendwie schleimig. Ich ueberlegte noch, ob es Vogelnest- oder Haifischflossensuppe gewesen sein mag, als Quanbo waehrend des Gespraechs dann blasser wurde und mir folgendes uebersetzte: “Diese Suppe,… weisst Du, so ein Tier, aehnlich wie ein Frosch, aber weiter noerdlich in kaelteren Gegenden lebend, davon etwas aus der Gebaermutter – das war die Suppe!” Wir waren beide der Meinung, dass das deutlich mehr Informationen waren, als wir eigentlich wissen wollten, und verzichteten darauf, eventuellen biologischen Ungereimtheiten (Gebaermutter bei einem Frosch? WTF?) weiter auf den Grund zu gehen.

Gegen Ende des Essens teilte die Kellnerin uebrigens Wang mit, dass ein anderer Gast, der zufaellig auch in dem Restaurant war, seine Rechnung uebernommen haette. Ach ja, und bei dem Essen erreichte Wang noch ein Anruf von jemandem, der unbedingt wollte, dass er in sein Geschaeft mit einsteige, aber Wang lehnte ab, denn es war zu weit auserhalb der Provinz und Wang haette keine Zeit, sich richtig dem Geschaeft zu widmen. Liu meinte zwar gleich, Wang solle doch einfach mitmachen und das viele Geld einstecken, aber Wang meinte, das sei “unmoralisch”. Ueberhaupt hatte Wang einen ziemlichen Fimmel mit buddhistischen Weisheiten und Gefasel von “Schicksal, das uns zusammengefuehrt hat” und wir wurden aus der ganzen Sache nicht so recht schlau.
Ueber unser Geschaeft hatten wir waehrend des Essens fast gar nicht geredet. Es war so eine diplomatische Geschichte, und es schien, als legten die Chinesen mehr Wert darauf, uns kennezulernen und ein wenig abzutasten. Sie meinten, sie wuerden uns am Freitag dann anrufen.

Als Quanbo und ich zu Bett gingen (wir hatten es ja nicht weit), diskutierten wir darueber, ob es weise sei, Geschaefte mit der Mafia zu machen. Meine Meinung war, dass es garantiert nicht weise ist, Geschaefte ohne/gegen die Mafia zu machen. Wir fuehlten uns ein wenig wie in einer Sopranos-Folge. Unsere (naive?) Vostellung ist: “Solange man Ihnen kein Geld schuldet und sie einen guten Gewinn einstreichen, kann man mit ihnen wunderbar Geschaefte machen.”