Liebe Freunde,
sorry, dass wir uns wieder mal soooo lange nicht gemeldet haben! Es ist so anstrengend, jeden Tag stundenlang auf die Handwerker aufzupassen, denen gut zuzureden, mit ihrem Chef zu verhandeln, mit der Verwaltung rumzuschlagen, auf Lieferungen zu warten etc., so dass der Tag schon gelaufen ist, wenn ich zu meinen Eltern nach Hause komme und Horst von der Uni. Heute haben wir ein wenig Luft und berichten, was wir in den letzten zwei drei Wochen aus der Wohnung gemacht haben:
Der Kamin aus weissem Mamor ist so gut wie fertig und steht stolz in unserem Wohnzimmer. Der 5 Meter lange Schornstein aus Edelstahl versteckt sich unter einer dicken Isolierschicht, macht kurz unter unserer Wohnzimmerdecke einen schraegen Bogen nach aussen und guckt aus dem Loch im Terassendach, das wir in einer hecktischen Nachtaktion hatten bohren lassen, ohne dass die Verwaltung davon Wind bekommen hatte. Nun warten wir nur noch darauf, dass sich das Silikonzeug zwischen den Mamorplatten trocknet, dann kann die Isolierwand endlich gestrichen werden. Am naechsten Tag bekamen wir den erwarteten Besuch von der Verwaltung, die zwei Maenner guckten sich alles genau an, fragten mich, ob wir tatsaechlich Holz im Kamin verbrennen wollten und notierten in ihrem schlauen Buch, dass wir ein regulaeres Schlafzimmer in ein Badezimmer umgewandelt und die Aussenwand mit unserem Schornstein veraendert haetten. Ich wurde gebeten, ins Verwaltungsbuero mitzugehen und eine Verwarnung abzuholen. Es war sehr nervig, sich stundenlang anhoeren zu muessen, wie schlimm es sei, was wir aus unserer Wohnung gemacht haetten blablabla, aber schlussendlich sei es ihr Job, mich zu verwarnen, sonst koennten sie ihre Posten verlieren blablabla. Zusammengefasst: wir sollten weitermachen, was wir vorhatten, die Verwaltung hatte ihren Job getan, mir eine Verwarnung zu geben und eine Kopie an die Stadtverwaltung weiterzureichen. Wir hatten uns erkundigt, es sei sehr unwahrscheinlich, dass die Stadtverwaltung so viel Zeit haette, um sich um soche Dinge zu kuemmern. Nun hoffen wir das beste, dass wir unser Badezimmer und unseren Kamin behalten koennten:-)
Vor etwa einer Woche war der Maurer mit seiner Frau angekommen. Sie arbeiteten im Team: die Frau mischte den Zement, der Mann mauerte. Die beiden hatten schon ein wenig Erfahrung mit Mosaik, hatten aber noch nie zuvor so viel Flaechen auf einmal verlegen muessen. Wir hatten teuren Mosaikkleber besorgt, der viel besser als Zement binden sollte. Am Anfang war der Maurer ein wenig skeptisch, nach einigen Quadratmetern fing er an, den Kleber zu lieben. Wir hatten die Idee, das Bedezimmer wie ein Meer aussehen zu lassen: Eine Wand mit einem schicken Korallenmotiv, die anderen drei Waende und der Boden ganz in einem Uebergang, unten gruen-dunkelblau, oben weiss-hellblau. So entstand erstmal die obere Haelfe des „Meeres“, der Rest folgt, sobald die 1,70 Meter lange Badewanne eingemauert ist!
Da wir uns keine Massagebadewanne geleistet hatten, wollten wir wenigstens eine Massagedusche haben. Sie sah todschick aus und war sogr teurer als die Badewanne! Nachdem wir das Geld vor vier Tagen bezahlt hatten, kam vorgestern die Lieferung, der Lieferant war in Hektik, sagte, dieses Produkt brauchte nicht nachgeprueft zu werden (was sich eigentlich gehoerte!) und ich solle bloss unterschreiben, dass ich die Ware erhalten haette, er muesse gleich los, da er noch viele Waren liefern muesse. Ich hatte Mitleid mit ihm, glaubte ihm sogar und unterschrieb blind. Kaum war er aus der Tuer, machte ich die Verpackung auf: drei Dellen auf der Duschstange! Ich rief den Typ an und bat ihn zurueckzukehren. Er hatte angeblich keine Zeit, versprach mir aber, die Dusche in zwei Tagen auszutauschen. Am naechsten Tag kam sein Anruf, dass er nicht so einfach eine neue Dusche vom Lager nehmen duerfe und ich die Servicestelle anrufen solle, falls es ein Qualitaetsfehler sei, koenne ich dann die Dusche austauschen. Nach einigen Anrufen hatte ich endlich erreicht, dass jemand von der Servicestelle tatsaechlich am selben Tag kam. Er hatte einige Photos gemacht und meinte, es sei kein Qualitaetsfehler und die Dellen seien vom aeusseren Druck entstanden, in anderen Worten, ich hatte Pech gehabt. Ich gab nicht zufrieden, rief beim Lieferant noch mal an. Er behauptete ploetzlich, er sei nicht mal in meiner Wohnung gewesen! Ich war entsetzt und liess nachpruefen, dass dieser Idiot tatsaechlich derjenige war mit der entsprechenden Handy-Nummer. Ich rief bei der Beschwerde-Nummer an und wurde leider nicht weitergeholfen, also rief ich zum Schluss im Lager an, um de dortigen Chef zu sprechen. Der sei angeblich verreist… Ich hatte die Nase so voll und rief noch mal im Laden an, in dem ich die teure Dusche gekauft hatte. Die einzige Loesung war, mit der kaputten Dusche zum Lager zu fahren. Horst war entsetzt, da wir den Samstag nicht damit ruinieren wollten, aber es musste sein. Das Lager war etwas ausserhalb, die Taxifahrt hatte uns ca. 10 Euro und eine Stunde gekostet. Wir stiegen aus, sofort hatte Horst die Aufmerksamkeit aller Arbeiter auf sich gezogen. Sie sahen die Dusche, bestaetigten die Dellen und holten dann eine brandneue Dusche aus, die Horst dann sorgfaeltig nachgeprueft hatte. Die stellvertretende Chefin meinte, in unserem Fall wuerde sie eine Ausnahme machen, da Horst Auslaender sei, sie habe sonst noch nie etwas direkt vom Lager aus ausgetauscht, es sei immer die Aufgabe der Servicestelle gewesen blablabla. Sie bat sogar an, uns nach Hause zu fahren. Super! Diese Aktion war zwar nerfig, hatte uns einen ganzen Samstagvormittag gekostet, aber wir hatten eine perfekte Dusche bekommen.
Was uns von Anfang an in der Wohnung gestoert hatte, waren einige Schiebefenster und eine Schiebetuer, die waren undicht und sahen haesslich aus. Schon seit Februar nerven wir die Verwaltung, dass sie repariert oder ausgetauscht werden sollten. Derjenige, der dafuer zustaedig war, war ein paar Male gekommen, aber die Fenster blieben genau so undicht wie vorher. Er behauptete, so seien chinesische Fenster halt, wir koennten vergessen, dass die Verwaltung sie austauschen liesse. Seitdem waren wir auf der Suche nach einem guten Fenstermacher und hatten sogar einen gefunden. Seine Fabrik sitzt in Harbin, der Stadt im Norden, wo es jedes Jahr eine Ausstellung mit wunderschoenen Eisskulpturen gibt. Da die Fenster mit deutscher Technik hergestellt werden, sind die Preise entsprechend teuer – 2100 Yuan pro Quadratmeter fuer Fenster und 2500 Yuan fuer Tueren. D.h. unsere drei Fenster und eine Tuer wuerden insgesamt 22,000 Yuan kosten! Gluecklicherweise hatte der Fenstermacher ein paar Musterstuecke uebrig, die er nicht mehr brauchte und an die Fabrik zurueckschicken wollte. Er bat uns die zum Sonderpreis an. Juhu! Das Problem war nur, dass wir die Wandoeffnung fuer die drei Fenster und eine Tuer den Musterstuecken entsprechend verkleinern muessten und wieder Aerger mit der Verwaltung verursachen wuerden. Aber die Musterfenster sahen super aus und dem Aerger auch wert. Also liessen wir die alten Fenster und Tuer rausreissen und die Loecher kleiner machen. Sofort hatten wir Besuch von der Verwaltung bekommen: So ginge es doch nicht blablabla. Ich hatte zwei Stunden lang mit den Leuten diskutiert und nichts erreicht. Am naechsten Tag war ich mit Horst hingegangen: Die Beamten sahen „den Auslaender in unserem Wohnblock“ und waren super freundlich und liessen sogar zu, dass wir unsere Fenster austauschen! Ich sage nur noch Eins: naechstes Mal, wenn ich wieder Aerger mit der Verwaltung bekomme, lasse ich Horst vom JI mit einem Hubschrauber kommen!