Neben dem Tischler arbeitet bei uns ein Maurer-Ehepaar. Die beiden sind leider nicht annaehernd so fleissig, sorgfaeltig und pflichtbewusst wuie der Tischler. Sie haben keinen Sinn fuer sauberes, korrektes Arbeiten, und wir muessen dauernd aufpassen, dass sie nicht unsere Steien ruinieren. Trotzdem, mit einigem In-den-Hintern-treten und anfeuern schaffen wir es, dass sie unsere Vorstellungen realisieren.
Wir mussten einige Fenster ersetzen die so undicht waren, dass der Wind hindurchpfiff, aber Fenster, wie sie in Deutschalnd ueblich sind werden hier nicht hergestellt. Es gibt importierte Fenster aus Deutschland und Italien, diese sind aber unglaublich teuer. Wir konnten einige Ausstellungsstuecke billig bekommen, mussten dazu aber die Fenstergroessen in der Mauer etwas verkleinern. Junge, gab das einen Krach mit der Verwaltung!! In China ist so etwas wohl wirklich, wirklich tabu, und wir haben uns den Mund fusselig geredet, bis die endlich Ruhe gegeben haben. Rueckblickend kann man sagen, dass die Verwaltungsleute vor allem kraeftig bestochen werden wollten, wir aber einerseits zu naiv waren, die deutlichen Andetungungen zu verstehen, andererseits auch keine Lust hatten, mehr als ein paar Schokoladengeschenke (Ritter Sport aus der hisigen Carrefour-Filiale) zu machen.
Das ganze war deshalb so nervenaufreibend, weil immer wieder gemurmelt wurde, es wuerden Maenner von der Stadtverwaltung kommen, die einfach alles wieder kaputthauen wuerden. „Unfug,“ wollte ich sagen, „wir leben in einem Rechtsstaat!“, aber dann fiel mir ein, wo wir sind und ich hielt den Mund. Aber nach Gespraechen mit Bekannten kam heraus, dass es zwar schon so rabiate Methoden von den staedtischen Behoerden gibt, man aber vorher einen Bescheid mit Frist bekommt, und nicht einfach ohne Vorwarnung zugeschlagen wird. Wie beruhigend!
Der Mann, von dem wir die Fenster gekauft haben, meinte dann, er haette noch nie eine Verwaltung erlebt, die so wie unsere schlussendlich zugelassen haette, dass man die Fenstergroesse veraendert. Jedenfalls haben wir jetzt vier neue Fenster und eine neue Terassentuer.
Das Problem war aber nicht nur die Verwaltung, sondern auch die beiden Maurer (um wieder zum Thema zu kommen).
Zuerst haben wir in Shanghai nur grosse, langweilige weisse und kitschig-bemalte Fliesenplatten gefunden. Dann aber entdeckten wir die Yishan-Strasse, wo es eine riesige Ansammlung von Baumaterial-Geschaeften gibt:
Dort fanden wir viele chinesische Firmen, die mit grossem Eifer italienische Mosaikfliesen kopieren. Waehrend Bisazza aus Italien 300-700 Euro je Quadratmeter fuer seine Kacheln verlangt, produzieren die Chinesen in Laeden gleich daneben das gleiche Material fuer 2-10% des Preises. Sogar die Muster werden schamlos kopiert. Das scheint hier gang und gebe zu sein. Ein Glastisch, der im Berliner Stilwerk fuer 3000 Euro ausgestellt war gibt es hier in exakt identischer Ausfuehrung fuer weit unter 10% des Preises. Jedenfalls konnten wir da nicht widerstehen und haben uns hier ein paar schoene Muster und Steine ausgesucht.
Ein regulaeres Zimmer in unserer Wohnung haben wir zu einem Bad umgewandelt (gab uebrigens auch deswegen Aerger mit der Verwaltung und mit den Nachbarn unter uns – fragt besser nicht!) damit wir eine grosse Badewanne unterbringen konnten. Wir haben das Zimmer dann in einem Farbuebergang von Blau nach Weiss mit 2 cm x 2 cm grossen Fliesen bedecken lassen, der an Meer erinnern soll.
Die weisse Wand hinter der Badewanne ziert inzwischen ein Mosaik-Bild, aber das bekommt ihr erst zu sehen, wenn ihr uns besucht
In dem urspruenglichen kleinen Raum daneben kommt dann eine Toilette und ein Waescheschrank; wir haben fuer den Boden und den blauen Wandstreifen Porzellan-Fliesen genommen, es aber sonst schlicht gehalten, denn es soll noch ein kleines Porzellan-Waschbecken und -Dekor hinein, dass ich von meiner Grossmutter geerbt habe.
Unser Kamin ist ja schon vor einigen Wochen fertig geworden; es muss nur noch der „Schornstein“ gestrichen werden:
Und a propos Gaeste – wir haben im 2. Stock ein Gaestezimmer mit eigenem Duschbad und mit Terasse fuer Besucher vorgesehen. Dies ist ein Blick aus dem Zimmer (ein toter Kleiderschrank ist schon drin), geradeaus die Terassentuer, links das Bad, hinten rechts (nicht zu sehen) die Tuer zum Gaestezimmer.
Das Gaestebad hat auch eine Mosaikwand:
Dies ist ein Blick auf die „Gaesteterasse“. Wir ahben die Wand mit zwei Mauerreihen etwas erhoehen lassen, um Pflanzen pflanzen zu koennen – welche, wissen wir noch nicht.
Ja, das Photo zeigt bei diesigem Wetter ein ziemliches graues Stadtpanorama. Schanghai ist eine Grossstadt, vielleicht sogar die Grossstadt des 21. Jhdts, aber ganz so grau ist sie nun auch nicht. Vielleicht haben Euch die Photos ja schon ein wenig neugierig auf den Rest der Wohnung gemacht – wir hoffen, dass Ihr uns ab Herbst besuchen kommt. Die Wohnung wird in den naechsten 30-40 Tagen fertig, dann ist es aber sehr heiss und schwuel hier. Ab September freuen wir uns ueber jeden, der uns, Schanghai, und China besuchen kommen will.