Ein Schock im neuen Jahr!

Januar 27, 2009 von quanbohorst

Als wir gegen vier von der Party (s.u.) zurueckkehrten, erwartete uns schon Quanbos Mutter, die auf Helena aufgepasst und zusammen mit dem Vater im Kinderzimmer geschlafen hatte. Sie hatte schon um halb drei probiert anzurufen, aber im Club haben wir nichts gehoert, und Quanbo hatte, als sie die Meldung des ersten Anruf auf dem Handy sah, nur eine SMS zurueckgeschickt. Das war auch ganz gut so, denn wir haetten eh nichts mehr machen koennen: anscheinend war auf unserem kleinsten Balkon ein Silvesterboeller gelandet, und hatte unser lagerndes Kaminholz in Brand gesetzt. Was mal so aussah:

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sieht jetzt so aus:

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Die Eltern berichteten, dass Argos sie gegen 2 Uhr nachts geweckt hatte, weil die Feuerwehr laut an unsere Tuer polterte und offenbar kurz davor war, sie aufzubrechen. Bei dem ganzen Geboellere hatten sie selbst nichts gehoert, bis der Hund sie mit lautem Gebell weckte. Die Feuerwehr loeschte dann schnell den Brand, zwei Verwaltungswachleute murmelten noch, wir haetten halt *wie alle Chinesen) unseren Balkon als Wintergarten zubauen sollen, und das war’s, zumindest bis wir dann kurz vor vier nach hause kamen.

Ausser dem offensichtlichen Sachschaden ist Gottseidank nichts passiert, aber wir hatten natuerlich gestern mit der Gebaeudeverwaltung ein gehoeriges Huenchen zu rupfen. Wir hatten grosses Glueck, dass die Terassentuer (20 cm neben dem Feuer) nicht im mindesten beschaedigt wurde. Nicht auszudenken, was passiert waere, wenn ein Tuerfenster zerborsten und die Gardinen mitsamt Parkettboden Feuer gefangen haetten! Von dem verbliebenen Holz (dass uebrigens schon sehr feucht geliefert worden war; in unserem Kamin hat es viel zu sehr geraucht, so dass wir es eigentlich fuer den naechsten Winter lagern wollten) und den Brandschaeden her zu urteilen, musste das Feuer mindestens zwei Stunden lang gebrannt/geschwehlt haben.

Am Nachmittag waren wir dann bei dem Verwaltungschef (mittags waren wir wgn. Quanbos Geburtstag noch bei den Eltern zum Essen, morgens haben wir erst einmal ein wenig ausgeschlafen). Wir wollten wissen, warum keiner der patroullierenden Waechter den Brand gesehen hatte (ein Nachbar hatte gegen 2 die Feuerwehr alarmiert) und warum ueberhaupt so nah an uneren Haus (2 meter von der Hauswand; die leeren Kartuschen waren ueberall verteilt) ein Feuerwerk (das in Shanghai ohnehin verboten ist) abgebrannt werden konnte.

Wir bestanden auf einer vollstaendigen Ersetzung des Schadens. durch die Verwaltung. Der Chef kam mit hoch und schaute sich das an und war anscheinend entsetzt, dass wir keine eigenen Strom-, Wasser oder Gasleitungen verlegt hatten (die meisten Chinesen machen das), denn er hatte schon auf dem Weg gemurmelt, vielleicht sei ja gar kein Boeller, sondern ein Kurzschluss verantwortlich. Das haette ihm so gepasst, dann haette er die Schuld auf uns abwaelzen koennen! Ausserdem meinte er, in dem Aussenbezirk, wo wir lebten, sei Feuerwerk doch erlaubt. Der letzte Waechter haette um 1:40 seine Runde gedreht, da sei noch nichts gewesen, und ausserdem haetten sich die Waehter groesstenteils auf die Erdgeschosswohnungen und die Wiese in der Mitte des Wohnblocks konzentriert.

Obwohl er jede Schuld oder Mitverantwortung von sich wies, erklaerte er sich bereit „sein Bestes zu tun“ um uns den Schaden kostenlos zu ersetzen. Das stimmte uns schon ein wenig verdaechtig, denn eher quetscht man Wasser aus Stein als Zugestaendnisse aus unserer Verwaltung. Bei dem Brand war die Balkonleuchte verschmort, und als ich (um 4 Uhr nachts geschockt und ohne nachzudenken) den Schalter betatetigt hatte, hatte es uns die gesamte Elektrik im Erdgeschoss durchgebrannt. Der Chef sagte zu, uns den Verwaltungselektriker sofort vrbeizuschicken. Dieser kam dann auch 20 Minuten spaeter.

Und was der uns erzaehlte!! Der wirkliche Ablauf, den der Chef entweder noch nicht kannte (er war am Abend zuvor nicht vor Ort und offensichtlich stark verkatert, als wir gegen 17:00 Uhr mit ihm redeten) oder uns bewusst vorenthalten hatte sei folgender: Gegen Mitternacht, also 2 Stunden vor dem Loeschen, sei die Feuerwehr schon einmal angerueckt, weil jemand einen Brand auf unserer Terasse gemeldet hatte (das war vermutlich derjenige, der die Rakete abgefeuert hatte). Doch die Feuerwehrtuer, die direkt gegenueber unserer Wohnung und dem brenennden Balkon ist, war verschlossen. Daraufhin sei die Feuerwehr zum Haupttor, wo man sie nicht hineingelassen habe. Der Waechter haette abgewiegelt, es seien ja so viele Boeller hier im Einsatz, das sei sicherlich ein Irrtum oder ein uebermaessig hysterischer Nachbar gewesen. Daraufhin ist die Feuerwehr wieder abgezogen! Stattdessen habe man dann den Verwaltungselektriker (der auch als Hausmeister und Maedchen fuer alles arbeitet) angerufen, er moege doch (an seinem freien Abend) vorbeischauen und selber gucken, ob bei uns was waere.

Von unten konnte er bei uns nichts sehen, und hat auch nichts getan. Er blieb noch bis 2 Uhr im Wohnkomplex, aber kummerte sich nicht weiter darum. Die Verwaltung hat

1) die Feuerwehr um 12:00 Uhr weggeschickt

2) Quanbo nicht angerufen (die Tel. Nr. liegt extra fuer solche Faelle bei der Wache bereit)

3) nicht an unserer Tuer geklingelt der probiert, Quanbos Eltern in der Wohnng zu alarmieren

Zusaetzlich kommt hinzu, dass wir uns noch im Dezember mit der Verwaltung gefetzt hatten (und gedroht hatten, die Verwaltungsgebuehren einzubehalten), eben weil die Feuerwehrtuer versperrt war und weder fuer die Allgemeinheit noch fuer die Feuerwehr zu benutzen. Man hat uns damals zugesichert, dass sie m Brandfall mit einer Axt sofort aufgebrochen werden werde. Um des lieben Friedens willen hatten wir uns im Dezember mit einer Zusicherung, im Februar wuerde das System verbessert, zufrieden gegeben.

Ausserdem haben wir heute erfahren, dass Feuerwerk zwar in unserem Bezirk gestattet ist, aber niemals nie innerhalb eines Wohnkomplexes, sondern allenfalls auf Strassen und oeffentlichen Plaetzen verwendet werden darf.

Kein Wunder, dass die Verwaltung so schnell eingelenkt hat, uns den Schaden zu ersetzen. Das ganze wird noch ein intensives Nachspiel haben! Und natuerlich planen wir jetzt Feuer- und Hausratsversicherungen, die wir bisher vernachlaessigt hatten. Ach Rauchmelder werden installiert, warscheinlich gekoppelt an eine amerikaniche private Wachfirma, von der wir eh schon eine Alarmanlage kaufen wollten. Auf die Reaktion der Verwaltung in einem Notfall werden wir uns dnn nie wieder verlassen muessen.

Jahr des Stiers

Januar 26, 2009 von quanbohorst

Gestern war chinesisches Sylvester, d.h. heute, am 26. Januar, beginnt das Jahr des Stiers. Wir wollten das natuerlich gebuehrend feiern, und haben so ein sehr fruehes Essen mit Quanbos Eltern gehabt (spanisches Fondue) um dann gegen 22 Uhr in einen Club zu fahren. Natuerlich ist der Uebergang ins Neue Jahr eine sehr foermliche und ernste Angelegenheit, deren angemessene Zelebrierung das persoenliche Glueck in der folgenden Zeit beeinflussen kann. Mit Jahrhunderte alten Traditionen soll man nicht spassen. Deshalb haben wir uns nach einer dem Anlass angemessenen langen Bedenkzeit fuer folgende Party entschieden:

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(Siehe auch www.spanksh.com.)

Natuerlich musste auch ein passendes Outfit her, und da wir vor kurzem einen entsprechenden Markt in Shanghai gesehen hatten (es gibt in Shanghai fuer alles einen Markt: Voegel- und Blumenmaerkte, Brillenmaerkte, Gardinenmaerkte, Klamottenmaerkte, Heiratsmaerkte usw., usw.) war auch das kein Problem, zumindest fuer Quanbo:

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Ich hatte leider kein so tolles Kostuem :-( Weitere Photos von der Party bei www.citymoments.cn. Es gab am Eingang als „Neujahrsgeschenk“ auch fur jede(n) einen Flogger; eine etwas billige Ausfuehrung, aber fuer so eine Party durchaus ausreichend ;-) Insgesamt hatten wir viel Spass und sind um 4 Uhr wieder zurueck gewesen. Was uns dort erwartete, lest ihr im naechsten Beitrag…

Nur noch 2 Tage…

Januar 24, 2009 von quanbohorst

dann haben wir das Jahr des Stiers! JAJAJA, fuer uns heisst es endlich ein wenig aufatmen und eine Zwangspause einlegen:-) Horst und ich sitzen gerade in einem Starbucks-aehnlichen Teehaus und die Kellerin hat gerade unseren lauwarmen Kaffee bzw. Kakao noch einmal erwaermen muessen. Das ist mal wieder typisch chinesisch, aber was solls, dafuer leben wir hier!

Heute morgen hat mein Onkel mit seinem Firmenauto, dessen Kofferraum voll mit Feuerwerkskorpern gestopft ist, uns, Helena und meinen Eltern abgeholt und zu ihm nach Hause gebracht, denn heute ist der sogenannte „kleine Silvesterabend“. Mein Onkel ist ein sehr beschaeftigter Mann, das heisst in diesem Zusammenhang, dass er bereits vor Wochen wusste, dass er morgen, also am chinesischen Silvesterabend, an dem sogar die Supermaerkte und Kaufhaueser frueher schliessen, Ueberstunden machen muss. Gottseidank hatte ich meinen Onkel vor Wochen gefragt und daraufhin einen Tisch mit einem superpreisguenstigen Silvestermenu fuer 8 Personen fuer heute abend im Restaurant „Ye Shanghai“ bestellt, sonst haetten wir so kurzfristig bestimmt nirgendwo einen Tisch abgekriegt.

Mein kleiner Cousin Yueyue, der inzwischen zur Uni geht und ein junger Mann geworden ist, war schon sehr aufgeregt und war angeblich gegen 6 Uhr (morgens natuerlich!) schon wach, da meine Mutter ihm gestern abends bereits gesagt hat, dass Helena gegen heute mittag schon auftauchen wuerde. Immerhin ist Yueyue Helenas Onkel und muesste ihr Taschengeld zum Neujahr geben, was ebensfalls typisch chinesisch ist, denn er ist eine „Generation“ aelter, auch wenn er noch nicht so aussieht und angeblich immer noch keine Freundin hat:-)

Sobald Helena bei meinem Onkel angekommen ist, sind die Eltern so unwichtig wie nie zuvor, aber wir geniessen es! Wie zum Beispiel jetzt – wir koennen einfach abhauen, ohne uns grossartig bei meinen Verwandten zu entschuldigen, und in Kaufhaeusern troedeln, was schon einiges bei mir heisst:-) Keine Angst, unsere Horst liebenden Freunde – er hat sehr bequeme Schuhe an, auf jeden Fall ein wenig bequemer als meine Chanel Stiefel, handgefertigt von Billy Wang natuerlich!

Horsti sitzt also gerade mir gegenueber und lacht sich tot, selten genug, dass er Zeit findet, um in einen von seinen bei Amazon bestellten Rex Stout Krimi zu lesen. So, inzwischen ist mein Kakao wieder lauwarm geworden. Kein Wunder, draussen herrscht -6 Grad und Sonnenschein! Ich muss zusehen, dass ich Horst noch ueberrede, sich ein paar weitere Geschaefte mit mir anzuschauen, dann fahren wir zurueck zu meinem Onkel, holen die ganze Mannschaft ab und tauchen hoffentlich puenktlich gegen 19 Uhr in Ye Shanghai auf.

Bis zum naechsten Blogeintrag also! Wir wuenschen allen schon mal ein froehes neues chinesisches Jahr!

2009 wird wieder gebloggt…

Januar 23, 2009 von quanbohorst

haben wir uns ernsthaft vorgenommen, trotz allem Stress und sonstigen Widrigkeiten, die uns zuletzt davon abgehalten haben. Wenn so ein Blog einmal abreisst, ist es richtig schwierig, ihn wieder aufleben zu lassen, weil man so viel nachzuholen hat. Wir ignorieren das Problem erst einmal, und fangen einfach im Jetzt an.

Sicherlich warten einige von Euch schon gespannt auf Photos von Helena. Zu Weihnachten haben wir sie in ihren neuen Hochstuhl gesetzt:

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Natuerlich sind ihre Rueckenmuskeln noch nicht genuegend dafuer ausgebildet, so dass wir mit dem eigentlichen Einsatz des Hochstuhls noch ein wenig warten.

OK, dies wird wohl ein kurzer Eintrag. Kind ruft! Ich probiere, bald wieder was zu schreiben.

Nichts als Aerger

Oktober 1, 2008 von quanbohorst

Ich habe mir lange ueberlegt, ob ich es euch erzaehle, dass ich seit der Geburt der Kleinen sehr viel Stress mit meiner Mutter habe. Nun habe ich mich doch dafuer entschieden. Der folgende Text ist sehr ausfuehrlich und bringt bestimmt keinen Spass, durchgelesen zu werden. Aber wenn ihr ihn durchhabt, koennt ihr vielleicht verstehen, dass ich mich abreagieren muss.

Es gab bereits vor ungefaehr einem Monat Aerger mit meiner Mutter, kurz bevor ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde. Horst hat sich auf den Weg zur Deutschen Bank gemacht, um sich um unser Firmenkonto zu kuemmern. Ich war reichlich erschoepft, nachdem ich Helena gestillt hatte. Eine Krankenschwester hat Helena noch zugefuettert, da die Kleine immer noch Hunger hatte, wurde aber gerufen von einer anderen Patientin. Sie gab meiner Mutter das Kind, damit sie ihr auf den Ruecken klopfen sollte wegen Baeucherchen machen. Ich lag im Bett, konnte meine Mutter auf der Couch hinter einer Trennwand natuerlich nicht sehen. Zehn, fuenfzehn Minuten spaeter war Helena immer noch nicht in ihrem Bettchen, sattdessen hoerte ich jemanden leise fluestern. Ich stand also auf, ein wenig genervt, da meine Wunde noch wehtat, sah meine Mutter Helena klopfend auf dem Arm halten und sich mit einer fremden Frau unterhalten. Helena hatte Schluckauf, so dass ich sie wieder an die Brust legen musste, um den Schluckauf wegzukriegen.

Ich hatte es sowieso nie lustig gefunden, dass dauernd fremde Frauen, machmal sogar Maenner (!), einfach so in mein Zimmer reinschneiten, um nach dem „halb-auslaendischen“ Baby zu gucken. Meine Mutter liess auch noch mehr Leute rein und Helena stundenlang Schluckauf haben! Sie war wohl sauer, dass ich ihre neue Bekannte rausgeschmiessen habe, fing an, ununterbrochen von frueheren Zeiten  zu erzaehlen/jammern, wie schwer sie es denn doch haette, mich aufzuziehen bla bla bla. Ich bat sie, damit aufzuhoeren. Sie war dann auch noch beleidigt und sagte, es sei ihr gutes Recht, mir immer wieder von der Vergangenheit zu erzaehlen. Dann stand sie auf und sagte, ich moege doch mit Horst gemeinsam genauestens ueberlegen, ob wir sie am naechsten Tag (bei der Entlassung aus dem Krankenhaus) und dann beim Wochenbett brauchen wuerden, falls ja, duerfe ich nicht mehr in diesem Ton mit ihr reden. Dann ist sie nach Hause gegangen. Heh?

Meine Tanten und mein Onkel haben von diesem Vorfall erfahren und sich dazwischen geschaltet. Nach der chinesischen Tradition sollten sich sowieso die Eltern und Schwiegereltern mit ums Enkelkind kuemmern. Also habe ich mich mit meiner Mutter wieder versoehnt. So ging es eine Zeit lang relativ gut, dass sie fast jeden Tag kam, meine Einkaeufe erledigte und mit mir gemeinsam Helena badete und ihre Waesche machte. Ab und zu machte sie ein paar bloede Bemerkungen, um mich zu provozieren, aber ich habe immer weggehoert.

Dann kam der Ausflug zum Guilin-Park. Wir hatten einen richtigen sonnigen Herbsttag, den ich mit Helena und Horst nach seinem stressigen Unitag gerne auskosten wollte. Nur, meine Mutter war dabei, die staendig gemeckert hat, dass ich ein Tuch auf Helenas nackte Beine haette legen sollen, da sie sonst von Muecken zerstochen wuerde, etc. etc. Helena hat keinen einzigen Mueckenstich abgekriegt, sondern ich jede Menge an den Beinen. Horst und ich haetten die Ruhe im Park viel mehr geniessen koennen, wenn meine Mutter nicht dabei gewesen waere. Sogar beim Teetrinken sass sie mit einem verbissenen Gesicht neben uns, vielleicht war sie beleidigt, dass sie das Kind nicht ueber die Bruecke getragen hat, was sie vorhatte. Na ja.

Ein paar Tage spaeter, als sie mir Einkaeufe brachte, sagte sie mir, dass das Geld, das ich ihr dafuer gegeben hatte, nicht mehr gereicht habe. Dies hat mich doch sehr gewundert, also fragte ich nach der Abrechnung, die mein Vater jeden Tag fleissig fuehrte. Am naechsten Tag kam sie mit einer langen Liste, in der auf der letzten Zeile gross „Schulden in Hoehe von 114,30 Yuan“ stand. Ich guckte mir die Rechnung durch und stellte fest, dass alles, aber auch alles darauf stand: Wenn meine Mutter mir manchmal Suppe mitbrachte mit irgendeinem komischen Zeug drin, von wegen, wenn ich es esse, wuerde ich mehr Muttermilch produzieren koennen, oder Fruehstueck, welches 1,50 Yuan kostete. Dann haben meine Eltern auch noch die ganzen Photos von Helena, die sie fuer sich und ihre Nachbarn haben wollten, bei mir abgerechnet. So war das aber nicht abgemacht. Sie bestritt das alles und behauptete, sie habe auch einiges von ihrem Geld bezahlt. Als ich sie auf die Zahlen auf der Liste hinwies, dass mein Vater alles von meinem Geld abgezogen hat, meinte sie nur, das habe sie nicht gewusst, da mein Vater ja die Rechnung gefuehrt habe.

Ich konnte es mir nicht vorstellen, dass alle anderen chinesischen Eltern ihren Kindern so etwas antun und jeden Cent vom Mitbringsel etc. abrechnen wuerden. Ich habe mich ein wenig aufgeregt und sagte dann zu meiner Mutter, es sei so nicht in Ordnung, dass ich fuer das Zeug in der Suppe bezahlen muesse, denn ich habe es nicht gemocht und schon gar nicht bestellt, auch die vielen Photos, mehr als 200 Stueck mit meiner Bestellung insgesamt, bei mir abzurechnen. Sie gab mir eiskalt als Antwort, ich koenne froh sein, dass sie nichts fuer die ganzen Stunden verlange, die sie fuer mich und Helena aufwende!

Ich war fix und fertig und habe es Horst spaeter erzaehlt, als sie schon wieder was Gemeines zu mir sagte. Gottseidank war Horst am diesem Tag zu Hause. Er war wuetend. Ich bat ihn, nicht so sauer zu sein, aber er knuellte die Preisliste zusammen und schmiss sie an die Wand. Das hat meine Mutter natuerlich genaustens beobachtet. Ohne viele Worte zu verlieren, wollte sie nach Hause. Ich wollte ihr die 120 Yuan wiedergeben. Sie lehnte es ab und drohte, die Geldscheine zerreissen zu wollen. Mein Vater rief mich am spaeten Abend an und sagte, ich solle mich doch melden, falls ich meine Mutter braeuchte.

Zwei Tage spaeter war Horst am Nachmittag alleine mit Helena zu Hause, als ich die Beglaubigung von Helenas Geburtsurkunde abholte und dann anschliessend zum Buero der Auswaertigen Angelegenheiten fuhr, um die Urkunde ueberbeglaubigen zu lassen. Horst war reichlich beschaeftigt mit Helena und hat weniger fuer die Uni geschafft, als er vorhatte. Na ja. Am Abend hatten wir einen Massagetermin, den ich eigentlich wegen meines humpelnden Beins und meiner Daumen, die auch stark schmerzten, gerne wahrnehmen wollte. Also habe ich meine Mutter angerufen und gefragt, ob sie am Abend 1 1/2 Stunden auf Helena aufpassen koennte. Sie kam dann, ohne sehr freundlich zu mir zu sein, begutachtete das Kind und beauptete, die Augenwinkel seien rot, also muesse Helena die ganzen zwei Tage nur geheult haben. Ich habe uns verteidigt und ihr garantiert, dass es Helena wunderbar ging und dass das Baden mit Horst gemeinsam auch sehr gut geklappt hat.

Am letzten Samstag ist die ganze Spannung nun endgueltig geplatzt: Horst musste frueh aus dem Haus, um am Vormittag auf einem Farmers’ Market zu sein und am Nachmittag in der Uni eine Vorlesung zu halten, da die Chinesen wegen einer Woche Oktoberferien die Feiertage umgeschoben haben. Meine Mutter kam gegen 13 Uhr und wollte Helena sofort baden. Ich habe sie gerade gestillt und sie schlief fest, also sagte ich, dass wir sie spaeter baden wuerden. Kaum war ich im Arbeitszimmer, um Steuerunterlagen fuer unsere Firma durchzusortieren, die unbedingt in diesem Monat eingereicht werden muessen, hoerte ich meine Mutter Helena wecken und sich laut mit ihr unterhalten. Ich war sauer, weil es stundenlang gedauert hatte, bis sie endlich eingeschlafen war. Meine Mutter behauptete aber, sie sei von alleine aufgewacht. Ich musste mich schon sehr zurueckhalten, um nicht mit ihr zu streiten.

Am Abend hat meine Mutter 90 ml Milchpulver fertiggemacht und wollte Helena fuettern, ohne mich zu fragen (dabei waren meine Brueste prall und ich haette ihr gerne Muttermilch gegeben). Ich bin dann runtergekommen und habe den Vorgang beobachtet. Helena trank seit ein paar Tagen nicht mehr aus der Flasche und musste mit einem Loeffel gefuettert werden. Die Haelfte der Milch ging daneben, erst auf meinen Hinweis hin, dass sie Baeuerchen machen muesse, hat meine Mutter sie auf dem Ruecken geklopft. Nach 40 ml war Helena voll und hat die Milch einfach ausgespuckt. Meine Mutter nahm dann den Becher und wollte ihr den Rest in den Hals runterkippen! Ich habe sie daran gehindert. Sie war beleidigt und meinte, Helena wuerde nicht genug trinken, ich sagte, dass ich sie doch stillen koenne, wenn sie Hunger haette und dass man sie doch nicht zwingen solle.

Dann fiel es mir wieder ein, dass meine Mutter mir vor einiger Zeit stolz berichtete, dass Helena auf einem(!) Schluck 90 ml getrunken habe. Ich dachte, vielleicht hat sie auch Helena gezwungen, die ganze Flasche auszutrinken, sowie ich es gerade erlebt habe. Das koennte doch der Grund sein, warum Helena ploetzlich ohne ersichtlichen Grund nicht mehr aus der Flasche trinkt.  Also habe ich sie zur Rede gestellt. Sie hat natuerlich alles bestritten. Auch behauptete sie, sie habe gerade eben sofort aufgehoert, Helena zu fuettern, was absolut nicht stimmte! Ich war sauer, weil es eine glatte Luege war!

Es kamen noch einige Sachen zusammen, wo ich den Eindruck hatte, dass sie einfach irgendwelche Stories ausgedacht hat, nur um zu verleugnen, dass sie etwas falsch gemacht hat. Wie z.B. hat sie einen gestreiften Ueberhang fuer die Wiege von ihrer Schneiderin machen lassen. Nun stellte es sich heraus, dass die Streifen quer sind und nicht laengs! Beim Stoffkaufen hatte ich es extra gesagt, so hatte ich reichlich viel Stoff gekauft. Nun behauptete meine Mutter, ich habe es nicht gesagt. Dann hiess es, die Schneiderin habe gemeint, wenn die Streifen laengs sein sollten, wuerde der Stoff nicht mehr ausreichen, dann hoerte ich aus einer anderen Bemerkung von ihr heraus, dass sie einen Teil des Stoffes vorne weg abgeschnitten hat, um einen Bettbezug fuer die Wiege zu basteln. Als ich explizit danach fragte, gab sie dann endlich zu, dass sie der Schneiderin nicht einmal gesagt hat, wie die Streifen sein sollten. Es hat mir so gereicht.

Meine Mutter liess mich waehrend  der Diskussion nicht ausreden und sagte, ok, es sei halt ihr Fehler, sie wuerde es nicht aushalten, dass ich dauernd nach Details fragte etc. Im naechsten Moment sagte sie, wir seien ja so undankbar, dass sie und mein Vater unsere Einkaeufe erledigten und Horst wohl die Preise zu hoch faende. Ich antwortete, wenn sie kein Deutsch verstehe, solle sie nicht so was behaupten, was Horst nicht gesagt habe. Sie meinte, sie habe alles aus Horsts Geste verstanden. Dann sagte ich ihr, dass wir uns eigentlich ueber ihre Bemerkung von wegen Stundenlohn aufgeregt haben. Sie schrie, dass sie gerade keinen Stundenlohn von uns haben wolle und dass sie sich ohrfeigen wuerde, falls sie so etwas behauptet habe. Das tat sie dann auch wirklich! Ich konnte es nicht fassen und war sprachlos, denn  dabei hielt sie die ganze Zeit Helena auf dem Arm hielt!

Ich nahm mir Helena und sagte ihr, sie sollte mit dem Theater aufhoeren und nach Hause gehen. Daraufhin schmiss sie mir ihren Fahrradschluessel auf den Tisch und wollte das Fahrrad nicht mehr haben, das Horst und ich ihr zum Muttertag geschenkt hatten. Was sollte denn das?! Sie knallte die Tuer zu und schloss die Tuer wieder auf, rannte ins Schlafzimmer, nahm sich den Ueberhang und sagte, sie werde den Stoff auf ihren eigenen Kosten neu besorgen und naehen lassen, es sei das letzte Mal dass sie was fuer mich tun werde, ich solle spaeter selber auf mein Kind aufpassen und alles andere selber erledigen.

Ich hatte sie gegen Mittag, also vor dem Streit gerade gefragt, ob sie am naechsten Tag auf Helena aufpassen koenne, da Horst und ich eigentlich vorhatten, an unserem Verlobungstag ein empfohlenes Restaurant auszuprobieren, das eventuell fuer Helenas Monatsfeier Ende Oktober in Frage kaeme. Ich war sehr sauer, dass sie die ganze Zeit hysterisch schrie und kein bisschen Ruecksicht auf Helena nahm, so dass sie den ganzen Streit mitgekriegt hat.

Ich blieb ruhig und sagte ihr, dass sie mir meinen Hausschluessel wiedergeben moege, bevor sie die Gelegenheit hatte, die Tuer noch einmal zuzuknallen. Sie legte dann ihren ganzen Schluesselbund auf den Tisch und sagte, das habe sie sowieso vor. Ich antwortete, ich wolle nur meinen Schluessel wiederhaben, sie solle ihre eigenen Hausschluessel bitte behalten. Sie machte den Schluessel wuetend ab und ging. Gottseidank kam Horst 10 Minuten spaeter nach Hause, so dass ich mich bei ihm ausheulen konnte. Dann rief mein Vater an und machte mir Vorwuerfe, dass ich meine Mutter so schlecht behandle. Ich wollte es ihm erklaeren, aber es hatte keinen Sinn, also habe ich aufgelegt.

Am naechsten Tag, als Horst laengst in der Uni war, klingelte mein Vater und sagte wuetend durch die Sprechanlage, ich solle die Tuer aufmachen. Er hat mir den Ueberhang wiedergebracht und sagte, ich moege mich doch bitte selber darum kummern, ebenso ein paar Schuhe von Horst, die zum Schuster mussten und restliche Stoffe, die fuer ein Kopfkissen fuer Helena gedacht waren. Er wollte doch einen Koffer abholen, den meine Eltern aus Platzmangel bei uns gelagert hatten. Er wollte auch alles wiederhaben, was meine Mutter in den letzten paar Tagen hier gelassen hat, wie Naehzeug, Kekse etc. Was solls.

Ich hatte gehofft, dass ich in Ruhe mit meinem Vater ueber den Vorfall von gestern reden koennte, da meine Mutter nicht mitgekommen war. Aber es hatte keinen Sinn. Er hoerte nicht auf, mir Vorwuerfe zu machen, konnte nicht begreifen, dass ich vor Wochen wegen des Fells von Argos gemeckert hatte etc. (Es war ganz stumpf, als ich Argos nach einer Woche Krankenhausaufenthalt wieder abholte. Meine Eltern hatten ihm nur salzige Entenhaelse gegeben, obwohl ich sowohl Trockenfutter als auch Dosenfleisch reichlich mitgegeben hatte.) Ich nehme also an, dass meine Eltern ab jetzt nichts mehr von mir wollen. Auch gut.

An unserem Verlobungstag haben wir also darauf verzichtet, essen zu gehen. Nach einem langen Unitag hat Horst ein wenig Schlaf nachgeholt (es war ja eine extrem kurze Nacht, knapp 2 Stunden). Am Abend hat Horst ein leckeres Rezept – Entenbrust mit Pfirsich – aus einer franzoesischen Zeitschrift gekocht, die Horsts Mutter uns zugeschickt hatte.

Seit Montag ist Horst nun zu Hause und geniesst mit mir und Helena die eine Woche Oktoberferien. Ich habe noch nichts weiter von meinen Eltern gehoert. Endlich ist Ruhe ins Familienleben zurueckgekehrt! Obwohl Horst sich noch sehr viel fuer seine Vorlesungen und Klausuren vorbereiten muss, finden wir genug Zeit, um mit Helena zu spielen und uns mit Argos zu beschaeftigen, damit er nicht zu eifersuechtig wird. Ich habe wieder angefangen, Uebersetzungsauftraege entgegenzunehmen, nein, eigentlich habe ich gar nicht damit aufgehoert:-) Es macht sehr viel Freude, zuzusehen, dass wir nach und nach mit dem nicht leicht verdienten Geld das Kinderzimmer fuellen.

Heute ist wieder ein wunderbarer sonniger Tag. Wir werden gleich das Didymos-Bindetuch mit meinem Obelix-Stofftier ausprobieren und dann Helena zum ersten Mal in der Nachbarschaft zeigen. Photos folgen!

Der erste Monat

September 26, 2008 von quanbohorst

Inzwischen ist unsere kleine Helena ein Monat alt. Wir haben uns auch langsam daran gewoehnt, nicht gleich beim ersten Schrei des Kindes aufzuspringen und Panik zu kriegen. Sie trinkt immer noch sehr gerne Muttermilch, so dass sie momentan gar keine Flasche mehr akzeptiert. Wenn wir den Sauger in ihren Mund schieben, schiebt sie ihn wieder erfolgreich mit der Zunge heraus, mit ihren kraeftigen Armen hat sie einmal fast geschafft, die Nuk-Flasche runterzuschmeissen. Ich habe meine Tante um Rat gebeten, sie war der Meinung, sie wieder mit dem Loeffel zu fuettern, damit sie nicht abnimmt.

Somit beginnt der Kampf beim Fuettern: Ich klemme einen Arm von ihr ein, damit ich nur mit dem anderen zu kaempfen habe. Dann versuche ich, sie in dem Arm zu halten, in derselben Hand den Becher mit der Milch zu balancieren und mit der Hand den Loeffel in ihren Mund zu schieben und ihrem wuetenden Arm und den trampelnden Beinen aus dem Weg zu gehen. Sie schreit, Vorteil: ihr Mund ist auf, Nachteil: sie kann sich leicht verschlucken. Manchmal behaelt sie einfach die Milch im Mund, um sie bei der naechsten Gelegenheit wieder auszuspucken. Nach 20 ml Milch bin ich total erschoepft und sie ist eingeschlafen. Kurz vor der Geburt haben wir extra eine Handpumpe von Avent gekauft und 10(!) Vorratsbehaelter, in der Hoffnung, dass ich reichlich Muttermilch bekomme und den Rest fuer Notfaelle aufbewahren kann. Nun trinkt Helena alles aus, so dass ich nicht einmal die Gelegenheit habe, die Milchpumpe auszuprobieren…

A propos Milch, das Milchpulver, das wir fuer Helena verwenden, ist von Similac Advance, eine der besten (amerikanischen) Marken. Sie wird original in Neuseeland bzw. Irland verpackt und nach China importiert. Also gibt es in dieser Hinsicht keine Probleme im Zusammenhang mit dem Milchskandal. Aber Horst trinkt seit 1 1⁄2 Jahren Milch von der chinesischen Marke „Bright“, bei deren Joghurt ebenfalls Melamin gefunden wurde. Wir haben die Milch sofort abbestellt. Nun trinkt Horst Mineralwasser, was ziemlich hart fuer ihn ist. Es gibt zwar Biomilch bzw. importierte Milch, aber sie ist sehr schwer zu bekommen.

Helena wiegt nun 5 kg und ist mindestens 58 cm lang. Nach und nach haben wir so viele Kleider fuer sie gekauft bzw. geschenkt bekommen, dass der Kinderkleiderschrank sich allmaehlich fuellt. Ich muss gestehen, dass die meisten Kleidungsstuecke pink sind, aber sie sehen alle soooo suess aus! Vor zehn Tagen haben wir einen blauen Schaukelstuhl von “Fisher Price” fuer ca. 50 Euro gekauft (Photos oben). Das hat sich auf jeden Fall gelohnt, da Helena gerne dadrin liegt und schnell einschlaeft. Der Stuhl hat sogar eine Vibrierfunktion. Falls sie mal quengelig wird, wird sie “per Knopfdruck” ruhig. Dann haben wir noch eine Spielmatte, Badewannenspielzeuge und vor allem eine Schildkroete von “Fisher Price” gekauft, die verschiedene Druckplatten auf dem Ruecken hat; Wenn alle Platten heruntergedrueckt werden, kommt der Kopf heraus. Horst fand das Spielzeug so suess, dass er es am liebsten auch fuer sein Buero zum Abreagieren der Studenten in seinen Sprechstunden gekauft haette!

Am 23. September ist Helena ein Monat alt geworden. In China ist dieser Tag etwas Besonderes und wird speziell gefeiert: Das Kind muss ueber drei verschiedene Bruecken getragen werden, wobei ein roter Schirm aufgespannt wird; Die Mutter bekommt 18 Mahlzeiten etc. Keine Angst, wir haben nur die erste Geschichte durchgefuehrt :-) Wir fanden den Guilin Park von Shanghai passend fuer diese Angelegenheit, da er wunderschoen ist und es hoffentlich schon Guiblumen zu sehen gibt.

Horst hatte an dem Tag Vorlesungen und samt Sprechstunde bis 14 Uhr zu tun, also war es am guenstigsten, uns im Park zu treffen. Ich hatte extra am Tag zuvor einen sauteuren Kinderwagen (500 Euro!!!) von Zooper bestellt, der am 23. geliefert werden sollte. Der Wagen kam im letzten Moment und dann auch noch in der falschen Farbe! Ich wollte rot haben, diese Farbe wurde mir auch bei der telephonischen Bestellung bestaetigt, aber in Wahrheit gab es ihn nur in goldgrau oder schwarz. Also habe ich erstmal auf den goldgrauen Kindewagen verzichtet und habe einen privaten Fahrer bestellt, um zum Park zu kommen. (Bemerkung: Den Fahrer kannten wir von Einkaeufen bei Carrefour. Zu Rush Hour stehen oft viele private Fahrzeuge vor grossen Supermaerkten. Sie sind ziemlich beliebt, da man sofort einsteigen kann und sie teilweise billiger als normale Taxen sind. Ich habe 120 Yuan fuer Hin und Zurueck rausgehandelt, fuer insgesamt 60 km war es ein vernuenftiger Preis. Ein Taxi haette es zwischen 160-180 Yuan gekostet.) Es war ein wunderschoener, sonniger Tag. Leider ist die momentane Temperatur von 29 Grad noch zu hoch, so dass die Guiblumen noch nicht aufgeblueht sind. Wir haben mehrere Bruecken mit Helena ueberquert. Danach haben wir im Teehaus einen Drachenbrunnentee mit Guiblueten getrunken. Es tat sehr gut. Nach 1½ Stunden haben wir uns auf den Rueckweg gemacht. Helena hat wohl reichlich neue Eindruecke aufgenommen und war ganz schoen erschoepft.

Natuerlich gibt es neben den schoenen Erlebnissen auch Buerokratie und Stress, wie z.B., letzte Woche wollte ich die Geburtsurkunde von Helena beim Notar beglaubigen lassen, um diese spaeter im Buero der auswaertigen Angelegenheiten ueberbeglaubigen zu lassen und einen Reisepass fuer Helena zu beantragen. Der Notar sagte, auf der Geburtsurkunde stand „Horst Harold Hohberge“, ein „r“ wuerde fehlen, es wuerde so nicht gehen. Als ich dann argumentierte, dass der Platz in der Urkunde eigentlich nur fuer chinesische Namen, also maximal drei Zeichen vorgesehen war, also Horsts ganzer Name einfach nicht reinpasste, meinte der Notar, dass die Geburtsurkunde neu ausgestellt werden musste, zu Not per Hand reingeschrieben und mit einem Stempel vom Krankenhaus versehen. Ich durfte am naechsten Tag wieder zum Krankenhaus fahren, um diesen Quatsch machen zu lassen, dann noch mal zum Notar fahren…

Ein wenig Neues

September 10, 2008 von quanbohorst

Hallo Freunde! Wir sind noch nicht eingegangen, seitdem wir am 28. wieder nach Hause durften:-) Sorry, dass wir erst jetzt den Blog aktualisieren, die kleine Helena haelt uns ganz schoen auf Trab, so dass wir es nicht frueher geschafft haben.

Helena ist eigentlich pflegeleicht, wenn sie satt ist, schlaeft sie mit einem suessen Laecheln im Gesicht, aber wenn sie Hunger hat, ist sie nicht zu baendigen: sie tanzt mit allen Haenden und Fuessen, schreit und weint, dann weigert sie sich, aus der Flasche zu trinken, nachdem ich eine komische Fluessigkeit reingefuellt habe, die angeblich gut gegen die Hitze sein sollte und stark von meiner Tante empfohlen war. Horst ist Gottseidank am naechsten Tag auf die schlaue Idee gekommen, den Sauger zu wechseln. Nun scheint der neue Kautschuk-Sauger anders zu schmecken, also ist Helena wieder gluecklich, ab und zu aus der Flasche zu trinken, falls die Muttermilch nicht ausreicht. Puhhhh!

Helena hat einen gesunden Appetit und trinkt sehr viel. Das Problem ist nur, dass sie beim Stillen einschlaeft und dann relativ schnell Hunger bekommt. Nachts schlaeft sie Gottseidank relativ tief, so dass ich 1-3mal aufstehen muss. Das ist ganz in Ordnung. Inzwischen wiegt sie 4,6 kg und ist viel groesser geworden. Meine Tanten waren schon zweimal zu Besuch, da sie gar nicht mehr ausgehalten haben und die Kleine so sehr vermisst haben. Ich musste ihnen auch versprechen, ganz viele Photos entwickeln zu lassen, damit die ganzen Aerzte und Krankenschwestern auf dem Laufenden gehalten werden. Was ich hier ergaenzen moechte, ist, dass Helena im Krankenhaus der Liebling von allen Krankenschwestern war. Auch viele Muetter und schwangere Frauen kamen sie besuchen, die ich nicht einmal kenne, denn es ist selten, dass man ein halbauslaendisches Kind zu sehen bekommt. Helena hat grosse Augen und eine sehr hohe Nase, so dass manche ihr Gesicht sehr „3D“ fanden, im Vergleich zu den anderen neu geborenen Babies.

Meine Wunde ist inzwischen sehr gut abgeheilt. Man sieht nur einen sehr duennen Strich. Es tut auch gar nicht mehr weh. Bloed ist nur, dass Horst seit 10 Tagen wieder Uni hat. Die zwei Wochen Semesterferien waren viel zu kurz, aber mein Timing war Gottseidank so guenstig, dass er bei meinen Voruntersuchungen dabei sein konnte und mich die paar Tage nach der Geburt ebenfalls im Krankenhaus begleiten konnte.

Nun zu unserem Hund: Als Argos Helena zum ersten Mal in der Wiege bemerkte, war er schon sehr neugierig. Er hat geschnuffert und sich unter die Wiege hingelegt. Als ich Helena dann in den Armen hielt, guckte er schon eifersuechtig, suchte nach seinem Lieblingsspielzeug und legte es Horst zu Fuessen und wollte unbedingt mit Herrchen spielen. Nachdem ich Helena zum ersten Mal gebadet habe und bevor ich ihr die Socken angezogen habe, hat Argos ihr die Fuesschen abgeschlenkt. Das war schon sehr suess. Nun hat er sich an Helena gewoehnt und laesst sie in Ruhe auf der Couch schlafen. Wenn ich sie stille, legt er sich auch auf meine Fuesse. Er ist schon ein vernueftiger Familienhund.

Morgen wieder zu Hause

August 27, 2008 von quanbohorst

Vielen Dank fuer all Eure guten Wuensche! Morgen wird Quanbo aus dem Krankenhaus entlassen, Helena und ihr geht es praechtig. Die Muttermilch ist schon ganz weiss, wofuer Quanbo von den Schwestern sehr gelobt wird. Trotzdem ist Helena so gierig, dass noch sehr viel zugefuettert wird. Sie saeugt auch so schon mal 40 Minuten an einer Brust, es scheint ihr aber nicht zu reichen. Gestern wog Helena 3890 g, ein Plus von 30 g in zwei Tagen. Dass Saeuglinge in den erten paar Tagen abnehmen, wussten wir, aber die Talfahrt scheint ja schnell vorueber. Hier noch ein paar aktuellere Photos.

Vom 25. August:

Vom 26. August:

Auf dem letzten Photo sind neben Quanbo ihre Tanten Nr. 1 & 3 zu sehen.

Helena und Quanbo wohlauf!

August 25, 2008 von quanbohorst

Die Kommentare im letzten Artikel sind natuerlich nicht absichtlich abgestellt worden. Ich weiss immer noch nicht, wie das passiert ist. Wir freuen uns natuerlich sehr ueber all Eure Glueckwuensche und Gedanken!!

Quanbo und Helena geht es gut, die Operationsnaht heilt gut ab und Helena trinkt unglaubich viel Milch, es wird auch jede Menge zugefuettert. Erste Impfung haben wir schon, morgen geht Helena zum Hoertest. Gewicht am 2. Tag: 3860 Gramm

Wir haben jetzt ein schoenes Einzelzimmer mit zwei Betten, Couch, Fernseher und Mikrowelle. Leider immer noch kein Internet :-( Ich bin kurz nach Hause gefahren, um einige wichtige Sachen zu erledigen, u.a., um die Aufenthaltsgenehmigungs- und Passfragen zu eruieren. Muss mich jetzt also sputen.

The Eagle Has Landed

August 23, 2008 von quanbohorst

Leider habe ich nur kurz Zeit, ein wenig zu schreiben, denn Quanbo liegt noch im Krankenhaus und wartet auf meine schnelle Rueckkehr. Heute vormittag um ca. 10:15 Ortszeit ist unsere Tochter Helena auf die Welt gekommen. Mit 3.95 kg und 50 cm Koerperlaenge ist sie ein starkes Balg, wie ihr hier sehen koennt:

(Die Krankenschwester ist Quanbos Tante Nr. 3, vaeterlicherseits.)

Nachdem Quanbo an einem Uebersetzungsauftrag die Nacht praktisch durchgemacht hatte, setzten (kurz bevor sie die Arbeit um 5 Uhr frueh beendete) die ersten Wehen ein. Nach zwei Stunden im Bett war klar, dass wir zum Krankenhaus mussten. Dort angekommen, wurde festgestellt, dass sich der Muttermund bereits auf einen Finger geoeffnet hatte. [Anm. In China ist die nicht-SI Einheit "Finger" fuer den Durchmesser/Radius des Muttermundes gebraeuchlich. Volle/fuer eine Geburt hinreichende Oeffnung sind "10 Finger". Metrische Einheiten dafuer sind mir nicht gelaeufig.]

Wir hatten uns wegen der Groesse des Babys schon zuvor fuer einen Kaiserschnitt entschieden, und dies war auch im nachhinein betrachtet die eindeutig richtige Entscheidung. Denn die Nabelschnur, die sich (entgegen frueheren anderslautenden Berichten) um den Koerper (Hals und Bauch) gewickelt hatte, war so dick, dass eine natuerliche Geburt gar nicht moeglich gewesen waere. Der Kaiserschnitt verlief weitgehend problemlos, und Quanbo und Helena sind wohlauf. Ein erstes Stillen hat schon gut geklappt, und Helena schlaeft bis jetzt ruhig und viel. Sie liegt in einem Koerbchen neben Quanbos Bett.

Wir haben fuer die erste Nacht ein Dreibettzimmer (ich schlafe auf Isomatte) mit zwei weiteren Muettern. Ab morgen dann aber ein Einzelzimmer mit extra Bett fuer mich.

Da wir im Krankenhaus kein Internet haben, ist es fraglich, wann wir es schaffen, den naechsten Eintrag zu schreiben. Bis bald!